Am Rednerpult trotz Gehirnerschütterung: Jakob Merane auf derAmnesty-Generalversammlung in Luzern. © Marcel Hagmann/Amnesty International
Am Rednerpult trotz Gehirnerschütterung: Jakob Merane auf derAmnesty-Generalversammlung in Luzern. © Marcel Hagmann/Amnesty International

Aktiv für Amnesty Cool, clever, konkret

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» vom Juni 2015. Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion
Jakob Merane ist ein Unglücksrabe. Er wird nicht grundsätzlich vom Pech verfolgt, aber im April hätte es besser laufen können. «Ich war sehr traurig, dass ich weder an der grossen Armenier-Kundgebung ...

Jakob Merane ist ein Unglücksrabe. Er wird nicht grundsätzlich vom Pech verfolgt, aber im April hätte es besser laufen können. «Ich war sehr traurig, dass ich weder an der grossen Armenier-Kundgebung in Bern noch an der Amnesty-Generalversammlung teilnehmen konnte. Auf beides hatte ich mich seit Monaten gefreut.» Der Grund: Bei einem Unfall hatte er sich eine Gehirnerschütterung zugezogen und war deshalb zur Bettruhe verdonnert.

Besonders ärgerlich dabei war, dass der 22-Jährige nicht einmal dabei sein konnte, als ihn die Generalversammlung einstimmig in den Vorstand wählte. Nur für eine kurze Rede begab er sich ins KKL Luzern, um sich den Vereinsmitgliedern als Kandidat vorzustellen.

In der Region rund um den Vierwaldstättersee kennt sich Jakob aus, er ist nämlich in Nidwalden aufgewachsen. Als er etwa 14 Jahre alt war, zog er mit seiner Familie an einen anderen See – nach Rapperswil. Nun teilt er sich in Basel mit zwei Mitbewohnern eine WG und studiert Jus. Nebenbei arbeitet er als Hilfswissenschaftler und Tutor an der Juristischen Fakultät und in diesem Sommer absolviert er ein Praktikum in einer Wirtschaftskanzlei. Später will er Anwalt werden.

«Wenn man am Zeitgeschehen interessiert ist und an der Entwicklung teilhaben will, ist Amnesty genau das Richtige.»

Bei Amnesty hat Jakob bislang eine steile Karriere hingelegt: Zwar war ihm die Menschenrechtsorganisation bereits in der Gymi-Zeit ein Begriff – «Amnesty kennt man einfach» –, doch als Mitglied ist er erst seit vier Jahren dabei. Nach nur eineinhalb Jahren übernahm Jakob die Co-Leitung der Basler Studentengruppe. In der Zwischenzeit gab er die Leitung schrittweise ab, nun wurde er in den Vorstand berufen. «Wenn man am Zeitgeschehen interessiert ist und an der Entwicklung teilhaben will, ist Amnesty genau das Richtige.»

Als Nachfolger von Xenia Rivkin wird er im Vorstand das Ressort Jugend und Bildung übernehmen. «Ich habe einen guten Draht zu Jugendlichen», sagt er. Für sein neues Amt hat er sich vorgenommen, in den Schulen präsent zu sein: «Ich will versuchen, die Jungen mit einem neuen Ansatz für unsere Sache zu begeistern.»

Für Jakob ist es besonders wichtig, Personen aus allen Bevölkerungsschichten zu erreichen. «Wir müssen auch diejenigen für die Menschenrechte sensibilisieren, die uns nicht sowieso schon zugeneigt sind.» Zwar könne man sich unter Gleichgesinnten gut austauschen und philosophieren, aber bei solchen «Selbstgesprächen » dürfe es nicht bleiben.

Dem «Sprössling einer Flüchtlingsfamilie », wie sich der Sohn eines aramäischen Einwandererpaares selbst bezeichnet, liegt es am Herzen, diese Überzeugung auch im Alltag zu leben. So spielt er hin und wieder freitagnachmittags mit Asylsuchenden Fussball und legt grossen Wert auf das Unterschriftensammeln für Petitionen.

Jakob mag es lieber konkret und bodenständig denn abstrakt und elitär. Dies ist ihm auch bei den Amnesty-Aktionen wichtig. So kommt es nicht von ungefähr, dass er für die Kampagne «My Body My Rights» dieses freche Projekt initiierte: Von einem Freund liess er eine Schachtel für Kondome entwerfen. Die Aufschrift lautete «human rights need protection». Ein echter Blickfang. Zusammen mit der Aidshilfe wurde das Projekt realisiert. Aktivistinnen und Aktivisten können die Präservative nun über das Extranet beziehen und verteilen. Damit sollen vor allem junge Menschen auf Amnesty aufmerksam werden. Die Idee ist typisch für Jakob: cool, clever, konkret.

Von Jan Amsler