Männerwelten - Belästigung von Frauen | Joko & Klaas 15 Minuten Live Männerwelten - Belästigung von Frauen | Joko & Klaas 15 Minuten Live

AI YOUTH YOUTH PERSPECTIVES An all die guten Männer, die trotzdem Teil des Problems sind.

Kommentar von Lia Perbo

Wie die allermeisten Menschen in meinem Umfeld habe auch ich das Joko und Klaas-Video zu sexueller Belästigung von Frauen geschaut. Hatte Gänsehaut, erkannte mich in einigen Situationen wieder und habe mich gleichzeitig gefreut, dass so viele Menschen sich Gedanken zu diesem Thema machen. Danach habe ich Beiträge aus den Medien oder von Menschen, denen ich folge, darüber gelesen. Habe mich mit der Kritik auseinandergesetzt, dass sie selber vor 8 Jahren eine Frau öffentlich sexuell belästigt haben und sich jetzt als Helden darstellen. Ebenso mit der Kritik, dass die Organisation „Terre des Femmes“ (Deutschland) an der Produktion des Videos beteiligt war, die sich zum Teil islamfeindlich und gegen Sexarbeit positioniert. Habe die Kommentare zum Video und zu den Beiträgen über das Video gelesen. War angeekelt ob der schieren Menge an ignoranten und übergriffigen Kommentaren. (Als hätte man nicht gerade das Video gesehen…).

Alles spannende und wichtige Diskussionen.

Was mich nun einige Tage später am meisten beschäftigt, ist: was können wir denn jetzt konkret tun? Wo genau liegt das Problem?

Das Video war unglaublich gut gemacht und hat eindrücklich auf den Punkt gebracht, was die allermeisten Frauen immer wieder ertragen müssen. Wer nicht zu Wort kam, waren die Männer. Hätte in diesem Setting natürlich auch nicht gepasst, doch im Nachhinein sollte man sich diese Gedanken trotzdem machen. Emma-Louise Steiner von „Das Lamm“ drückt meine Gedanken treffend aus: „Was auch dieses Video wieder gemacht hat, ist die «Perversen» von den «Guten» abzugrenzen. So schwarz-weiss ist es eben nicht“. Ich glaube, viele, - vor allem Männer - die das Video geschaut haben, waren empört, dass es welche gibt, die sowas machen, und haben sich auf dem Gedanken ausgeruht, dass sie das nie machen würden. Doch wie kann es sein, dass „every woman knows another woman that was raped, but no man knows another rapist“? Ich glaube, es liegt daran, dass viele Männer - auch solche in unserem Umfeld - schon mal Grenzen überschritten haben, von denen sie gar nicht wussten, dass es Grenzen waren. Eine Freundin von mir ist von ihrem festen Freund vergewaltigt worden, nachdem sie ihm klar nein gesagt hat. Sie konnte sich nicht wehren, weil sie so schockiert war. Sie lag da „wiene Härdöpfusack“. War ihm die Grenze bewusst, oder hat er sie nicht erkannt, weil sie doch in einer festen Beziehung waren und es halt mal sein kann, dass die Freundin oder der Freund gerade nicht so Lust hat…?

Ist es uns wirklich bewusst, dass es ein sexueller Übergriff ist, wenn das Gegenüber „ich bin nicht sicher, ob ich wirklich möchte“ sagt? Ist es uns bewusst, dass es extrem unangenehm und sogar traumatisch für das Gegenüber sein kann, wenn wir ihm oder ihr an den Po greifen, ohne dass sie oder er das möchte? Ist es Männern bewusst, dass es für Frauen, die ihnen oft körperlich unterlegen sind, wahnsinnig unangenehm und angsteinflössend sein kann, wenn sie sie anstarren?

Die Liste könnte endlos weitergeführt werden und soll zeigen, dass sexuelle Belästigung viele Formen und Nuancen annehmen kann. Es kann schwierig sein, Grenzen zu erkennen. Sexuelle Belästigung ist nicht schwarz oder weiss. Belästigung geschieht dann, wenn sich das Gegenüber unwohl fühlt. Was es in der Gesellschaft braucht, ist ein Umdenken in bisher als normal angesehenen Tatsachen. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass die Frage nach dem Konsens vor dem Sex kein Stimmungskiller ist, sondern ein natürlicher Teil davon. „Verbal consent is often mocked for killing the mood. But think of how much organic communication we do in life. A sampling table at the grocery store; you pick up a cracker, make eye contact with the vendor, «May I?» and they nod, «Enjoy». Subtle and swift“ (Chanel Miller, Know my Name). Voilà, so wird es gemacht und so einfach ist es. Subtle and swift. Wendet es an, lasst es Normalität werden.  Fragt öfter nach, ob etwas okay ist. Denn nur so können wir dieses gesamtgesellschaftliche Problem, mit dem offenbar schon jede Frau zu tun hatte, von dem aber seltsamerweise die wenigsten Männer etwas wissen, lösen. Das Problem sind nicht nur die „Perversen“, die Frauen vergewaltigen. Das Problem sind auch die unzähligen kleinen Grenzen, die so viele von uns immer wieder überschreiten, einfach weil wir nicht wussten, dass es eine Grenze war, weil wir es vielleicht „doch schon immer so gemacht“ haben.

Hört auf Opfer, wenn sie davon erzählen, nehmt sie ernst. Nehmt die aktuelle öffentliche Debatte darüber ernst und seht sie als Möglichkeit, etwas zu lernen. Reflektiert euch selber, verdrängt nicht all die Grenzen, die ihr selber schon überschritten habt, sondern lernt daraus und versucht, es besser zu machen. Jeder von uns hat schon einmal Grenzen überschritten und Fehler gemacht, wir können nicht alles wissen. Wichtig ist, dass wir sie akzeptieren, daraus lernen, und uns den sich verändernden Verhältnissen in der Gesellschaft anpassen.

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