Ahmed Abu Seif an seinem neuen Wohnort Chicago. © Private
Ahmed Abu Seif an seinem neuen Wohnort Chicago. © Private

Hand in Hand – Freundschaft, Solidarität und Menschenrechte «Ein Teil von mir ist gefangen»

Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» vom Dezember 2016.
Ahmed Abu Seif erzählt von seinem langjährigen Freund Shawkan, der in Ägypten im Gefängnis sitzt, weil er eine Demonstration fotografiert hat.

«Shawkan und ich sind seit Ewigkeiten befreundet. Ihm droht die Todesstrafe oder lebenslange Haft – nur weil er fotografiert hat. Er hat nach dem Putsch von August 2013 eine Demonstration von Anhängern und Anhängerinnen des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi dokumentiert.

Er war nicht Teil des Protests: Gleich wie ein amerikanischer und ein französischer Journalist, die neben ihm standen, machte er Fotos. Sicherheitskräfte kamen und verhafteten ihn. Nach einigen Stunden liessen sie den Amerikaner und den Franzosen frei. Aber Shawkan ist Ägypter. Sie behandelten ihn wie die Demonstranten und er sitzt seither im Gefängnis.

Ich habe Angst, dass er dort sterben wird.

An seinem 600. Tag im Gefängnis schrieb Shawkan in einem seiner Briefe: ‹Wir mussten unsere Würde am Gefängnistor abgeben.› Er beschrieb die Zelle, die er mit zwölf anderen Insassen behaust: Sie ist 3Σ4 Meter gross. Er schläft auf nackten Kacheln am Boden. Manche schlafen im Badezimmer, weil nicht alle in die Zelle passen.

Gesundheitlich geht es ihm schlecht. Er hat Hepatitis C. Wenn er keine medizinische Versorgung und Medikamente bekommt, dann fürchte ich, dass er stirbt.

Bei allem, was ich tue, und an jedem Ort, den ich aufsuche, blicke ich durch Shawkans Augen. Der Schmerz ist gross. Es schmerzt, dass ich meine Freiheit nutzen kann und er immer noch im Gefängnis ist. Ich fühle mich, als ob ein Teil von mir gefangen wäre.»