© privat / Elisabeth Sandmann Verlag
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Buch Grosse Träume

Von Ulla Bein. Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von Juni 2017.
Von der Skateboard-Trainerin bis zur Graffiti-Künstlerin: Ein illustriertes Buch versammelt 20 Porträts von ungewöhnlichen Frauen aus Afghanistan.

Es ist nur schwer vorzustellen, dass Afghanistan in den frühen 1970er-Jahren, als Nahid Shahalimi auf die Welt kam, ein kulturell und politisch aufgeschlossener Vielvölkerstaat war. Eine grausame Abfolge von Ideologien, Kriegen und Terror hat das Land seitdem bestimmt.

Das Afghanistan ihrer Kindheit, das Potenzial an Mut, Menschlichkeit und Herzenswärme, wollte Nahid Shahalimi, die als Zwölfjährige mit ihrer Mutter fliehen musste, wiederfinden. Dazu reiste sie seit 2014 mehrmals im Jahr in das Land, zu Begegnungen mit besonderen Menschen, vor allem aussergewöhnlichen Frauen. Um ihre Interviews zu führen, nahm sie enorme Risiken auf sich. Mancher Termin musste aus Sicherheitsgründen verschoben werden.

Ihr Mut wurde jedoch belohnt, Nahid Shahalimi betont wiederholt die ausserordentliche Herzlichkeit und Gastfreundschaft ihrer Interviewpartnerinnen. Entstanden sind 60 Porträts von Frauen, von denen 20 in diesem Buch Aufnahme gefunden haben. Sei es die Graffiti-Künstlerin Shamsia, die Skateboard- Trainerin Haifa oder die Kommandantin Kaftan «Pigeon», sei es die Kraft, die aus Musik oder aus Sport gezogen wird – beides in Afghanistan für Frauen oder generell verboten: Manch eines dieser Leben wäre auch in westlichen Zusammenhängen ungewöhnlich.

Es ist die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, auf Frieden und Bildung, auf Gleichberechtigung und Freiheit, die allen Porträtierten gemein ist. Sie tun die ersten Schritte, damit diese Vorstellung Wirklichkeit wird.

Nahid Shahalimi lebt heute in München und verbindet ihr humanitäres Engagement mit künstlerischen Aktivitäten. Ihr Buch hätte durch ein sorgfältigeres Lektorat an Aussagekraft gewinnen können.