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Myanmar Die Hoffnung lässt auf sich warten

Die Freilassung der burmesischen Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi im letzten November weckte Hoffnungen auf eine bessere Zukunft für Myanmar (Burma). Doch die Militärregierung machte seither keine Anstalten zu einer Öffnung des Landes. Dennoch könnte ein möglicher wirtschaftlicher Aufschwung mittelfristig das Regime destabilisieren.

Als im vergangenen November in Rangun die Oppositionsführerin und Trägerin des Friedensnobelpreises Aung San Suu Kyi nach insgesamt 15 Jahren Hausarrest freigelassen wurde, schaute die Welt für einen Moment gebannt nach Myanmar. Lachende Menschen sprachen euphorisch und ungefiltert in die Kameras westlicher Medien. «In dem Moment stand alles still», sagt Pascal Nufer, SF-Südostasienkorrespondent des Schweizer Fernsehens, der das Land im Durchschnitt zweimal jährlich bereist. «Doch das war sehr gefährlich, denn überall in der Menge standen Spitzel und nutzten die Gelegenheit, um die Verdächtigen zu fotografieren.» Aber die Hoffnung auf ein besseres Leben, mehr Freiheit und Demokratie in dem mausarmen Land, wo seit über 40 Jahren die Militärgeneräle herrschen und weite Teile der Bevölkerung als Selbstversorgende mehr oder weniger von der Hand in den Mund leben, hielt nicht lange vor. Kurz vor Aung San Suu Kyis Freilassung hatten die Militärs unter General Than Shwe durch kritikwürdige Regierungswahlen ihre Macht bestätigt. Gemäss Nufers Beobachtungen seien die Wahlen ausserdem von der ländlichen Bevölkerung kaum wahrgenommen worden. Aber auch bei tendenziell besser gebildeten Leuten in den Städten sei Konsternierung spürbar. «Grosse Sprünge erwartet niemand», sagt Nufer. Als die Militärs 2007 den Aufstand der Mönche und damit die moralische Instanz niederknüppelten, entstand eine Welle grosser Enttäuschung in der Bevölkerung, die immer noch nachwirkt. Bis die Opposition mit den Machthabern einen gangbaren Weg in Richtung mehr Freiheit und Demokratie gefunden hat, wie das Aung San Suu Kyi vorschwebt, dürfte noch längere Zeit vergehen. Viele ehemalige Regierungsgebäude haben die Machthaber nach der Verlegung der Hauptstadt von Rangun ins Landesinnere unter sich verteilt. Die früheren Militärs sind jetzt Businessleute geworden. Indem sich auf diese Weise eine neue Wirtschaftselite heranbildet, könnte das längerfristig zu einer Destabilisierung des Machtapparates führen, der sich wirtschaftlich früher oder später öffnen muss. «Und Businessleute haben bekanntlich kein Interesse daran, dass es zu Eskalationen kommt», sagt Nufer. Mittelfristig geht es um Wirtschafts-beziehungen mit den ASEAN-Staaten.

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von Februar 2011
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion