2006 war Amnesty in 11 Kantonen mit dem «Mobil gegen häusliche Gewalt» unterwegs. © AI
2006 war Amnesty in 11 Kantonen mit dem «Mobil gegen häusliche Gewalt» unterwegs. © AI

Für ein Leben in Würde Stoppt häusliche Gewalt

Schläge, Psychoterror und sexuelle Gewalt in den eigenen vier Wänden: Frauen auf der ganzen Welt sind von Gewalt in Ehe und Partnerschaft betroffen – in der Schweiz trifft es jede fünfte Frau.

Auch in der Schweiz ist häusliche Gewalt trauriger Alltag für viele Frauen. 2006 hat Amnesty im Rahmen der Kampagne gegen häusliche Gewalt in der Schweiz während einer Aktionstournee mit einem Bus 11 Kantone, 43 Ortschaften sowie 16 Mittel- und Berufsschulen bereist. Zum Zielpublikum gehörten besonders die Männer. Im Rahmen der Tournee wurden Tausende von Jugendlichen für das Thema sensibilisiert. Rund 700 Männer haben an der Aktion «Mach dich stark» mitgemacht und sich bereit erklärt, ihre Kraft gegen häusliche Gewalt einzusetzen. «Wer seine Frau schlägt, ist eine Memme», schrieb ein Jugendlicher ins Tourneebuch.

Gezielt hatte Amnesty auch die Be-hörden der sechs Kantone St. Gallen, Schwyz, Jura, Wallis, Graubünden und Tessin anvisiert und recherchiert, welche Massnahmen zur Vermeidung von häuslicher Gewalt getroffen werden. Die Wirkung blieb nicht aus: Der Kanton Schwyz überwies ein parlamentarisches Postulat, das die Notwendigkeit von Sofortmassnahmen per Gesetz für die Wegweisung von Tätern unterstreicht. Im Kanton Jura wurde die Opferhilfestelle aufgestockt. Im Tessin trafen sich VertreterInnen staatlicher und nichtstaatlicher Fachstellen, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Auch im Kanton Wallis, der sich mit Massnahmen gegen häusliche Gewalt eher schwer tut, hatten ParlamentarierInnen die Forderungen von Amnesty nach der Aktionstournee und nach der Überreichung von 2200 Unterschriften wieder aufgegriffen.

Obwohl die Gesetzgebung in den letzten Jahren verbessert wurde, fehlt es vielerorts noch immer am Bewusstsein für die persönliche und gesellschaftliche Tragweite dieses Problems. Zu wenige Ressourcen werden zur Verfügung 
gestellt, um die Opfer zu schützen. Besonders betroffen sind nach wie vor Migrantinnen, die keinen gesicherten Auf-enthaltsstatus haben. Amnesty verfolgt die Entwicklung der Gesetzgebung und deren Umsetzung in den Kantonen kritisch und erwartet besonders von den Männern, dass sie sich weiterhin gegen häusliche Gewalt stark machen.

 

Welweite Kampagne gegen Gewalt an Frauen

Mehr als jede dritte Frau auf der Welt erleidet in ihrem Leben geschlechtsspezifische Gewalt. 
Gegen diese alltägliche Gewalt hat Amnesty 
International (AI) am 8. März 2004 die weltweite Kampagne «Stoppt Gewalt gegen Frauen» lanciert. Vergewaltigungen in Kriegen, Ehrenmorde, Genitalverstümmelungen, Gewalt in der Familie – das alles sind Formen der Gewalt, die Frauen treffen, weil sie Frauen sind und weil Männer damit ihre Machtposition erhalten wollen.

Zu Beginn der Kampagne engagierte sich AI speziell gegen Gewalt an Frauen in bewaffneten Konflikten. Während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien, in den bewaffneten Konflikten in der Region der Grossen Seen oder im Darfurkonflikt wurden Zehntausende von Frauen und Mädchen vergewaltigt. Vergewaltigung wird in vielen Kriegen als «Waffe» eingesetzt, die für die Betroffenen unermessliches Leid bedeutet.

In Mexiko engagierte sich AI in der Drogenmetropole Ciudad Juarez, wo seit 1993 über 400 junge Frauen auf grausame Weise umgebracht worden sind. Viele der Morde sind bis heute nicht aufgeklärt worden. AI warf den mexikanischen Behörden in mehreren Berichten vor, die Untersuchungen zu verschleppen und zu behindern.

Ein weiterer Schwerpunkt der Kampagne war der Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung. Die Folgen der Beschneidung sind gravierend, manchmal führt der Eingriff sogar zum Tod. AI leistete unter anderem in der Elfenbeinküste Aufklärungsarbeit, um bei Dorfvorstehern, Beschneiderinnen und Familien eine Mentalitätsänderung zu bewirken. Auch nach dem Ende der Kampagne «Stoppt Gewalt gegen Frauen» im März 2009 engagiert sich AI weiter für Frauenrechte, z.B. gegen Vergewaltigungen in Nicaragua oder gegen die Müttersterblichkeit in den USA oder in Peru.

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von Mai 2011
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion