Alma Noser. © ZVG
Alma Noser. © ZVG

Länderarbeit «Es lohnt sich dranzubleiben»

«Als 1973 der Putsch in Chile geschah, begann ich mich für die Völker Lateinamerikas zu interessieren, die sich aus ihrer Unterdrückung befreien wollten», erinnert sich Alma Noser. Für die ...

«Als 1973 der Putsch in Chile geschah, begann ich mich für die Völker Lateinamerikas zu interessieren, die sich aus ihrer Unterdrückung befreien wollten», erinnert sich Alma Noser. Für die Sozialarbeiterin und spätere Länderexpertin war es fast selbstverständlich, dass sie Ende 1983 einem Aufruf folgte und in der Brigade einer verstaatlichten Kaffeeplantage im Norden Nicaraguas, dem Einmarschgebiet der von den USA bezahlten Contras, eine Einsatz machte. «Ich erlebte Menschen, die sich nach jahrzehntelanger Unterdrückung getrauten, aufzustehen und sich zu wehren.» Erstmals begegnete sie dort enormer Armut und dem Krieg. Zurück in der Schweiz, engagierte sie sich im Projekt Agencia nueva Nicaragua, das mit einem regelmässigen Bulletin die Revolution in Nicaragua bekannt machte. Nach drei Jahren stieg Alma Noser bei der Caritas als Länderexpertin ein und blieb zehn Jahre. Sie war für die Länder Nicaragua, El Salvador, Guatemala, Honduras und später Mexiko zuständig. Seit ihrer Pensionierung engagiert sie sich bei Amnesty als Länderexpertin für dieselben lateinamerikanischen Staaten. Damit schloss sich der Kreis, denn Alma Noser zählte bereits Anfang der 80er-Jahre zu den GründerInnen der Luzerner Amnesty-Gruppe.

Warum hat sie sich gerade Lateinamerika ausgesucht? «Ende 70er- bis in die 90er-Jahre gab es nirgends einen derart starken sozialen Aufbruch wie in den lateinamerikanischen Ländern. Das hat mich fasziniert», sagt Alma Noser. Ihr Engagement ist mit Erlebnissen verbunden, die sie nicht mehr vergessen kann: Sie besuchte die abgelegenen Dorfgemeinschaften im Urwald Guatemalas, die sich vor den Militärs verstecken mussten. 1994 war sie in Chiapas zwei Tage nach einem Massaker an der Dorfbevölkerung und später besuchte sie für Peace Watch Switzerland auch die mexikanische Armutsprovinz Guerrero. «Es ist für diese Leute wichtig zu wissen, dass es weltweit Menschen gibt, die sich für sie einsetzen, Briefe schreiben, sie unterstützen und sie nicht vergessen. Es lohnt sich dranzubleiben.»

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von Mai 2011
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion