Paul Ehrler am Menschenrechtsmarsch 2008 © AI-Gruppe Immensee
Paul Ehrler am Menschenrechtsmarsch 2008 © AI-Gruppe Immensee

AI Aktiv Unterwegs für die Menschenrechte

Von Simbabwe nach Immensee: Paul Ehrler weiss, wovon er spricht, wenn er die Folgen des Klimawandels für die Länder des Südens thematisiert. Wenn es um Menschenrechte geht, will er nicht schweigen.

«Von den Menschenrechten kann man sich nicht pensionieren lassen», sagt Paul Ehrler überzeugt. Der 77-Jährige ist Amnesty International seit rund 25 Jahren treu und ist Gründungsmitglied der Gruppe Immensee, die 1986 entstand. Fast genau so lange, nämlich seit 21 Jahren, gibt es den Menschenrechtsmarsch, den die Gruppe jeweils Anfang Mai veranstaltet: Der Weg führt von der Bethlehem-Mission Immensee zum Romero-Haus in Luzern. Unterwegs finden vier Etappenhalte statt, die Gelegenheit bieten für kurze Referate. Die diesjährige Wanderung, die am 2. Mai stattfand, war dem Thema «Klimawandel und Klimagerechtigkeit» gewidmet.

Stationen in England und Simbabwe

Den Startpunkt der Wanderung kennt Paul Ehrler gut: Viele Jahre lang war er als Lehrer und Rektor am Gymnasium Immensee tätig, davor war er selbst in der traditionsreichen Institution zur Schule gegangen. Dazwischen legte er zwei Aufenthalte fern der Eidgenossenschaft ein: Nach seinem Theologie- und Philosophiestudium hängte er ein Bachelorstudium in englischer Sprache und Literatur an, das er an der Universität von Nottingham absolvierte.

Danach zog es ihn nicht direkt in die Heimat zurück, sondern nach Afrika, wohin ihn die Immensee-Mission entsandte. «Im damaligen Rhodesien lebte ich im ‹Busch› und unterrichtete», erklärt er. Die Jahre 1967 bis 1972 verbrachte er im heutigen Simbabwe, «eine prägende Zeit». Das Schicksal des krisengeschüttelten Landes bedrückt ihn. Er schlägt eine Brücke zum diesjährigen Menschenrechtsmarsch: «Die Bevölkerung Simbabwes leidet bereits heute unter dem Klimawandel: Die zunehmende Trockenheit hat verheerende Konsequenzen für die Menschen.»

Aktives Gruppenleben

Neben der Menschenrechtswanderung ist die Gruppe Immensee jeweils am Augustmäärt und am Chlausjagen in Küssnacht am Rigi präsent, veranstaltet eine Aktion rund um den 10. Dezember und gestaltet regelmässig Menschenrechtsgottesdienste. Daneben ist für die Gruppenmitglieder das Zwischenmenschliche wichtig: Auf dem Programm stehen immer wieder gemütliche Gruppenabende.

Was treibt Paul Ehrlers Engagement für die Menschenrechte an? «Ich bin ein Privilegierter», erklärt er. «In der Schweiz zu leben bringt Wohlstand und rechtliche Sicherheit mit sich. Ich möchte mich deshalb für die Rechte der Rechtlosen stark machen.»

Christliche Werte und Menschenrechte

Die Verknüpfung von christlichen Werten und Menschenrechten beschäftigt ihn seit Langem. Bewunderung hat er für Menschen wie Bischof Erwin Kräutler, der sich trotz Morddrohungen in Amazonien für die indigene Bevölkerung und die natürliche Mitwelt einsetzt, oder Oscar Romero, den ehemaligen Erzbischof von San Salvador, der sich gegen die Militärdiktatur stellte.

Zentral ist für Paul Ehrler, die menschliche Würde zu schützen und sich dafür öffentlich einzusetzen: «Der Tod kommt vom Schweigen.» Bei Amnesty International setzt er sich ein, weil «ich allein nichts erreichen kann. Es braucht das Zusammenwirken vieler.

Erschienen in «AMNESTY - Magazin der Menschenrechte» vom Mai 2009
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion