Rückkehr von einer Rettungsmission. LESEN SIE DAS LOGBUCH DER MISSION DURCH KLICKEN AUF DAS BILD.
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Hand in Hand – Freundschaft, Solidarität und Menschenrechte Solidarität auf See

Bild und Text von Raphaël Fournier. Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» vom Dezember 2016.
Die Mannschaft der «Sea Eye» patrouilliert in den Gewässern vor Libyen, um Flüchtlinge auf See zu retten. Vor etwa einem Jahr wurde der Verein von einer Gruppe von Freunden gegründet. Der Fotograf Raphaël Fournier hat die 13. Mission begleitet.

Die Zeit auf der «Sea Eye» war hart und einzigartig: Die Situation auf dem Mittelmeer mit eigenen Augen zu sehen, ohne die üblichen Filter der Medien, und zugleich Teil des Geschehens zu sein. Natürlich war unsere elftägige Mission 13 nicht die schlimmste ihrer Art, wir haben keine Menschen ertrinken sehen und keine Leichen in Schlauchbooten gesichtet. Aber die Erfahrung, in einer solchen Situation selbst dabei gewesen zu sein, führt einem die Realität besser vor Augen. Und ich habe dabei verschiedene Dinge begriffen.

Ich habe gesehen, wie die NGOs vor Ort arbeiten. Manchmal arbeiten sie zusammen und helfen einander; manchmal tun sie das nicht.

Eine andere Sache ist die Schwierigkeit, eine Gruppe zu werden, wenn sich keiner aus der Crew vorher kannte und wenn man für zwei Wochen mit den gleichen Leuten so eng auf einem kleinen Boot zusammen ist und nicht wegkann.

Es gibt viele angespannte Situationen. In unserer Gruppe gab es Konflikte, aber wir haben es geschafft, die Probleme zu überwinden. Mit der Zeit wurde aus unserer Gruppe eine Einheit, und ich kann sagen, dass wir uns sehr nahekamen.

Widersprüchliche Gefühle löste bei uns allen das Bedürfnis aus, dass wir mehr «Action» brauchten: Action bedeutet Flüchtlingsboote, und das bedeutet normalerweise, dass Menschen ertrinken und sterben. Ständig haben wir nach Booten Ausschau gehalten, um eine Rettungsaktion starten zu können. Es war eine Mischung aus einem Wettbewerb mit anderen Organisationen und dem tiefen Wunsch zu helfen.

Zum Logbuch der Mission. 

Sea Eye

Die gemeinnützige Seerettungsorganisation Sea Eye wurde 2015 von einer Gruppe von Freunden in Deutschland gegründet, um Flüchtlinge im Mittelmeer vor der Küste von Libyen zu retten. Die Schlepper statten die Flüchtlinge mit Schlauchbooten oder Holzschiffen aus, die nicht dazu geeignet sind, das Meer zu überqueren. Somit geraten viele auf der Reise in Seenot. Für ihre Rettungsmissionen hat die Organisation ein Fischerboot gekauft – die «Sea Eye» –, sie renoviert und für die Seerettung ausgerüstet. Das 59 Jahre alte Schiff ist nicht das beste für diese Aufgabe, seine Maschine ist launisch und braucht viel Aufmerksamkeit.

Seit April 2016 gehen wechselnde Mannschaften aus Freiwilligen auf jeweils zweiwöchige Rettungsmissionen. Sie suchen nach Flüchtlingsbooten, bekommen Notrufe von anderen Rettungsbooten oder vom Maritime Rescue Coordination Centre in Rom. Wenn ein Flüchtlingsboot gesichtet wird, besteht die Aufgabe der Crew darin, die Flüchtlinge mit Rettungswesten und Wasser zu versorgen, bis sie von der Marine oder grösseren NGO-Schiffen aufgenommen werden. Wegen seiner geringen Grösse nimmt die Sea Eye normalerweise keine Menschen an Bord. In dem Gebiet vor der libyschen Küste laufen etwa ein Dutzend weiterer Missionen anderer NGOs, sodass dort immer vier bis acht Schiffe im Einsatz sind.