AI-Aktiv In St. Gallen eine Lücke gefüllt

Vor wenigen Monaten wurde an der Hochschule St. Gallen die jüngste Unigruppe gegründet. Zu den MitbegründerInnen gehört Daniela Biri.
Daniela Biri © AI

«Das gibt es ja nicht, dass wir in St.Gallen keine AI-Unigruppe haben!», fanden die jungen Studierenden Daniela Biri und Dominik Weber angesichts der fehlenden Präsenz von Amnesty International (AI) an ihrer Universität. Für Daniela ist AI ein neues Tätigkeitsfeld. Bisher hat sie ab und zu Organisationen mit Spenden unterstützt. Doch es reizte sie, selber aktiv zu werden. Dominik dagegen kannte als langjähriges Mitglied die Struktur der Organisation bereits gut und setzte sich mit bestehenden Unigruppen in Verbindung. «Genau dieses bestehende Netzwerk machte für uns den Reiz aus», erinnert sich Daniela Biri.

Dominik Weber und Daniela Biri streckten ihre Fühler aus, bei den KommilitonInnen stiess die Idee einer AI-Unigruppe durchwegs auf positives Echo. Sieben Studierende sind seit der Gründungsversammlung im vergangenen Oktober fest dabei, viele weitere wollen bei konkreten Aktionen mithelfen. «Überraschend positiv» beurteilt Daniela Biri den bisherigen Verlauf, auch was die Akkreditierung der Gruppe als universitären Verein anbelangt. Das Bewusstsein für Menschenrechte und soziale Fragen steige auch an der Schweizer Hochburg für Wirtschaftswissenschaften, sagt sie. Begriffe wie Nachhaltigkeit oder soziales Management würden heute grossgeschrieben. «Werte müssen von oben her vorgelebt werden», ist Daniela Biri überzeugt.

Sie möchte einmal für eine grosse internationale Organisation wie die Uno arbeiten. «Unternehmensführung hat für mich sehr viel mit Menschenrechten zu tun.» Wirtschaft und Menschenrechte soll auch das Spezialgebiet der Gruppe werden. Das der Uni angegliederte Zentrum für soziale Unternehmensführung ist ein erster Anknüpfungspunkt.

Nicht etwa die Wirtschaftswissenschaften, sondern die internationalen Beziehungen haben die 21-Jährige aus dem Aargau in die Ostschweiz gelockt. Sechs der sieben Mitglieder der Unigruppe sind im gleichen Studiengang. «Wir sehen uns täglich an den Vorlesungen und motivieren uns gegenseitig für AI.»
Die Wurzeln ihres heutigen Engagements sieht Daniela Biri in ihrem katholischen Elternhaus. Dort wurden ihr menschliche Grundwerte und Nächstenliebe täglich vorgelebt. Aufgewachsen in dieser «fast heilen Welt», habe sie sich gleichzeitig immer sehr für das Weltgeschehen interessiert. «Ich lasse mich berühren von Ungerechtigkeit und Leid», sagt die feingliedrige Frau.

Sie sei solchen Eindrücken gegenüber sehr sensibel und müsse erst noch lernen, sich abzugrenzen. Neben dieser durchlässigen Seite strahlt Daniela Biri aber auch eine grosse Lebensenergie aus. Sie freut sich auf den direkten Kontakt mit den Studierenden bei kommenden Aktionen.

Und wann darf die Uni St. Gallen das erste Mal AI-Luft schnuppern? Seit Ende Januar läuft der Film «Blood Diamonds» auch in St. Gallen. Vorgängig will die Gruppe mit einer Flugblattaktion erstmals an der Uni auf sich aufmerksam machen und Unterstützungsmitglieder suchen.   

von Christa Dold

Erschienen in «amnesty - Magazin der Menschenrechte» vom März 2007
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion