Standpunkt Bewusster Kaufentscheid gefragt

Standpunkt von Bernhard Bircher-Suits zu fairem Handel im Erdölgeschäft.

Bernhard Bircher-Suits © ZVG

Erdöl ist allgegenwärtig: Es steckt in so alltäglichen Dingen wie Plastikflaschen, Sportbekleidung und sogar in der Zahnpasta. Millionen KonsumentInnen benutzen oder verbrauchen das nicht erneuerbare Gut täglich meist unbewusst in irgendeiner Form. Erdöl ist denn auch das meistgehandelte Gut der Welt. Erstaunlicherweise wissen ErdölverbraucherInnen jedoch nur wenig bis gar nichts über die Förderumstände in den Erdölherkunftsländern und die Geschäftspraktiken der Förderfirmen. Oder haben Sie eine Ahnung, ob sich Shell, BP, Tamoil und die vielen anderen international agierenden Firmen an existierende Sozial-, Umwelt-, Finanz- oder Menschenrechtsstandards halten? Bisher haben EndverbraucherInnen lediglich die unspektakuläre Wahl zwischen 95er- oder 98er- Benzin – mehr nicht. Das soll sich in Zukunft dank FairOil ändern.

Der Verein FairOil will dazu einen freiwilligen Firmen-Verhaltenskodex national und international etablieren. Firmen, welche strenge Richtlinien in den erwähnten Bereichen, Sozial-, Umwelt-, Finanz- und Menschenrechtsstandards, erfüllen, sollen mit einem FairOil-Label für ihre Produkte werben dürfen. Die Kontrolle der Firmen wird über international anerkannte Prüffirmen erfolgen. Ein Rating-System für international agierende Erdölfirmen soll zudem aufzeigen, welches weltweit die am vorbildlichsten agierenden Firmen sind und welche Firmen sich einen Deut um Standards kümmern.

Die Rohöl-Herkunft lässt sich technisch zwar nur schwerlich zurückverfolgen. Das Verhalten von Firmen lässt sich hingegen relativ einfach überprüfen, und so kann die Spreu vom Weizen getrennt und den KonsumentInnen mit einem Label klargemacht werden, welche Firmen sich «ethischer» verhalten als andere. Der Unterschied zu anderen Transparenzinitiativen ist der, dass die KonsumentInnen beim FairOil-Ansatz ihre Marktmacht durch einen bewussten Kaufentscheid voll ausüben können, wenn sie durch ein Label zusätzliche Informationen am Verkaufspunkt erhalten. FairOil will ausserdem mit Hilfe eines Mehrpreis-Modells den «ethischen» Wettbewerb unter den Erdölanbietern ankurbeln und die KonsumentInnen für die Probleme in den Erdölherkunftsländern sensibilisieren. KonsumentInnen sollen mit einem bescheidenen Aufpreis bei Benzin, Diesel oder Heizöl Entwicklungsprojekte in armen Erdölherkunftsländern unterstützen.

Der Verein FairOil mit Sitz in Zürich wurde im Mai 2005 von Personen aus den Bereichen Umweltschutz, Menschenrechte und Medien gegründet und funktioniert bisher auf ehrenamtlicher Basis. Ziel ist es, eine FairOil-Geschäftsstelle aufzubauen, welche die Vereinsziele auf professioneller Basis umsetzt.    
Bernhard Bircher-Suits (33), ist leitender Wirtschaftsredaktor in Zürich und Präsident des Vereins FairOil.
www.fairoil.org

Erschienen in «amnesty - Magazin der Menschenrechte» vom März 2007
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion