Guatemala Die Schatten des Krieges

Elf Jahre nach Ende des Bürgerkriegs wird Guatemala noch immer gelähmt durch alte Machtstrukturen, gravierende soziale Ungleichheit, Gewalt und Straflosigkeit. Die Journalistin Marielos Monzón gehört zu denen, welche die Missstände beim Namen nennen – und damit ihr Leben aufs Spiel setzen.
© AI

Die stand am Horizont. Ich näherte mich ihr zwei Schritte und sie entfernte sich zwei. Ich machte erneut zwei Schritte auf sie zu und der Horizont rückte zehn Schritte weg. So weit ich auch ging, ich konnte sie nicht erreichen. Wozu also dient die Utopie? Sie hilft voranzukommen.» Nichts könnte das Engagement von Marielos Monzón besser beschreiben als diese Worte des uruguayischen Schriftstellers Eduardo Galleano. Seit die junge Journalistin 1996 ihre erste Radio-Talkshow in Guatemala moderierte, ist sie zu einem Sprachrohr geworden für diejenigen, deren grundlegende Rechte mit Füssen getreten werden: die indigene Bevölkerung und insbesondere die Frauen.


«Wir sind in Lateinamerika auf Rang eins in Bezug auf die chronische Unterernährung von Kindern und führen gleichzeitig die Rangliste an, was den Pro-Kopf-Besitz von Privatflugzeugen anbelangt», illustriert Monzón die drastische soziale Ungleichheit in ihrem Land. Sieben von zehn Personen müssen mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen, während mehr als 70 Prozent des fruchtbaren Landes im Besitz von 2 Prozent der Bevölkerung sind. Die Vertreibung der indigenen Bevölkerung, die mit der spanischen Invasion im 16. Jahrhundert begann, fand im 36-jährigen Bürgerkrieg mit der Zerstörung von 400 indigenen Dörfern und grausamen Massakern an der Bevölkerung ihren traurigen Höhepunkt. Das Land wurde grossteils von Militärs oder GrossgrundbesitzerInnen konfisziert, die sich bis heute mit aller Kraft gegen Landreformen wehren.

Erschienen in «amnesty - Magazin der Menschenrechte» vom September 2007
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion