Demo für Karim Amer. Der ägyptischer Blogger war wegen Kritik an Mubarak in Haft. © AI
Demo für Karim Amer. Der ägyptischer Blogger war wegen Kritik an Mubarak in Haft. © AI

Ausblick Mit Bits und Bytes gegen Despoten

Als Anfang Jahr die ersten Protestwellen durch den nordafrikanischen Raum rollten, spielten soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook eine grosse Rolle. Auch Amnesty International setzt auf die 
digitale Welt.

Die jungen Leute, die gegen die Missstände in Tunesien und Ägypten protestierten, vernetzten sich auf Social-Media-Plattformen. Läuten diese Technologien ein neues Zeitalter im Menschenrechtsschutz ein? «Die sozialen Netzwerke halfen den Protestierenden, sich zu organisieren», sagt Widney Brown, Mitglied des Senior Management von Amnesty International in London. «Noch wichtiger war aber wohl die Solidarität, die gerade die Menschen in Tunesien so erleben konnte. Aus den umliegenden Ländern kamen zahlreiche Meldungen via Social Networks, das gab den Menschen Mut.»

Information bedeutet Macht. Der Cyberspace wird deshalb nicht nur von Aktivisten und Aktivistinnen genutzt, sondern auch von der Gegenseite. Aus Nahost und Nordafrika gab es immer wieder Berichte, dass die Machthabenden versuchten, den Zugang zum Internet zu kappen oder einzuschränken, oder dass sie irreführende SMS an die Bevölkerung verschickten. Und die «Great Firewall», welche die chinesische Regierung mit Tausenden Zensurierenden unterhält, ist bald so berühmt wie ihr historisches Vorbild, die chinesische Mauer.

Auch wohlmeinender Netzaktivismus kann ne-gative Auswirkungen haben. Als die Plattform Wikileaks letztes Jahr fast 100000 Dokumente zum Krieg in Afghanistan veröffentlichte, kündigten die Taliban an, sie würden die Dokumente prüfen und alle Afghanen bestrafen, die mit dem Ausland kooperiert hätten. Wikileaks hat seither Massnahmen ergriffen, um sicherzu-stellen, dass bei Veröf--fentlichungen niemandem Scha-den zugefügt wird.

Amensty International nutzt die digitalen Möglichkeiten, um ihre Mitglieder zu mobilisieren. Die Organisation hat stets auf neue Technologien gesetzt: In den Pioniertagen wurden die grossen Briefaktionen möglich, weil das Postsystem effizienter geworden war. 1989 spielten Faxgeräte eine grosse Rolle.

Massen mobilisieren

Das Ziel bleibt, den Machtlosen und Unterdrückten zu helfen. «Die aktuellen ‹Posts› auf Social-Media-Plattformen zeugen in erster Linie vom grossen Mut der Aktivisten und Aktivistinnen in Nordafrika und dem Nahen Osten, sich gegen die Machthabenden zu stellen», sagt Widney Brown. Diesen Mut will Amnesty mit allen Mitteln unterstützen.

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von Mai 2011
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion