Kinder in dem mit Stacheldraht umzäunten Lager «Menik Farm» © Amnesty International
Kinder in dem mit Stacheldraht umzäunten Lager «Menik Farm» © Amnesty International

Sri Lanka Entsetzliche Zustände in den Flüchtlingslagern

13. August 2009
Offiziell ist der Bürgerkrieg im Nordosten Sri Lankas vorbei. Aber rund 280'000 Menschen wurden zu Binnenflüchtlingen und werden seit Monaten in Lagern festgehalten. Darunter befinden sich mehr als 50'000 Kinder. Sie dürfen die Lager nicht verlassen.

Er habe rund um den Globus ähnliche Orte besucht, doch nirgends seien die Verhältnisse entsetzlicher, sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon, als er im vergangenen Mai Flüchtlingslager in Sri Lanka besuchte.

Seither hat sich die Lage nicht wesentlich gebessert: Knapp drei Monate nach Ende des Bürgerkriegs werden noch immer über 280'000 Menschen in Lagern festgehalten. Darunter befinden sich mehr als 50’000 Kinder. Im grössten Lager, der sogenannten Menik Farm, sind etwa 160'000 Menschen auf einem Quadratkilometer zusammengepfercht.

Faktische Gefangenenlager

Die Lager werden von der Armee kontrolliert und sind mit Stacheldraht umzäunt. Es handelt sich um De-facto-Gefangenenlager für die Binnenflüchtlinge, die gegen ihren Willen und gegen nationales und internationales Recht festgehalten werden. Es gibt weder angemessenen Schutz, noch genügend Nahrung, Wasser oder medizinische Versorgung. Die hygienischen Zustände sind unhaltbar.

In den Lagern halten sich jene Menschen auf, die zuvor in Gebieten lebten, die von der Befreiungsbewegung Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) kontrolliert wurden. Sie flüchteten während des Konflikts aus der umkämpften Vanni-Region, wo sich beide Konfliktparteien Menschenrechtsverletzungen zu Schulden kommen liessen. Nun sitzen die Flüchtlinge in insgesamt 41 Lagern fest. Die Regierung Sri Lankas stellt sie unter Generalverdacht, mit den Tamil Tigers zusammengearbeitet zu haben.

Hilfswerke und Medien bleiben aussen vor

Die Flüchtlinge werden daran gehindert, mit Hilfsorganisationen zu sprechen. NGOs und Uno-Hilfswerke haben nur einen sehr beschränkten Zugang. Ausländische Medienschaffende sind schon gar nicht erwünscht; die wenigen JournalistInnen können die Lager nur unter straffer militärischer Überwachung besuchen. Den inländischen Medien wurden Maulkörbe verpasst. Mit dieser Informationssperre steigt das Risiko, dass die Flüchtlinge Opfer von Entführungen, willkürlicher Haft oder sexueller Gewalt werden.

Jahrzehntelanger Alptraum

Für die unschuldigen Zivilpersonen setzt sich damit ein jahrzehntelanger Alptraum der Gewalt fort: Während den langen, blutigen Konflikten zwischen der Regierung und den Tamil Tigers mussten viele von ihnen mehrmals fliehen, verloren Familienmitglieder und Freunde.

Lager müssen geöffnet werden

Amnesty International fordert, dass die Regierung Sri Lankas die Rechte der Flüchtlinge respektiert und sie nicht länger am Verlassen der Lager hindert. Die Menschen sollen kommen und gehen können, wie sie wollen.

Die Lager müssen dringend eine zivile Leitung erhalten. Mitglieder auseinandergerissener Familien dürfen nicht daran gehindert werden, ihre Angehörigen zu suchen – das gilt besonders für all jene Kinder, die ohne Begleitung sind. BeobachterInnen und Hilfsorganisationen müssen ungeschränkten Zugang erhalten.

Amnesty International verlangt von der Regierung Sri Lankas ausserdem, dass sie einen klaren Zeitplan für die Schliessung der Lager aufstellt, damit die Flüchtlinge sicher in ihre Heimatdörfer zurückkehren können. Die Regierung hatte am 21. Mai 2009 erklärt, dass die Lager innert sechs Monaten geschlossen werden sollten. Bis jetzt durften aber nur sehr wenige Menschen heimkehren. Für alle anderen geht das alltägliche Leiden in den Lagern weiter.