Folter Folter ist immer falsch

Im Jahr 1972 lancierte Amnesty International die erste weltweite 
Kampagne zur Abschaffung der Folter.

Plakatkampagne der Walker Werbeagentur für Amnesty Schweiz. © AI

Schlafentzug, Elektroschocks, simuliertes Ertränken. Es gibt viele Arten, Menschen zu foltern – immer wird den Betroffenen schweres Leid zugefügt, um ihren Willen zu brechen. Folter ist ein Angriff auf die Menschenwürde, und die Betroffenen kämpfen oft ein Leben lang mit den Folgen.

Im Dezember 1972 startete Amnesty International die erste weltweite «Kampagne zur Abschaffung der Folter» und erzielte damit einen grossen internationalen Erfolg. Schon zwölf Monate später konnte bei der Uno eine Antifolter-Resolution mit weit über einer Million Unterschriften eingereicht werden. Allein 110000 Polizeiangehörige aus Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Norwegen und Schweden unterstützten die Amnesty-Initiative mit ihrer Unterschrift. Die Uno-Vollversammlung verabschiedete die Resolution einstimmig und forderte dazu auf, «die Bestimmungen bezüglich des Verbotes von Folter und anderer unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung zu beachten». Im Zuge der Kampagne veröffentlichte Amnesty zum ersten Mal eine 
Dokumentation über Folter und Misshandlungen. Dieser 260 Seiten starke «Bericht über die Folter» wurde in neun Sprachen übersetzt und später regelmässig aktualisiert.

Folter im Westen

Im Namen der Sicherheit wird Folter auch in westlichen Ländern immer wieder angewendet. Auf die entsetzlichen Terroranschläge vom 11. September 2001 reagierten etwa die USA mit einem «Krieg gegen den Terror», der seinerseits oft die Menschenrechte verletzte. Mit Szenarien wie jenem von der «tickenden Bombe», das Folter rechtfertigen sollte, wenn ein Gefangener angeblich über Informationen zu einem drohenden Anschlag verfügte, machte die Bush-Regierung Stimmung für die Lockerung des Folterverbots. Ein gefährliches Spiel, denn wenn ein Staat Folter anwendet, bleibt es nie bei einem Mal. Unter den von George W. Bush abgesegneten «speziellen Verhörmethoden» litten zahlreiche Menschen. Amnesty International setzt sich dafür ein, dass bei der Bekämpfung des Terrorismus der Schutz der Menschenrechte nicht ausgehöhlt wird. Denn Folter entwürdigt nicht nur das Opfer, sondern auch jeden Staat, der foltern lässt.

Erschienen in «AMNESTY - Magazin der Menschenrechte» von Mai 2011
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion