Plattgewalzt: Zerstörte Siedlung in Port Harcourt, Nigeria. © AI
Plattgewalzt: Zerstörte Siedlung in Port Harcourt, Nigeria. © AI

Für ein Leben in Würde Wenn die Bagger kommen

Millionen von Menschen sind weltweit von illegalen Zwangsumsiedlungen bedroht. Amnesty International unterstützt die Betroffenen.

Mit ohrenbetäubendem Lärm fressen sich die Bulldozer mit ihren Schaufeln durch den Slum. Wände stürzen ächzend ein. Schreiend laufen Menschen durch die engen Gassen der Hafensiedlung Njemanze in der nigerianischen Millionenstadt Port Harcourt. Einige von ihnen können gerade noch ein paar Gegenstände aus ihren Häusern und Hütten retten, bevor diese dem Erdboden gleichgemacht werden.

Rund 30 schwerbewaffnete Soldaten und Polizisten schützen die Fahrzeuge. Am Ende des Tages haben über 13000 Menschen kein Zuhause mehr. Anstelle der Wohnsiedlung sind ein Hafenbauprojekt und Geschäftszentren geplant. Deshalb droht weiteren 200000 EinwohnerInnen von Port Harcourt die Zwangsräumung. Sie teilen ihr Schicksal mit Millionen Menschen weltweit. So wurden in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh in den vergangenen Jahren Zehntausende Menschen systematisch aus dem Zentrum vertrieben. Sie wurden ausserhalb der Stadt angesiedelt, während im Zentrum Luxusappartements entstehen sollen. In Kenias Hauptstadt Nairobi bereiten die Behörden eine Zwangsräumung vor, die 127000 Menschen betrifft. Die meisten von ihnen leben in Kibera, dem grössten Slum der Stadt. Im rumänischen Miercurea Ciuc vertrieben die Behörden 2004 mehr als hundert Roma aus einem Gebäude in der Stadtmitte.

Für all diese Menschen setzt sich Amnesty International im Rahmen der Kampagne «Für ein Leben in Würde» ein. Die Organisation spricht mit Regierungsvertretern und startet Eilaktionen, wenn eine Zwangsräumung bevorsteht. So konnten 30000 Menschen aus aller Welt mit einer Petition im September 2010 eine weitere Zwangsräumung in Port Harcourt verhindern.

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von Mai 2011
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion