AI-Aktiv Globetrotter mit Schweizer Wurzeln

Patrik Fischer ist in vielen Ländern zu Hause. Eine Reise in den Sudan, zu dem er als Länderexperte für Amnesty International arbeitet, fehlt ihm aber noch.
Patrick Fischer © AI

«Ich bin dort zu Hause, wo ich wohne», sagt Patrik Fischer an einem sonnigen Sonntagmorgen im Zürcher Niederdorf. Als Auslandschweizer wuchs der 27-jährige Jurist in zahlreichen Ländern auf und kennt so verschiedene geographische Destinationen wie die USA, Guatemala, England oder Peru. Erst mit zwanzig Jahren kehrte er zurück in die Schweiz, wo er an der Berner Universität letztes Jahr das Studium abschloss.

Patrik Fischer, derzeit auf Rechtsberatungsstellen für Asylsuchende in Zürich und Kreuzlingen tätig, kommt seine Migrationserfahrung zu Gute: «Ich weiss wie es ist, wenn man bei Null anfangen muss.» Auch wenn sich Patrik Fischers Migrationshintergründe natürlich von jenen seiner Klientinnen und Klienten unterscheiden, so ist er im Ausland für viele Situationen sensibilisiert worden und kann gewisse Lebensumstände nachvollziehen. «In Lima etwa haben wir direkt neben dem Slum gewohnt – die krassen Unterschiede zwischen Arm und Reich wurden uns täglich vor Augen geführt.»

Direkt in Kontakt mit Amnesty International (AI) kam der heutige Länderexperte für den Sudan allerdings erst in der Schweiz, als er Ende 2002 an der Uni Bern für eine pakistanische Frauenrechtsaktivistin einen Vortragsabend organisierte und sich hierzu mit der Uni-Gruppe Bern in Verbindung setzte. Patrik Fischer wurde zunächst passives AI-Mitglied, und dann ergab ein Schritt den nächsten. Zum Menschenrechtstag 2003 organisierte er ein Symposium zum Sudan und wurde danach angefragt, Freiwilligenarbeit als Länderkoordinator zu leisten. «Dass ich ausgerechnet auf den Sudan stiess, war Zufall», sagt Patrik Fischer, der das Land noch nicht bereist hat.

Nachdem er sich mit der Sklaverei in den USA beschäftigt hatte, stiess er Mitte 90er Jahre auf einen Zeitungsartikel über die Sklaverei im Südwestsudan. Er sei erschüttert gewesen, weil er die Sklaverei für Vergangenheit gehalten hatte – und habe sich verpflichtet gefühlt, etwas zu unternehmen. Zum Symposium an der Universität Bern lud er John Eibner von der Organisation «Christian Solidarity International» ein, die sudanesische Sklaven freikaufte. Trotz diesen umstrittenen Aktionen, von denen sich auch AI distanzierte, habe Eibners Organisation wenigstens etwas getan und nicht aus politischen Gründen geschwiegen, bilanziert Fischer heute.

Auch nach dem Nord-Süd-Friedensabkommen vom vergangenen Jahr hat der Sudan immer noch mit riesigen Problemen zu kämpfen. Der Konflikt in der Provinz Darfur hält an, mit den Ölvorkommen wer-den Menschenrechtsverletzungen finanziert und der Konflikt beginnt sich mit der unstabilen Lage im Tschad zu vermischen. «Kein Friede ohne Menschenrechte» lautet die Botschaft von AI, die Menschenrechtsorganisation fordert deshalb unter anderem ein taugliches Justizsystem, Frauenrechte, den Stopp von Waffenlieferungen und funktionierende Staatsbehörden.

Patrik Fischer setzt sich als Länderexpeerte und Jurist dafür ein – zusammen mit zwei weiteren Freiwilligen zum Sudan. «Manch-mal allerdings wünschte ich mir eine klarere Position von Amnesty International zu Fragen der Friedensförderung», fügt er an.