Filmbesprechung «Wasser ist kostbar»

In ihrem Spielfilm «Als der Wind den Sand berührte» befasst sich die Regisseurin Marion Hänsel mit den Zusammenhängen zwischen Wasserknappheit, Bürgerkriegen und Menschenrechtsverletzungen.

«Wasser ist kostbar» © ZVG

«Als der Wind den Sand berührte» ist ein Spielfilm über die tragische Odyssee einer afrikanischen Familie, die flüchtet, als die Brunnen im Dorf versiegt sind. Ihr Weg führt sie durch Bürgerkriegsgebiete und endlose Wüste. Regisseurin Marion Hänsel lässt den Zuschauer in eindrücklichen, poetischen Bildern am furchtbaren Schicksal der Familie teilhaben.

Wie kamen Sie zu dem Filmprojekt?
«Ich wollte schon immer einen Film in der Wüste drehen. Wasserknappheit ist natürlich ein nahe liegendes Thema, aber mir fehlte die Geschichte. Zufällig stiess ich auf den französischen Roman «La Chamelle» von Marc Durin-Valois, der Grundlage meines Drehbuchs wurde.»

Was hat das Thema Wasser mit Menschenrechten zu tun?

«Jeder Mensch sollte über Trinkwasser als ein grundlegendes Menschenrecht verfügen. Doch Wasser wird zunehmend zu einem privaten Gut. Wasserwerke werden privatisiert, die Preise steigen. Nur wer Geld hat, kann sich Wasser leisten. In 80 Ländern der Welt herrscht Wasserknappheit. Bis 2015 sollen im Rahmen der Weltentwicklungsziele 600 Millionen Menschen Zugang zu Trinkwasser bekommen. Bislang sind wir weit davon entfernt.»

Was ist die Botschaft des Films?
«Dass Wasser kostbar ist. Wenn der Zuschauer diese Erkenntnis gewinnt und bewusster mit Wasser umgeht, dann hat der Film seinen Zweck erfüllt. Auf den eigenen Wasserverbrauch zu achten, ist ein kleiner Schritt – aber einer, den wir alle gehen können.»

Ihr Film verzichtet auf Hintergrundinformationen zum globalen Wasserproblem. Man erfährt auch nicht, in welchem afrikanischen Land der Film spielt.

«Der Film ist eine Parabel. Er spielt in Afrika – das Wasserproblem betrifft aber die ganze Welt. Daher spielt es keine Rolle, ob wir in Mali, Tschad oder Sudan gedreht haben. Wenn die Geschichte den Zuschauer berührt hat, wird er sich weiter informieren. Ich hoffe auch, dass der Film an vielen Schulen gezeigt wird.»

Die Familie im Mittelpunkt ihres Films geht stets liebe- und aufopferungsvoll miteinander um. Verrät das nicht mehr über unseren westlich-romantisierenden Blick auf die «armen, aber guten Afrikaner», als darüber, wie sich Menschen verhalten, wenn sie langsam, aber sicher verdursten?

«Natürlich sind nicht alle afrikanischen Familien beispielhaft in Schönheit und Harmonie. Auch in Afrika gibt es Familien, die sich hassen, und Kinder, die geschlagen oder vergewaltigt werden. Trotzdem ist die Mentalität eine andere und der Zusammenhalt ausgeprägter als bei uns. So spielt es nach wie vor eine wichtige Rolle, Güter zu teilen und füreinander zu sorgen. Die Liebe ist Teil dieses Systems. Ich romantisiere nicht, wenn ich das so sage.»

Der Film endet tragisch. Zeichnet der Film nicht ein zu negatives Bild des afrikanischen Kontinents?
«Das Mädchen Shasha, die Hauptfigur des Films, bringt Hoffnung und Leben in den Film. In ihrer Stärke symbolisiert sie das, was aus Afrika einmal werden kann. Frauen tragen massgeblich zu einem positiven Wandel bei – sofern sie die Chance dazu bekommen. Das bedeutet auch, dass Mädchen wie Shasha die Möglichkeit haben müssen, zur Schule zu gehen. Ich setze sehr viel Hoffnung in die Kraft der Frauen in Afrika. Sie werden etwas bewegen – es wird nur seine Zeit dauern.»

Erschienen in «amnesty - Magazin der Menschenrechte» vom November 2007
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion