Amnesty-Demo vor der sudanesischen Botschaft 2006 in Genf. © AI
Amnesty-Demo vor der sudanesischen Botschaft 2006 in Genf. © AI

Asyl und Migration Kein Ende des Elends in Darfur

Seit den 1970er-Jahren tritt Amnesty International für die Rechte von Menschen auf der Flucht ein. 
Der grösste Teil der weltweiten Migration findet in den Ländern des Südens statt, ausgelöst durch 
Tragödien wie etwa den Darfur-Konflikt. Ein Amnesty-Mitglied blickt zurück.

Ich sitze im Zug von Genf nach Zürich, neben mir Jane Alao, die in Darfur für das Amel Centre für die Behandlung und Rehabilitation von Folteropfern arbeitet. Es wimmelt von Rekruten, die Tarnanzüge und Gewehre tragen. Ein alltägliches Bild für mich, doch meine Begleiterin bekommt Angst. Denn im Leben von Jane Alao bedeuten bewaffnete Soldaten stets Todesgefahr.

Der Konflikt in der Region Darfur im Westen Sudans brach im Jahr 2003 aus. Aus diversen sudanesischen Stämmen hervorgegangene Rebellengruppen kämpfen für mehr Mitbestimmung im Staat und eine Entwicklung ihrer Region. Die Regierung unterstützt im Kampf gegen die Rebellen die Janjawid, eine Reitermiliz, die gezielt die Zivilbevölkerung angreift. Gemäss Schätzungen der Vereinten Nationen wurden seit Ausbruch der Kämpfe 2,5 Millionen Menschen vertrieben und 300000 getötet. Unzählige wurden vergewaltigt, misshandelt und verschleppt. Die Gesellschaft ist geprägt von ständiger Angst und Unsicherheit.

Anhaltende Kämpfe

Im Dezember 2010 entflammten die Gefechte erneut in voller Stärke, nachdem der Darfuri Minni Minawi von seinem Posten als Minister zurückgetreten war. Damit war auch das im Jahr 2006 mit einigen Rebellengruppen geschlossene Friedensabkommen beendet. Seit Januar 2011 flohen 66000 Darfuri, um in Camps für intern Vertriebene Schutz zu suchen. Es handelt sich zumeist um Frauen, Kinder und betagte Personen, die oft bereits mehrfach vertrieben worden sind.

Doch auch in den Camps geht die Angst um. Die neuste Welle von Gewalt wird von Angriffen durch Regierungstruppen auf Flüchtlingscamps geprägt. Die Mission der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union in Darfur (UNAMID) hat den Auftrag, die Camps zu schützen. Ihre Tätigkeit wird jedoch durch gezielte Angriffe erschwert. UNAMID konnte bisher nicht verhindern, dass Kinder auf der Suche nach Wasser und Brennholz vergewaltigt und zwangsrekrutiert werden. Gewalt, besetzte Ländereien und zerstörte Felder verhindern, dass Vertriebene zurückkehren können. Zudem untersagt die sudanesische Regierung immer weiteren Nichtregierungsorganisationen ihre Tätigkeit in der Konfliktregion. Auch das Amel Centre wurde geschlossen.

Langsame Fortschritte

Amnesty International engagiert sich seit Ausbruch des Konfliktes für die Opfer. Sie macht durch regelmässige Strassenaktionen auf die Situation in Darfur aufmerksam und übt mittels Petitionen Druck auf die sudanesische Regierung und die internationale Gemeinschaft aus. So hat sie sich erfolgreich für die Entsendung der UNAMID eingesetzt, um den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten. Ausserdem lanciert sie regelmässig Urgent Actions zugunsten besonders bedrohter Personen, wie zum Beispiel zum Tode Verurteilter oder Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten.

Des Weiteren setzte sich AI dafür ein, dass der internationale Strafgerichtshof die in Darfur begangenen Verbrechen untersucht. Am 4. März 2009 wurde ein Haftbefehl für den sudanesischen Präsidenten Omar Al-Bashir ausgestellt. Der wegen Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen Angeklagte befindet sich jedoch weiterhin auf freiem Fuss.

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von Mai 2011
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion