Illustrationen: Susann Stefanizen
Illustrationen: Susann Stefanizen

Geschichten, die Mut machen Aufgeben ist keine Option

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» vom Dezember 2015. Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion
Die Welt verbessert sich nicht von selbst. Hinter positiven Veränderungen stehen Menschen. Sie sind keine Supermen oder Wonderwomen, sondern Leute aus Fleisch und Blut. Sie zaudern auch, wie wir alle. Sie haben schlechte Tage und dunkle Momente. Aber sie geben nicht auf, sie kämpfen weiter. Amnesty International hat fünf mutige Menschen gefragt, was sie antreibt, weiterhin für eine gerechte Welt einzustehen.

Rachid Mesli

Rachid Mesli Rachid Mesli

«Ich bin Anwalt, und es ist die Pflicht eines Anwalts, stets die Menschenrechte zu verteidigen. Er muss ein moralischer Fels in der Brandung bleiben, selbst in Krisensituationen und selbst wenn sein Leben in Gefahr ist. Nach meiner Flucht aus Algerien in die Schweiz war es für mich unvorstellbar, mich nicht mehr für andere Opfer einzusetzen; ich selbst war ja jetzt in Sicherheit. Der Kampf für die Menschenrechte ist ein langer Weg mit vielen Höhen und Tiefen, aber wir müssen stets solidarisch bleiben und den Optimismus bewahren.»

Der algerische Anwalt Rachid Mesli musste schon vor Jahren aus seinem Land fliehen, weil er sich für politisch Verfolgte eingesetzt hatte. Er erhielt in der Schweiz Asyl und lebt heute in Genf.

Mohammad Kazkij

Mohammad Kazkij Mohammed Kazkij

«Ich heisse Mohammad, aber alle nennen mich Aga. Das heisst so viel wie ‹Meister›. An meinen ersten Arbeitstag kann ich mich genau erinnern. Es war Ramadan, es war heiss und ich brauchte Wasser und ein wenig Essen. Jemand bot Arbeit an und hat mich mitgenommen. Es gab ein schwieriges Problem. Alle standen herum und diskutierten. In der Zwischenzeit hatte ich das Problem gelöst und einen Plan gezeichnet. Das hat sie überzeugt. Heute bin ich Mitarbeiter in einer grossen Firma. Und jeder weiss, dass Aga der beste Elektriker der Welt ist.»

Mohammad Kazkij ist Flüchtling aus Syrien. Er war auf einem Boot, das im Oktober 2013 untergegangen ist. Sein bester Freund ist bei dem Unglück ertrunken. Er selbst konnte gerettet werden und lebt seitdem auf Malta.

Boban Stojanovic 

Boban Stojanovic Boban Stojanovic

«Jede Form von Aktivismus ist ein wenig egoistisch – davon bin ich fest überzeugt. Ich habe ein Interesse und trage es möglichst wirksam in die Gesellschaft. In Serbien gibt es die Homophoben, die Extremisten, die Hooligans, die   uns in Angst versetzen wollen. Das lasse ich nicht zu. Ich will frei leben – ohne Angst, ohne Scham, ohne Minderwertigkeitsgefühl. Bei der ‹Pride-Parade› zeigt sich, wie weit unsere Gesellschaft ist. Dieses Jahr warf uns zum ersten Mal eine Frau vom Balkon aus Blumen zu.» 

Boban Stojanovic tritt selbst nach Übergriffen so offen auf wie kaum eine andere Person aus der serbischen Community von Lesben, Schwulen,Transgender, Bi- und Intersexuellen. Seit 2009 organisiert er die jährliche «Pride-Parade» mit.

Carsten Stormer

Carsten Stormer Carsten Stormer

«Warum mache ich meinen Job? An der schlechten Bezahlung liegt es sicherlich nicht. Ich will dabei sein, wenn Geschichte geschrieben wird. Warum kämpfen die Menschen in Syrien? Was erleben die Jesiden im Nordirak? Ich will verstehen, was da vor sich geht. Mich berühren die Schicksale der Menschen zutiefst. Die Naivität, etwas mit Berichterstattung zu verändern, habe ich vor langer Zeit abgelegt. Aber Berichterstattung schafft Wissen. Wir können uns nicht herausreden, von all den Grausamkeiten, die während unserer Lebenszeit geschehen, nichts gewusst zu haben.»

Der Journalist Carsten Stormer lebt in Manila. Seit Jahren berichtet er aus Kriegs- und Krisengebieten wie Syrien, Libyen, Afghanistan oder dem Irak.    

Ensaf Haidar

Ensaf Haidar Ensaf Haidar

«Ich bin von Raifs Sache überzeugt. Deshalb ist es meine Pflicht, für ihn weiterzukämpfen. Alle Leute, die mit uns solidarisch sind, geben uns die Kraft, weiterzumachen. Wir wünschen uns, dass Raif freikommt. Ich verfolge alle Mahnwachen auf der ganzen Welt. Das gibt mir Kraft, ich erzähle Raif davon, und das gibt wiederum ihm Kraft. Ich danke wirklich allen, die mit uns solidarisch sind – egal ob als Einzelpersonen oder mit Amnesty International – und gemeinsam mit uns seine Freilassung fordern.»  

Ensaf Haidar, die Frau von Raif Badawi, setzt sich für die Freilassung ihres Mannes ein. Der saudische Blogger war zu 10 Jahren Gefängnis, einer hohen Geldstrafe und 1000 Peitschenhieben verurteilt   worden.