Ein Instrument des Völkerrechts sind die Kriegsverbrechertribunale: Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien wurde am 25. Mai 1993 geschaffen. Zu den bekannesten Prozessen gehört jener gegen den serbischen General Ratko Mladic. Im Bild eine Namenstafel an der Gedenkstätte in Potocari in der Nähe von Srebrenica. © Michael Bueker
Ein Instrument des Völkerrechts sind die Kriegsverbrechertribunale: Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien wurde am 25. Mai 1993 geschaffen. Zu den bekannesten Prozessen gehört jener gegen den serbischen General Ratko Mladic. Im Bild eine Namenstafel an der Gedenkstätte in Potocari in der Nähe von Srebrenica. © Michael Bueker

Buch Auf den Punkt gebracht

Von Nina Astfalck. Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» vom Dezember 2016.
Völkerrecht: ein Begriff, mit dem wir immer wieder konfrontiert sind. Aber was steckt wirklich dahinter? Ein kurzes Sachbuch verschafft einen Überblick.

Der Einstieg ins kurze Sachbuch ist lebendig gestaltet: Statt sogleich auf Themen wie zum Beispiel die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) einzugehen, erklären die HerausgeberInnen und AutorInnen etwa, dass wir unsere Smartphones nur dank des Völkerrechts im In- und Ausland benutzen können. Die Leserschaft wird anschliessend langsam an das breite Thema herangeführt. Zuerst folgen eine kurze Abhandlung des Rechtsbegriffs und ein Abriss der Entstehungsgeschichte des Völkerrechts. Der nächste Themenblock zeigt auf, in welcher Form sich das Völkerrecht manifestieren kann, und diskutiert, wer völkerrechtliches Subjekt ist und welche Lebensbereiche es regelt. Zwei weitere Kapitel behandeln das Verhältnis zwischen Gewaltanwendung und Völkerrecht sowie seine Durchsetzung. Das letzte Kapitel bespricht die Wirkung des Völkerrechts in der Schweiz.

Der klare Aufbau des Buches ist für das Verständnis des Themas sehr hilfreich. Jedes Kapitel wird mit einer einfachen Fragestellung eingeführt, die Aufschluss über den Inhalt gibt. Die AutorInnen lenken die Lesenden mit Querverweisen zu anderen Kapiteln, Informationsboxen und anschaulichen Beispielen aus der Realität. Gerade die Beispiele sorgen für eine abwechslungsreiche Lektüre. Einen grossen Beitrag dazu leistet auch die Sprache. Sie ist auch für NichtjuristInnen gut verständlich, und es gelingt den AutorInnen, komplexe Konzepte einfach zu erklären.

Das eigentliche Herzstück des Buches ist das letzte Kapitel, in dem es um die Schweiz geht. Vor allem dort spürt man die Grenzen, die sich den AutorInnen aufgrund der Kürze des Buches und der gleichzeitigen Immensität dieses Themas stellten. Im Unterkapitel «Völkerrechtswidrige Volksinitiativen» wäre es beispielsweise interessant gewesen, mehr über die Bestrebungen, die EMRK mittels Initiative zu kündigen, lesen zu können.

Das Buch wird seinem Anspruch dennoch in jeder Hinsicht gerecht. Nach der Lektüre verfügt man über ein Grundwissen zum Völkerrecht. Es ist ein Einstiegswerk, das hilft, Berichterstattungen über das Völkerrecht besser zu verstehen. Daher ist es auch als Nachschlagewerk einsetzbar.

Für alle Personen, die am aktuellen politischen Geschehen im In- und Ausland interessiert sind, aber nur beschränkte Kenntnisse des Völkerrechts haben, ist dieses Sachbuch höchst empfehlenswert. Daniel Högger und Cristina Verones, die das Werk im Namen von foraus – Forum Aussenpolitik herausgegeben haben, lassen an der Wichtigkeit des Völkerrechts für die Schweiz keinen Zweifel aufkommen. Trotzdem bleiben die Erklärungen sachlich und nüchtern, und es wird auch auf Schwachpunkte und Herausforderungen des Völkerrechts verwiesen. Das Buch weckt Neugierde, sich weiter zu informieren.