Buch Ein Staat sucht sich selbst

Im Mai jähren sich die Gründung Israels und die Vertreibung der PalästinenserInnen zum 60. Mal. Mehrere Neuerscheinungen befassen sich mit dem Thema.

Ein Staat sucht sich selbst [0]«Sagen Sie, finden Sie den nicht verdächtig?» Die ältere Dame zeigt auf einen jungen Mann mit Wollmütze und Kleidersack. Doch Eitan Einoch, die Hauptfigur des Romans «Ein schönes Attentat», wimmelt sie ab: «Jetzt übertreiben Sie mal nicht. Er schaut ganz normal aus.» Eitan irrt sich. Wenig später, im Büro angelangt, erfährt er, dass sich der Mann im Bus in die Luft gesprengt und zehn Menschen mit in den Tod gerissen hat. Schnell findet sich der Leser in der israelischen Wirklichkeit wieder, der permanenten Bedrohung israelischer Zivilisten durch Selbstmordattentate. Der Hauptdarsteller selbst überlebt zwei weitere Attentate und wird dadurch zum Fernsehstar. Der Attentäter liegt im Krankenhaus und kann es nicht fassen, dass dieser Israeli alle seine Anschläge überlebt.

Assaaf Gavron: Ein schönes Attentat
Luchterhand, München, 2008. Fr. 34.09

 


Ein Staat sucht sich selbst [1]Wer sich mit der politischen Realität in Israel befassen will, dem sei Igal Avidans «Israel. Ein Staat sucht sich selbst» angeraten. Der Korrespondent des «Jerusalem Report» lässt die Geschichte Israels Revue passieren und spürt dem Selbstverständnis des Staates nach: «Wird es Israel noch weitere 60 Jahre geben? Und wenn ja, wird es zu einer Art Festung, deren Bewohner permanent um ihre Existenz kämpfen?» Zionismus, arabische Israelis, die Bedrohung von aussen, die Siedlungen – alle brisanten Themen werden in einem anekdotenreichen Stil erörtert. Wer sich darauf einlässt, dürfte seinen Horizont erweitern.

Igal Avidan: Israel. Ein Staat sucht sich selbst.
Diederichs, München 2008. Fr.39.90

 

 


 

Ein Staat sucht sich selbst [2]Wie der Anfang eines Märchens klingt der Titel von Sari Nusseibehs Autobiografie und Chronik eines Lebens in Palästina, wo er als Sohn einer alteingesessenen Familie im arabischen Teil Jerusalems aufgewachsen ist. Als er in England studierte, eroberte die israelische Armee den Ostteil Jerusalems. Anders als die anderen Kinder der gebildeten und privilegierten PalästinenserInnen, die in Scharen das Land verliessen, entschloss sich der heutige Rektor der Al-Quds-Universität in Jerusalem zurückzukehren und die Zukunft seiner Heimat mit zu gestalten. Aus der Perspektive eines bewegenden und bewegten Lebens erzählt Nusseibeh über den israelisch-palästinensischen Konflikt und zeigt dabei eindrücklich auf, dass die Kenntnis des «Anderen» die Voraussetzung für jede Lösung ist.

Sari Nusseibeh: Es war einmal ein Land. Ein Leben in Palästina.
Kunstmann Verlag, München 2008. Fr.44.-

Erschienen in «amnesty - Magazin der Menschenrechte» vom Mai 2008
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion