Menschenrechte ins Blatt gerückt

Der Publizist und Fernsehmoderator Hannes Britschgi machte seine ersten journalistischen Erfahrungen im Rahmen einer Festzeitung für Amnesty International.

Hannes Hannes Britschgi. © ZVG

Nie war Hannes Britschgi müder als in jener Nacht vor dreissig Jahren, als das grosse Amnesty-Fest in Bern über die Bühne gegangen war. «Ich schlief im Flur ein, das Wandtelefon noch in der Hand», sagt der Journalist und TV-Moderator, der vor dem Fest seine ersten journalistischen Gehversuche gemacht hatte: Kurzfristig war der Entscheid für eine Festzeitung gefallen, um die Botschaft der Menschenrechte so richtig unters Volk zu bringen. Hannes Britschgi gehörte zur Organisationscrew rund um Oliver Lütolf, der mit seiner Frau Cordula Müller bis heute das Amnesty-Magazin gestaltet. In der Hitze des Geschehens holte sich der damalige Jus-Student Britschgi Hilfe bei der «Berner Zeitung». Eine Nachtschicht jagte die nächste, bis die Zeitung schliesslich in Druck ging. Das Fest selber, das im August 1981 zum 20-Jahr-Jubiläum von Amnesty International stieg, erwies sich als grosser Erfolg. Der Liedermacher Konstantin Wecker trat auf, in Workshops wurden Menschenrechtsthemen diskutiert, und das strahlende Sommerwetter brachte 20000 Leute aufs Gelände. «Das Fest verschaffte mir eine prägende Erkenntnis: Wenn man will und mit den richtigen Leuten zusammenspannt, kann man viel bewegen», erinnert sich Britschgi.

Es folgten Jahre als Redaktionsmitglied beim Amnesty-Magazin. Auf dem Lichtpult klebte Hannes Britschgi gemeinsam mit Oliver Lütolf die Seiten 
des Magazins von Hand zusammen. Nicht mit Photoshop und 
Computertechnik wurden die schwarz-weissen Seiten gestaltet, sondern mit Schere und Leim.

Angesichts dieser Erinnerung könnte der Kontrast kaum grösser sein, wenn der Medienmensch heute im Newsroom des Ringier-Verlags steht, wo auf Grossleinwand das digitale Layout einer «Blick»-Seite projiziert ist. Britschgi stiess 2005 zum Zürcher Medienhaus, nachdem er lange Jahre beim Schweizer Fernsehen für Sendungen wie «Kassensturz» und «Rundschau» und beim Nachrichtenmagazin «Facts» tätig gewesen war. Heute 
leitet er unter anderem die Ringier-Journalistenschule und will den jungen Medienschaffenden gewisse Werte mitgeben. Denn die Menschenrechte sieht er nach wie vor als «sehr taugliches Mittel», um die Welt gerechter zu machen. Amnesty International als Verteidigerin dieser Rechte ist, so findet der 56-jährige Publizist, heute aber weniger in der Öffentlichkeit präsent als früher. Amnesty dürfe das Multimediazeitalter nicht verpassen. «Andere Organisationen spielen stärker mit der Macht der Bilder und den Mechanismen der Skandalisierung. Dadurch erhalten sie mehr Aufmerksamkeit», erklärt Britschgi.

Gerät er in einen Konflikt, wenn er die Boulevardblätter aus seinem Verlag aufschlägt, die etwa bei Asylthemen nicht immer zimperlich sind? «Gerade der Boulevardjournalismus kann sich keine Fehler leisten. Sonst haut uns die Konkurrenz sofort auf die Finger», findet Britschgi. «Natürlich gibt es immer die Verlockung der Vereinfachung oder der Ausgrenzung. Aber in allen Redaktionen, in denen ich das Sagen hatte, setzte ich Grenzen», betont der Vater von drei Töchtern weiter. Vom Mediengeschäft scheint er auch dreissig Jahre nach den ersten Schritten noch nicht müde.

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von September 2011
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion