Manh Nguyen packt lieber an, als über die schlechte Welt zu jammern. © Selina Morell
Manh Nguyen packt lieber an, als über die schlechte Welt zu jammern. © Selina Morell

AI Aktiv Vielbeschäftigter Realist

Der 20-jährige Manh Nguyen ist Mitglied der Amnesty International-Jugendgruppe in Bern. Sein Engagement verdankt er auch einer persönlichen Not.

Manh Nguyen stellt sich nicht in den Vordergrund. Er ist pragmatisch. «So viele Menschen beklagen sich, die Welt sei schlecht und tun nichts dagegen.» So will der 20-Jährige nicht sein. Er will etwas verändern, und sei das nur mit kleinen Schritten.

Darum ist sein Leben ausgefüllt mit sozialem Engagement: Er macht mit beim schweizerischen Jugend-Rotkreuz, beim les­bisch-schwulen Filmfestival «Queersicht», bei der Partyreihe «Anklang» im Frauenraum und macht Freiwilligenarbeit bei der Organisation «Zyt ha für anderi» in Gümligen. Und er ist Mitglied der Amnesty International-Jugendgruppe in Bern. Beruflich absolviert er derzeit ein Sozialpraktikum in einem Wohnheim für Behinderte, nachdem er an der Universität Bern ein Jahr lang Sozialanthropologie studiert hat.

Ist Manh Nguyen einfach nur selbstlos? «Nein», sagt er, sein Engagement verdanke er auch einer persönlichen Not: Vor einem Jahr trennte er sich von seiner ersten grossen Liebe. Manh Nguyen erzählt, dass er sich damals innerlich befreit fühlte. Aber er war  auch sehr einsam und begriff, dass er seine Freizeit ausfüllen musste, um nicht ins Grübeln zu kommen. Und so fing er an, sich für die Menschenrechte einzusetzen. «Die soziale Gerechtigkeit beschäftigt mich seit jeher.» Besonders die Rechte der Homo­sexuellen liegen ihm am Herzen, da ihn das persönlich betrifft. Ausserdem setzt er sich für Frauenrechte und Opfer von häuslicher Gewalt ein.

Nach einem Jahr hat Manh Nguyen die Jugendgruppe Bern schon geprägt: Er ernannte sich selbst zum Protokollführer. Dadurch liefen die Sitzungen strukturierter und verbindlicher ab, findet er. Die Mitglieder der Jugendgruppe sind zwischen 17 und 21 Jahre alt. «Ich finde, wir sind eine gute Truppe, offen für Vorschläge, spontan, interessiert und dabei nicht euphorisch, sondern realistisch.» Der Zusammenhalt unter den Mitgliedern könnte allerdings noch stärker wachsen, auch wenn das «kein Muss» sei. Doch die Gruppe befinde sich auf gutem Weg: «Einige von uns haben vor, bald zusammen in den Ausgang zu gehen.»

Die Jugendgruppe Bern will in diesem Jahr regelmässig zum Amnesty-Café einladen, wozu alle Interessierten willkommen sind: «Alle zwei Monate soll eine Veranstaltung stattfinden. Zum Beispiel eine Party oder ein Filmabend.» Das soll das Gruppengefühl stärken, aber auch den Austausch mit den anderen Amnesty-Gruppen in der Schweiz fördern.

Einmal abgesehen von seinem sozialen Engagement pflegt Manh Nguyen ausgiebig seinen Freundeskreis, er schreibt gerne und  mag Musik. Trotz seines vollen Terminkalenders möchte er noch mehr tun: Er würde gerne im bekannten Berner Jazzclub Mahogany Hall an der Bar arbeiten. «Ausserdem möchte ich mich bei der Gruppe ‚Queeramnesty’ beteiligen, die sich speziell für Homosexuelle einsetzt.» Warum engagiert er sich so stark? «Es fühlt sich einfach richtig an. Und ich glaube, es lässt sich immer etwas verändern, in jeder Situation. Man muss einfach aktiv sein.»

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von Februar 2010
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion