Ein Mann mit Message: Kaporal Wisdom in Aktion. © Amnesty International
Ein Mann mit Message: Kaporal Wisdom in Aktion. © Amnesty International

Kultur Grosse Träume, zensurierte Texte

Interview: Shiromi Pinto. Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» vom Juni 2018.
Der togolesische Slam-Künstler und Musiker Kaporal Wisdom trat bei einem Amnesty-Konzert in der Hauptstadt Lomé auf. Wie die Botschaften in seinen Songs das Leben anderer verbessern, erzählt er im Interview.
AMNESTY: Warum verbinden Sie Aktivismus mit Musik?

Kaporal Wisdom: Ich wollte schon immer die Herzen der Menschen berühren und ihr Denken verändern. Ich habe über Aids und Malaria geschrieben und die Leute interessierten sich für das, was ich zu sagen hatte. Mein erstes Album erschien 2016. Es dreht sich um meinen Traum von einer Welt, in der die grundlegenden Menschenrechte geachtet werden: sauberes Wasser, Bildung und Gesundheitsversorgung für alle. Ich sprach mit Gefangenen, Strassenkindern und Bergarbeitern, um ihre Geschichten zu hören. Ich stamme selbst aus einer armen Familie und wollte den Menschen zeigen, dass wir der Armut entkommen können, wenn wir an uns selbst und an unsere Träume glauben.

Welche Auswirkungen hat Ihr Aktivismus in Togo?

Den vielen Strassenkindern in Togo drohen Vergewaltigung, Diebstahl und andere Misshandlungen. Manchmal werden sie festgenommen, weil sie Essen stehlen. Oft müssen die Menschen mit illegalen Geschäften wie dem Verkauf von Schmuggelware Geld verdienen. Die Botschaften in meinen Liedern scheinen tatsächlich Wirkung gehabt zu haben. Wenn ich mich heute in Lomé umschaue, dann sehe ich, dass die Regierung Strassen und Abwasserkanäle saniert hat und es eine solarbetriebene Strassenbeleuchtung gibt. Durch meine Musik spreche ich die Behörden an. Wenn ich die Rechte meines Nachbarn verteidige, ist das, wie wenn ich meine eigenen Rechte verteidigen würde.

Müssen Sie aufpassen, was Sie sagen und schreiben?

Ich trete an vielen öffentlichen Veranstaltungen auf. Häufig wird mein Text im Voraus verlangt, damit er zensuriert werden kann. Junge Leute hören mir zu, weil sie wissen, dass ich Einfluss habe. Persönlich bin ich nie von der Polizei verfolgt worden. Aber man wird etwas ängstlich. Man weiss, dass man dich verschwinden lassen kann, ohne dass jemand davon erfährt. Sie könnten mich auch treffen, indem sie die Familie oder die Freunde ins Visier nehmen. Meine Wohngegend ist nicht sicher; Soldaten brechen in die Häuser ein. Aber ich mache weiter, weil wir unsere Angst überwinden und unseren Träumen folgen müssen. Ich will sagen können, was ich will, wo ich es will und wie ich es will.