Seinen Rechten beraubt: Verzweifelter chinesischer Bürger in «Petition». © ZVG
Seinen Rechten beraubt: Verzweifelter chinesischer Bürger in «Petition». © ZVG

Film Filme aus anderen Welten

Zeitgenössische und zukunftsweisende Filme aus Asien, Lateinamerika und Afrika: Das Genfer Filmfestival Black Movie zeigt die Welt aus anderen Perspektiven.

In der deutschen Schweiz noch wenig bekannt, ist Black Movie in der Romandie und bei der grossen internationalen Gemeinde in Genf längst ein Begriff. Rund 21000 Leute fanden im vergangenen Jahr während des Festivals ihren Weg in die Kinosäle. Das Erfolgsrezept ist klar: «Hohe künstlerische Qualität, eigenständige visuelle Umsetzung und die Aus-
­­einandersetzung mit existentiellen Fragen aus einem nicht-okzidentalen Blickwinkel», fasst Maria Watzlawick, Mitbegründerin des Festivals, ihr Erfolgsrezept und die wichtigsten Auswahlkriterien zusammen.

Von Südkorea bis China, Russland und Mexiko suchen die Verantwortlichen abseits etablierter Verteilstrukturen und gängiger Kinoformate nach Filmen, die zukunftsweisend sind für das Filmschaffen in Asien, Afrika und Lateinamerika. Die Auseinandersetzung mit dem post-maoistischen Alltag in China und die indonesische Antwort auf das dänische Dog­ma-Manifest gehören ebenso zu den diesjährigen Programmschwerpunkten wie Filme afrikanischer und europäischer Filmschaffender, die mit einer grossen stilistischen Bandbreite den Fluch des Ressourcenreichtums in Afrika aufzeigen.

Ressourcenfluch in Afrika

So etwa «Katanga Business», ein Film des belgischen Regisseurs Thierry Michel, der die Auswüchse der Globalisierung in der ressourcenreichen Provinz Katanga in der Demokratischen Republik Kongo aufzeigt. Multinationale Unternehmen aus China, Indien und Kanada schliessen hier milliardenschwere Deals ab, während Zehntausende kleine Minenarbeiter versuchen, durch die illegale Inanspruchnahme von Konzessionen ihr Überleben zu sichern oder als Angestellte für gerechte Löhne und Arbeitsbedingungen kämpfen. Der Film lässt neben einem schwerreichen Provinzgouverneur auch belgische, kanadische und chinesische Geschäftsmänner zu Wort kommen und zeigt so die tragisch-komischen Verflechtungen der Globalisierung hautnah auf.

Kein leichter Stoff ist auch «Petition», ein Dokumentarfilm des chinesischen Regisseurs Zhao Liang: Von 1996 bis 2008 begleitete er verzweifelte chinesische BürgerInnen, die aus dem ganzen Land in die Hauptstadt Peking reisten, um sich per Petition gegen den Machtmissbrauch von Justiz- und Polizeibehörden zu wehren. Die Anklagepunkte reichen von Enteignung über Verhaftung bis zu Verschleppung und Tötung. Von den Beamten oft über Jahre nicht angehört, hausten die meisten in Notunterkünften am Pekinger Südbahnhof – bis sie im Vorfeld der Olym­pischen Spiele vertrieben und zwangsum­gesiedelt wurden. Teilweise mit versteckter Kamera sind Regisseur Zhao Liang erschreckende Einblicke in ein System massiver Menschenrechtsverletzungen gelungen.

Auch wenn viele Filme ernste Themen behandeln, sind Ironie und Humor keineswegs abwesend. Das zeigt etwa die Retrospektive mexikanischer Horrorfilme, in denen Ikonen wie der dauermaskierte Wrestling-Star Santo zum Gruseln und Schmun­zeln anregen. Kinder zwischen drei und dreizehn Jahren erhalten mit Petit Black Movie ein eigenes Filmprogramm.

 

Black Movie. 12. bis 21. Februar 2010 in Genf.  www.blackmovie.ch

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von Februar 2010
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion