Filmbesprechung Die Rückkehr nach Gorée

Der senegalesische Sänger Youssou N’Dour hat sich auf den Spuren der Sklaverei von seiner Heimat bis nach Amerika begeben und hat die Ursprünge des Jazz aufgezeigt. Treffen mit einem Sänger, der Afrika eine Stimme gibt.
© Filmcoopi

Gorée, eine kleine Insel vor der senegalesischen Küste, war zur Zeit der Sklaverei der wichtigste Umschlagplatz für den Menschenhandel in Westafrika. Hier wurden die Menschen zusammengepfercht, bevor sie auf die lange Reise nach Amerika geschickt wurden. Die Namen derjenigen, welche die Reise überlebten, wurden durch spanische, portugiesische oder englische ersetzt. Der senegalesische Sänger Youssou N’Dour ist dem Weg der Sklaven nachgereist und der Musik, die mit ihnen ging: dem Jazz. Begleitet wurde er dabei vom Westschweizer Filmemacher Pierre-Yves Borgeaud, der die Reise in seinem Film «Die Rückkehr nach Gorée» dokumentiert hat. «Ich wollte mir mit dieser Reise darüber klar werden, dass viele Dinge mit der Sklaverei von Afrika nach Amerika gelangt sind. Ich wollte aufzeigen, dass die Vielfalt von Kulturen, Sprachen oder Re ligionen kein Hindernis, sondern ein Reichtum ist», beschreibt der Sänger sein Projekt anlässlich seines Besuches am Jazzfestival in Montreux. Eine Vielfalt, die die Filmleinwand fast zum Platzen bringt. Trotz der unterschiedlichsten Hintergründe gelingt es den MusikerInnen, sich über die Musik zu verständigen – ein Kennenlernen, das mit einem grossen Konzert in Gorée seinen Höhepunkt findet. Mit vielen Emotionen wird der Zuschauer Zeuge, wie die AfroamerikanerInnen teilweise das erste Mal Fuss auf afrikanische Erde – die Heimat ihrer Vorfahren – setzen.

Vielfältiges Engagement

Dass sich Youssou N’Dour für Themen engagiert, die ihm am Herzen liegen, ist nicht neu. Seine erste Welttournee machte er mit Amnesty International im Jahr 1988 an der Seite von Sting und Bruce Spring steen. Weltweit bekannt wurde er jedoch erst mit dem Song «Seven Seconds», einem Duett mit Neneh Cherry, der sich mehr als zwei Millionen Mal verkaufte. Heute ist Youssou N’Dour das Wunderkind von Senegal und sein Name bekannter als derjenige des Premierministers. Youssou N’Dour weiss seinen Erfolg einzusetzen: «Bevor ich nach Montreux kam, habe ich den Veranstalter Claude Nobs angerufen und gesagt, dass ich das Publikum gerne auf die Situation in Darfur aufmerksam machen möchte.» So kam es, dass er vor seinem Konzert einen Marsch für die Opfer der humanitären Katastrophe im Sudan organisierte – für Youssou N’Dour eine logische Folge seines Engagements für die CD «Make Some Noise», mit der sich zahlreiche bekannte MusikerInnen auf Initiative von Amnesty International für die Bevölkerung von Darfur eingesetzt haben. «300000 Tote, 2 Millionen Vertriebene. Das Schweigen muss gebrochen werden. Jeder kann auf seine Weise etwas dazu beitragen, dass diese Grausamkeit gestoppt wird.»

Erschienen in «amnesty - Magazin der Menschenrechte» vom September 2007
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion