AI Aktiv Ein Psychiater rüttelt das «Ländle» auf

Noch kein Jahr alt, ist die AI-Gruppe Liechtenstein mit ihren Anliegen bereits bis ins Fürstenhaus vorgedrungen. «Die Menschenrechte bis in die hinterste Amtsstube tragen» ist denn auch das Ziel ihres umtriebigen Gründers und Präsidenten, des Psychiaters Andreas Nägele.

Ein Psychiater rüttelt das «Ländle» auf Andreas Nägele und Alma © AI

«Eigentlich habe ich mit Vereinen nichts am Hut», lacht Andreas Nägele, während er seiner Landseer-Hündin Alma über den Kopf streicht. Seit ihrem ersten Auftritt an der Delegiertenversammlung der Schweizer Sektion von Amnesty International (AI) in Locarno gehört Alma als Maskottchen zum harten Kern der Liechtensteiner AktivistInnen. Die AI-Gruppe, die noch nicht einmal ein Jahr besteht, hat dank ihrer hoch motivierten Mitglieder und ihrer professionellen Arbeitsweise im «Ländle» bereits einige Menschenrechtsthemen aufs Tapet gebracht und wurde vom Fürsten und vom Regierungschef persönlich zum Akkreditierungsgespräch vorgeladen.

«Ich komme in meinem Beruf immer wieder mit Menschen in Kontakt, die in ihrer Würde und ihrem Dasein durch Staat, Regierung und Ämter beeinträchtigt werden, zum Teil so stark, dass sie schwer daran erkranken», erklärt der Psychiater seine Motivation für die Gründung einer AI-Gruppe im Fürstentum Liechtenstein. So war es auch der Fall eines Patienten, der ihn veranlasst hatte, mit der AI-Gruppe in Sargans Kontakt aufzunehmen was schliesslich dazu führte, dass sich der politisch interessiert Nägele eingehender mit den Anliegen und der Funktionsweise der Menschenrechtsorganisation auseinandersetzte. «Das gute an AI ist, dass sie sich immer auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte bezieht. Das hilft, auch bei starker Betroffenheit die notwendige Distanz zu wahren, die für ein wirksames Engagement nötig ist», sagt Nägele. «Ausserdem bietet sie eine sachliche Grundlage, um Regierungen an die Einhaltung ihrer Pflichten zu erinnern.»

Seit ihrer Gründung am 22. März 2007 lobbyiert die Gruppe intensiv für die Menschenrechte auf der ganzen Welt und im eigenen Land. Aktionen zum Thema KindersoldatInnen mit einem Benefizkonzert hochbegabter JugendmusikerInnen im grössten Konzertsaal in Vaduz, eine Aktion zu Menschenrechten in Palästina, die Gründung einer Jugend-, einer Kultur- und einer Queer-Gruppe sowie ein Treffen zur besseren Vernetzung der AIArbeit in der Vierländerregion haben die LiechtensteinerInnen bereits organisiert.

Anstatt mit Bücherlesen verbringt Andreas Nägele seine Nächte nun mit dem Studium von AI-Dossiers, «die mir meine KollegInnen liebevoll zusammenstellen», sagt er. Eines der erklärten Ziele der Gruppe ist es, die «Menschenrechtsverletzungen in unserem Land zu bekämpfen und die Menschenrechte bis in die hinterste Amtsstube zu tragen». In diesem Zusammenhang hat Nägele, der sich als «Vereinsskeptiker» bezeichnet, bereits eine zweite Vereinsgründung in der Pipeline, und zwar «eine Volksanwaltschaft, die für Fragen unserer BewohnerInnen in Bezug auf Regierungsstellen, Ämter und Versicherungen offensteht». Doch so ernst die Inhalte auch sind, «es ist zentral, dass es auch einfach Spass macht», lacht Nägele, während Alma in den erneuten Genuss von Streicheleinheiten kommt.

Erschienen in «amnesty - Magazin der Menschenrechte» vom Februar 2008
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion