AI Aktiv Guetzli und Filme für die Freiheit

Verschenken statt verkaufen: Dieses Rezept half Patrick Kiefer und seiner Lokalgruppe Luzern, eine enttäuschende Aktion in einen Erfolg zu verwandeln.

Patrick Kiefer Patrick Kiefer. © Astrid Herrmann

Die Gruppe veranstaltete am 10. Dezember 2008 eine Standaktion, an der sie – wie schon viele Male zuvor – Guetzli in Form von Friedenstauben verkaufte. Doch an jenem verregneten, kalten Wintertag verirrten sich nach Feierabend kaum Passantinnen und Passanten auf die Strassen der Reussstadt. Nach langen Stunden des Wartens gingen die durchfrorenen und frustrierten Amnesty-Mitglieder nach Hause, ohne auch nur einen Bruchteil ihres Keks-Bergs losgeworden zu sein.

In Folge entschieden Patrick Kiefer und seine Gruppe, mit der langjährigen Tradition zu brechen und die Friedenstauben-Guetzli im nächsten Jahr nicht zu verkaufen, sondern zu verschenken. Diese Entscheidung bereuten die Luzerner nicht: Überrascht und sehr erfreut fielen die Reaktionen aus, als die Luzerner Gruppe am Menschenrechtstag 2009 die süssen Leckereien verteilten. Im vergangenen Jahr verschenkte die Gruppe bereits zum dritten Mal Friedenstauben – und erhielt anhaltend positive Rückmeldungen.

Seit 24 Jahren mit dabei

Solche Erfolgserlebnisse halten Patrick Kiefer für seinen Posten als Gruppenleiter bei der Stange. Von Amnesty International hörte er zum ersten Mal mit 17 Jahren. Kurz darauf stiess der damalige Berufslehrling zur Lokalgruppe Luzern. Mit einer achtjährigen, berufsbedingten Pause engagiert sich der 41-Jährige nun schon seit 24 Jahren für die Menschenrechte und Amnesty International.

Als Motivation nennt er seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn: «Nicht alle haben das Glück, in der Schweiz geboren zu sein und von unseren Möglichkeiten zu profitieren. Ich möchte im Kleinen dazu beitragen, Menschen in anderen Ländern dieselben Rechte und Freiheiten zu ermöglichen.»

Reisen nach Mexiko und Guatemala

Zusätzlich zur Lokalgruppe, deren Leitung er vor vier Jahren übernommen hat, ist Patrick Kiefer thematisch zu den Ländern Mexiko und Guatemala aktiv. Dieses Engagement begründet der passionierte Reisende mit tiefgreifendem Interesse an anderen Ländern und Kulturen. Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin unternimmt der Heizungs-, Lüftungs- und Klimaingenieur oft längere Reisen. So sind die beiden vor einigen Jahren während fünfzehn Monaten in Lateinamerika herumgereist und haben unter anderem längere Zeit in Mexiko und Guatemala verbracht. Patricks Lebenspartnerin unterstützt sein Engagement bei Amnesty aktiv und springt auch selbst mal ein, wenn bei Aktionen Not an Mann und Frau ist.

Als Gruppenleiter kümmert sich Patrick Kiefer insbesondere um Einberufung, Organisation und Durchführung der Gruppensitzungen. Der Aufwand seines freiwilligen Engagements variiert zwischen 15 bis 40 Stunden monatlich, je nachdem, wie viel gerade ansteht. Manche Monate, wie beispielsweise der Dezember, als die Luzerner Gruppe im Rahmen des Briefmarathons rund um den 10. Dezember und an den «Luzerner Filmtagen Menschenrechte» aktiv war, seien zuweilen schon etwas anstrengend, sagt der langjährige Aktivist. In solchen Momenten wünscht er sich mehr Zeit zur Erholung.

Erfolgsmeldungen wie die Freilassung des aserbaidschanischen Internetaktivisten Jabbar Salavan im vergangenen Dezember jedoch motivieren Patrick Kiefer stets aufs Neue, sich für die Rechte aller einzusetzen.

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von März 2012
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion