Der Romaflüchtling Jeton und ein Polizist. © Climage
Der Romaflüchtling Jeton und ein Polizist. © Climage

Film Inhaftiert und ausgeschafft

In Schweizer Gefängnissen sitzen auch Menschen, deren einziges 
Verbrechen eine fehlende Aufenthaltsbewilligung ist. Regisseur 
Fernand Melgar schaute hinter die Kulissen.

Er werde sterben, wenn er in den Kosovo zurückmüsse, sagt Jeton. «Das stimmt nicht, ich mache diesen Job seit Jahren. Niemals starb einer, der in den Kosovo zurückkehrte», erklärt der Polizist. Das rationale Argument verfängt nicht. Jeton, einem jungen Roma-Angehörigen, bleibt die Todesangst ins Gesicht geschrieben. Er will die Schweiz nicht verlassen. Gleich geht es den anderen Männern, die meisten von ihnen Afrikaner, die zusammen mit Jeton im Aus-schaffungsgefängnis Frambois im Kanton Genf hausen. Manche von ihnen sind seit Jahrzehnten in der Schweiz, nun aber sollen sie weg. Deshalb werden sie Leibesvisitationen unterzogen und nachts in ihren Zimmern eingeschlossen. Sie wurden nicht einer kriminellen Handlung für schuldig befunden, sondern haben keine Aufenthaltsbewilligung (mehr).

Der Westschweizer Regisseur Fernand Melgar zeigt das zittrige Gleichgewicht im Gefängnis und das manchmal fast liebevolle Verhältnis zwischen den Angestellten und den Insassen. Wie in seinem Vorgängerfilm «La Forteresse» über ein Empfangszentrum für Asylsuchende verzichtet Melgar auf Kommentare und lässt die Szenen in Frambois für sich sprechen. Besonders dramatisch wird es, als zwei Bewohner, die mit einem «Sonderflug» nach Nigeria zurückgeschafft werden sollten, plötzlich vom Flughafen Kloten zurückkehren. Bei dieser versuchten Zwangsausschaffung starb ein junger Nigerianer.

Auch ohne Parolen animiert Melgars Film dazu, die menschliche Seite eines politisch brisanten Themas zu sehen.

Fernand Melgar, Vol spécial, Schweiz, 2011. Ab 29. September im Kino.

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von September 2011
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion