Internationales Treffen Eindrücke aus Marokko

19. Oktober 2016
Ein intensiver Austausch mit Marokkos YOUTH AktivistInnen. Ein Bericht.

Wir hatten das grosse Glück an einem internationalen Treffen in Marokko teilzunehmen, dem «Annual Youth Camp» Ende September 2016. Leider wurde das Camp in letzter Minute abgesagt, da die marokkanische Regierung sämtlichen Vereinen und Organisationen die Durchführung von Anlässen strikt verboten hatte. Dies aufgrund der präsidentialen Wahlen. Wir wurden dennoch von einer Gruppe junger Amnesty AktivistInnen in Marokko für einen intensiven Austausch Willkommen geheissen. Der Empfang hätte herzlicher nicht sein können und wir haben uns sofort wie Zuhause gefühlt!

Eigentlich haben wir ein eher konservatives Land erwartet, wo Religion und Tradition vorherrschen. Welche Überraschung dann mit einer völlig anderen Realität konfrontiert zu werden! Auch wenn viele BürgerInnen ihrer Religion nahe stehen, haben wir einen moderaten Islam entdeckt, ganz anders als die Bilder, die uns zuhause von den Medien übermittelt werden. Uns ist bewusst, dass die jungen AktivistInnen von Amnesty Marokko sicherlich offener und moderater sind als viele andere. Aufgefallen ist auch, dass die Bevölkerung mit ihrer konservativen Moral sich perfekt mit der jungen, viel liberaleren Generation vermischt. Diese versucht sich gleichzeitig zu emanzipieren.

Fadoua El Bouamraoui, Jugendkoordinatorin von AI Marokko, hat uns in ihre Gruppe integriert. Sie hat es uns ermöglicht, diese intensiven Momente mit StudentInnen, weiteren lokalen Gruppen und MenschenrechtsbildnerInnen zu teilen. Auf dem vielfältigen Programm standen: Konferenzen, Workshops, ein Theater zu den Menschenrechten, Stadtbesuche in Rabat, Casablanca und Irfan (inkl. der Universität),  sowie Kenitra, usw.

Während unserem Besuch wurden wir uns der menschenrechtlichen Situation in Marokko bewusst: Die Verletzungen von Frauenrechten, wie auch den LGBTI-Rechten oder die Einschränkung der fundamentalen Rechte, wie z.B. der Meinungsfreiheit, sind nur einige davon und offensichtlich. Wir haben eine Realität entdeckt, mit der wir in der Schweiz äusserst selten konfrontiert werden.

In Marokko gibt es nicht viele MenschenrechtsverteidigerInnen. AI Marokko zählt nur 40‘000 Mitglieder und SympathisantInnen auf eine Gesamtbevölkerung von 34 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Amnesty Schweiz hat 47‘000 Mitglieder, 80‘000 SpenderInnen und eine viermal kleinere Bevölkerungszahl. Das Ziel der marokkanischen Sektion ist es somit auch, die BürgerInnen über ihre Rechte zu informieren und mit der Regierung zu kommunizieren.

An unserem Treffen waren die Meinungsfreiheit und ihre Einschränkungen das zentrale Thema. Wenn in Marokko eine Person öffentlich den König kritisiert oder gegen die Diskriminierung der LGBTI oder gewisse religiöse Aspekte protestiert, riskiert sie massive Gefängnisstrafen. Wir haben an verschiedenen Ateliers diskutiert, mit welchen Massnahmen die Situation verbessert werden kann.   

Wir bedanken uns an dieser Stelle herzlich bei all den Personen, die uns diesen äusserst bereichernden Aufenthalt ermöglicht haben.

Von Schoschanah, Unigruppe Bern und Ludovic, Unigruppe Fribourg.