Künstler Vhils vor seinem Wandgemälde zu Ehren von Marielle Franco in Lissabon, Portugal. © Fernando Figueiredo Silva
Künstler Vhils vor seinem Wandgemälde zu Ehren von Marielle Franco in Lissabon, Portugal. © Fernando Figueiredo Silva

Kultur Künstler*innen für Menschenrechte auf Instagram

Von Malte Göbel. Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» vom August 2021.
Instagram rückt Fotos in den Mittelpunkt und trifft damit den Zeitgeist wie derzeit kein anderes soziales Medium. Kein Wunder, dass auch und gerade Künstler*innen Instagram für sich entdeckt haben – einige von ihnen machen sich explizit für Menschenrechte stark.
@vhils

Auf Instagram ist der Streetart-Künstler Alexandre Farto unter seinem Pseudonym Vhils ein Star – fast eine halbe Million Menschen folgen dem Portugiesen. «Scratching the Surface» nennt er seine Kunst der Kratztechnik, die auch seinem politischen Anspruch entspricht, nicht oberflächlich schöne Bilder zu schaffen, sondern tiefer zu gehen und der eigenen Kunst eine Bedeutung zu geben. Oft setzt sich Vhils mit der Menschenrechtslage in Brasilien auseinander, 2018 hat er etwa ein überlebensgrosses Porträt der ermordeten Aktivistin Marielle Franco in eine Betonwand gekratzt. «Dass ich mit meiner Kunst auf ihre Geschichte hinweisen kann, ist für mich ein Privileg», sagte Vhils. Im Sommer 2020 schuf er vor einem Krankenhaus in der portugiesischen Stadt Porto ein Wandbild, um den Beschäftigten für ihr Engagement in der Corona-Pandemie zu danken.

@smishdesigns

Smish ist das Pseudonym einer indischen Künstlerin, die ihren bürgerlichen Namen im Zusammenhang mit ihrer aktivistischen Arbeit nicht angeben möchte – aus Angst, sexistischen Repressionen ausgesetzt zu sein. So fordert sie etwa einen besseren Zugang zu Verhütungsmitteln und das Recht auf Abtreibung. Als im September 2020 massenhaft gegen die Landwirtschaftspolitik protestiert wurde, schuf Smish ein Porträt des Premierministers Narendra Modi im Stil von Obamas ikonischem «Hope»-Plakat – nur dass darunter «Shame» stand.

@ich_bin_barbara

Ein Spruch in weissen Buchstaben auf einem schwarzen Plakat eignet sich perfekt für Instagram! So klebte Barbara. (mit Punkt) unter die Werbung eines Sportstudios «Gezielte Behandlung von Problemzonen » den Kommentar: «Die Missachtung der Menschenwürde ist hier die einzig wahre Problemzone.» Vor eine Kebab-Imbissbude hängte sie ein Schild mit der Aufschrift: «Fremdenhass, das ist bekannt, endet oft hungrig am Dönerstand.» 2017 war sie mit der Initiative «Viva con Agua» in Uganda und klebte dort an einen Brunnen das Schild: «Build wells not walls.» Wegen ihrer politischen Kunst wird Barbara. auch als «der deutsche Banksy» bezeichnet. Dazu passt, dass kaum etwas über sie bekannt ist.

Unbenannt-1.jpg barbara. © Instagram/@ich_bin_barbara

@thefakepan

Der Comic-Zeichner Pan Cooke hat als thefakepan rund 360 000 Abonnent*innen auf Instagram. In seiner Kurzbiografie steht bescheiden: «Still learning.» Der 1990 geborene Ire wurde mit Strassenkunst in Dublin bekannt und verdient sein Geld vor allem mit Porträts. Erst 2019 startete er seinen Cartoon-Account thefakepan mit zunächst autobiografisch gefärbten Strips. Politisch wurde es ab Juni 2020 nach dem Tod von George Floyd. «Meine eigene passive Unkenntnis war der Hauptgrund für meine Comics», sagte Cooke im Interview mit der Website artshelp.net. Er recherchierte über Fälle von Polizeigewalt und fasste sie in kurzen Comics zusammen. Inzwischen liegt sein Schwerpunkt auf Menschenrechtsverletzungen überall in der Welt, auch in Saudi-Arabien und der Türkei.

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