Hochsicherheitsgefängnis in Arizona. © Privat
Hochsicherheitsgefängnis in Arizona. © Privat

Gefängnisse in Arizona Isoliert und entmenschlicht

In Arizona sitzen über 2‘000 Gefangene in Isolationshaft. Sie sehen kaum je das Tageslicht und können sich selten richtig bewegen. Für die Wiedereingliederung in die Gesellschaft wird wenig getan.

Seit drei Jahren hat John Wilson* keinen normalen Kontakt mehr mit anderen Menschen gehabt. Er verbringt fast 24 Stunden täglich in einer etwa 7 Quadratmeter messenden Zelle ohne Fenster. Wilson verbüsst eine Strafe in einer Hochsicherheitsabteilung, der sogenannten Special Management Unit (SMU), eines Gefängnisses im US-Bundesstaat Arizona. Seine Zelle ist mit einem Metallbett, einem Tisch, einem Stuhl und einer Toilette ausgestattet. Tageslicht oder frische Luft dringt kaum in den Raum.

John Wilson ist einer von mehr als 2000 Männern, die in Arizona in Einzelhaft sitzen. Darunter sind 14 Jugendliche. Die Behörden sehen diese Zellen für Gefangene vor, die das höchste Risiko für die Öffentlichkeit und das Gefängnispersonal darstellen. Die Mehrheit der SMU-Insassen ist wegen schwerer Verbrechen hinter Gittern. Doch 35 Prozent der Häftlinge im Hochsicherheitsbereich sitzen wegen nicht gewalttätiger Verbrechen wie Drogendelikten, Diebstahl oder Einbruch ein. Manche Gefangenen werden für wiederholte, aber im Grunde genommen geringfügige Verstösse gegen Gefängnisregeln in die Isolationshaft geschickt. Das zeigt ein Bericht von Amnesty International. Allerdings wurde der Organisation, die Gefängnisse auf der ganzen Welt besucht, der Zugang zu den SMUs in Arizona verweigert. Sie muss sich deshalb auf die Berichte von Gefangenen, AnwältInnen sowie ehemaligen und aktuellen Gefängnisangestellten stützen.

«Wir anerkennen, dass es manchmal nötig ist, Gefangene aus Disziplinierungs- oder Sicherheitsgründen abzusondern », sagt Angela Wright, USA-Expertin bei Amnesty International. «Aber Einzelhaft sollte nur als letzte Möglichkeit und nicht für eine längere Dauer angewandt werden. Sie sollte nie für Kinder oder Häftlinge mit psychischen Krankheiten angeordnet werden.»

Alles an den SMUs scheine darauf ausgelegt, die Gefangenen zu entmenschlichen, sagt Angela Wright weiter. John Wilson darf nicht arbeiten. Er isst alle Mahlzeiten in seiner Zelle. Der Kontakt zu den anderen Gefangenen beschränkt sich auf Zurufe. Drei Mal wöchentlich darf er für maximal zwei Stunden aus seiner Zelle heraus, um zu duschen oder allein in einem kleinen Hof Sport zu treiben. Vor dem Duschen unterziehen ihn die Wärter, ausgerüstet mit dicken Handschuhen, einer Leibesvisitation und fesseln seine Hände und Füsse. Das ist für Wilson der einzige physische Kontakt. Besuche von Familie und Anwälten finden durch eine Glasscheibe getrennt statt.

Es gilt als anerkannter Fakt, dass Einzelhaft psychische Krankheiten wie Angstzustände oder Psychosen auslösen kann. In Isolationszellen kommt es häufiger zu Suiziden als in anderen Gefängniseinrichtungen. Trotzdem ist die Versorgung von psychisch Kranken in Arizonas SMUs schlecht.

Freiheitsentzug soll immer auch der Resozialisierung dienen. In den SMUs in Arizona werden die Gefangenen aus Ressourcengründen kaum auf ein Leben in Freiheit vorbereitet. Wenn John Wilson seine Strafe einmal verbüsst hat, wird er 50 Dollar und seinen Ausweis erhalten. Die Behörden werden ihn aus der Isolationshaft direkt zurück in die Gesellschaft schicken.

 

* Name geändert

Erschienen in «AMNESTY - Magazin der Menschenrechte» von Juni 2012
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion