AI Aktiv Menschenrechte machen Schule

Mit 19 Jahren wusste Stefanie Rinaldi noch nicht genau, was Menschenrech­te sind. «Obwohl ich durchaus an sozialen und politischen Themen interessiert war. Das kann doch nicht sein!», sagt die heute 26-Jährige. Damit künftige Generationen schon früh ein Verständnis für das Thema entwickeln, engagiert sie sich in der Menschenrechtsbildung:

Stefanie Rinaldi © ZVG Stefanie Rinaldi © ZVG

Etwa einmal monatlich ist sie an Schulen unterwegs und vermittelt jungen Leuten, was Menschen­rechte sind. Mit konkreten Beispielen zeigt sie auf, was diese Rechte genau bedeuten und wo sie gebrochen werden. Nicht immer trifft ihre Botschaft sofort auf offene Ohren. «Aber wenn am Schluss ein Jugendlicher sagt: ‹Ich wusste nicht, wie die Lage in der Welt wirklich ist›, dann ist es für mich eine grosse Motivationsspritze.»

Die Menschenrechtsbildung ist nicht das erste Engagement der Lehrerstochter für Amnesty International. Nach der Schulzeit in St. Gallen zog sie für das Studium der Internationalen Beziehungen nach Genf. In der Calvinstadt schloss sie sich der Amnesty-Hochschulgruppe an. «Wir waren sehr aktiv. Wenn wir an einer Podiumsdiskussion einen ganzen Hörsaal mit Zuschauern füllten, war das immer ein spezielles Gefühl.» Besonders eindrücklich war für sie der Besuch der sudanesischen Menschenrechtsaktivistin Jane Alao, die sie während zwei Tagen an Sitzungen mit internationalen Organisationen begleitete. «Es war ein unglaubliches Erlebnis, Jane zu treffen und aus erster Hand zu erfahren, unter welchen Gefahren sie ihre Arbeit verrichtet. Es ist ein so anderes Le­ben, als wir es hier führen!» Diese Begegnung kam zustande, weil Stefanie Rinaldi auch als ehrenamtliche Sudan-Länder­­ex­pertin für Amnesty tä­tig war.

Nach vier Jahren, mit dem Ende des Studiums, kam 2008 der Abschied von der Genfer Hochschul­­­grup­­­pe und der Um­zug nach Bern, wo sie eine Stelle beim Bundesamt für Migration antrat. Mit dieser privaten und be­ruflichen Veränderung leg­­te sie ihr Amt als Länderexpertin nieder, engagiert sich aber seither umso intensiver in der Menschenrechtsbildung. Ab September wird die Politologin im irischen Galway ein einjähriges Nach­­diplom­stu­dium zu den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechten absolvieren, zu denen etwa das Recht auf soziale Sicherheit oder auf Bildung gehört. «Mich interessiert insbesondere, wie diese Rechte für Migranten angewandt werden könnten», erklärt sie. «Was bedeu­ten sie zum Beispiel für die Flüchtlinge, die schon sehr lange in Flüchtlingslagern leben, etwa in Syrien?» Dieser Frage würde Stefanie Rinaldi später gerne auch im beruflichen Rahmen nachgehen.

Der arabische Raum fasziniert sie seit Längerem. Im Sommer 2007 verbrachte sie zwei Monate in der jemenitischen Hauptstadt Sana’a, um Arabisch zu lernen. «Eine wundervolle Zeit. Leider hat sich zwischenzeitlich die Sicherheitslage im Jemen verschlechtert, so dass ich nicht erneut hinreisen konnte.»

Im Moment ist Stefanie Rinaldi aber sowieso mit dem bevorstehenden Umzug nach Irland beschäftigt. Amnesty wird sie erhalten bleiben: «Ich habe bereits meine Fühler ausgestreckt. In Galway gibt es ein ‹Amnesty-Café›, auf das ich sehr neugierig bin.» Ohne Amnesty würde ihr etwas fehlen, sagt sie. «Und ausserdem ist die Organisation immer ein guter Ort, um neue Leute kennenzulernen.»

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von Mai 2010
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion