Hochschule der Künste Werben für die Menschenrechte

«Werben für die Menschenrechte» lautete die Aufgabe, die 21 Studierenden an der Hochschule der Künste in Bern gestellt wurde. Entstanden sind vielfältige Plakate – und das Bewusstsein, dass Menschenrechte für jeden eine Rolle spielen.
Plakat Kindsmissbrauch von Adrian Merz © HKB

An der Bushaltestelle Weissenbühl in Bern steht eine Säule mit einem Plakat, das sich beim näheren Hinschauen als Bastelsatz für einen Hampelmann in der Gestalt eines Guantánamo-Häftlings entpuppt. Funktionieren tut der Hampelmann allerdings nicht – seine Beine und Arme sind aneinander gekettet. «Die Freiheit nehm ich dir», unterstreicht ein Schriftzug die Aussage.

 Das Plakat von Dimitri Reist ist nur eines von zwölf, die vom 30. März bis zum 6. April an den Kultursäulen in und um Bern zum Denken über die Menschenrechte anregten. Entstanden sind sie im Rahmen des Unterrichtsprojektes «Werben für die Menschenrechte» an der Hochschule der Künste (HKB) in Bern. Ziel war es, ein Menschenrechtsthema oder die Menschenrechte als Ganzes in einem Bild festzuhalten, das einfach lesbar und schlagkräftig – halt eben plakativ – ist. Entstanden sind dabei 21 ganz unterschiedliche Plakate – die zwölf besten wurden ausgestellt.

«Menschenrechte sind ein sehr komplexes Thema und schwierig auf ein eindeutiges Bild herunterzubrechen, ohne in Klischees zu verfallen», sagt Cornelia Hess. Deshalb habe sie versucht, sich von den gängigen Bildern zu lösen und von sich selber auszugehen. Ähnlich erging es den meisten Studierenden, alle im ersten Semester und das erste Mal vor die Aufgabe gestellt, ein Plakat zu gestalten. «Am Anfang waren wir alle ziemlich überfordert», sagt Hélène Marguet.

Schritt für Schritt haben sich die Studierenden an ihre Aufgabe herangetastet. Nach eigenen Recherchen wurde der Klasse in einem Workshop mit Amnesty International und Menschenrechte Schweiz (MERS) die Menschenrechtsthematik näher gebracht. Mindestens so wichtig waren die Diskussionen unter den Studierenden. «Eigentlich sollte es die Menschenrechte nicht brauchen», sagt Dimitri Reist. «Denn sie zeigen, dass wir nicht in der Lage sind, normal miteinander umzugehen.»

Inzwischen ist das Projekt abgeschlossen. Hélène Marguet hat einen Menschen ohne Haut dargestellt, um zum Denken über «Rassismus» anzuregen. Adrian Merz lässt einen Mann an einem Kind lecken, um damit das Tabu des Kindsmissbrauchs zu brechen.

So unterschiedlich die Auseinandersetzung mit den Menschenrechten ausgefallen ist – gemeinsam ist allen KunststudentInnen das Bewusstsein, «dass die Menschenrechte immer und überall präsent sind und dass sie uns alle betreffen», sagt Marguet.   



Erschienen im Magazin amnesty vom Mai 2006.
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion.