Schulkinder in Kenias Hauptstadt Nairobi. © AI
Schulkinder in Kenias Hauptstadt Nairobi. © AI

Für ein Leben in Würde Das Elend überwinden

Mit der 2009 gestarteten Kampagne «Für ein Leben in Würde» wehrt sich Amnesty International gegen Menschenrechtsverletzungen, die Menschen in der Armut gefangen halten.

Über 1,5 Milliarden Menschen leben gemäss Weltbankstatistiken in absoluter Armut, fast die Hälfte der Weltbevölkerung muss mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen. Armut besteht nicht nur aus Mangel an Nahrungsmitteln, an Arbeit, an sauberem Wasser oder an Land und Wohnraum. Sie drückt sich auch in wachsender Ungleichheit und Unsicherheit aus, in zunehmender Gewalt und Repression, in Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Mit der Kampagne «Für ein Leben in Würde» will Amnesty International (AI) denjenigen eine Stimme geben, die unter Mangel und Entbehrung leiden. Von Armut betroffene Menschen können sich häufig kein Gehör verschaffen, weil ihnen kein Raum dafür gegeben wird. Vier Milliarden Menschen sind von rechtstaatlichen Mitteln ausgeschlossen. Konkret bedeutet das beispielsweise, dass Leute keine Landrechte eintragen lassen können oder keine Geburtsurkunden erhalten. 70 Prozent der Kinder in den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt besitzen keinen Nachweis dafür, dass sie je geboren wurden geschweige denn existieren. Das erschwert ihnen den Zugang zu medizinischer Versorgung und zu Bildung.

«Gefangene der Armut»

In früheren Kampagnen hat sich AI für gewaltlose politische Gefangene engagiert. Mit der neuen Kampagne setzt sich die Organisation für die «Gefangenen der Armut» ein. Menschenrechtsverletzungen in Bereichen, in denen sich AI seit Langem engagiert – Todesstrafe, Asyl und Migration, Verschwindenlassen, Gewalt gegen Frauen – treffen die Ärmsten am stärksten. Noch bedeutender ist, dass Menschenrechtsverletzungen die Menschen in der Armut gefangen halten.

Im Rahmen der Kampagne dokumentiert AI schwere Menschenrechtsverletzungen an Menschen in Armut. Dazu gehören menschenunwürdige Wohn-bedingungen und rechtswidrige Zwangsräumungen, Müttersterblichkeit nach ver-meidbaren Komplikationen bei Schwan-gerschaft und Geburt, aber auch die gesundheitsgefährdende Verseuchung der Umwelt durch Unternehmen. Zentral an der Kampagne ist der Einbezug der Betroffenen: AI will den Menschen, die in Armut leben, eine Stimme geben. Denn Lösungen sind nur möglich, wenn die Menschen aktiv an den Entscheidungen beteiligt werden, die ihr Leben betreffen. AI wendet sich an die verantwortlichen Regierungen und Unternehmen, protestiert gegen das Unrecht und fordert konkrete Verbesserungen. Für ein Leben in Würde.

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von Mai 2011
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion