Diese Kühe weiden  auf einem Grundstück innerhalb des Manoki-Indianergebietes im Bundesstaat Mato Grosso im brasilianischen Amazonasgebiet, August 2019.© Marizilda Cruppe/Amnesty International
Diese Kühe weiden auf einem Grundstück innerhalb des Manoki-Indianergebietes im Bundesstaat Mato Grosso im brasilianischen Amazonasgebiet, August 2019. © Marizilda Cruppe/Amnesty International

Brasilien Illegale Rinderfarmen zerstören Amazonas-Regenwald

Medienmitteilung 26. November 2019, London/Bern – Medienkontakt
Die Viehzucht ist der häufigste Grund für illegale Landnahmen in Reservaten und indigenen Gebieten in der brasilianischen Amazonasregion. Sie trägt so zur Entwaldung bei und sorgt dafür, dass die Rechte dort lebender indigener und anderer traditioneller Gemeinschaften verletzt werden.

«Illegale Rinderhaltung hat den grössten Anteil an der Abholzung im Amazonasgebiet. Sie stellt eine äusserst reale Gefahr dar, nicht nur für die Menschenrechte dort lebender indigener und traditioneller Gemeinschaften, sondern auch für das gesamte Ökosystem unseres Planeten», so Richard Pearshouse, leitender Krisen- und Umweltexperte bei Amnesty International anlässlich der Veröffentlichung des Berichts «Fence off and bring cattle».

Rund zwei Drittel der zwischen 1988 und 2014 abgeholzten Gebiete des Amazonas wurden abgezäunt, niedergebrannt und in Weideland umgewandelt.

Rund zwei Drittel der zwischen 1988 und 2014 abgeholzten Gebiete des Amazonas wurden abgezäunt, niedergebrannt und in Weideland umgewandelt. Mit fast 500'000 km2 entspricht diese Fläche der fünffachen Grösse Portugals. Amnesty International hat 2019 fünf der Schutzgebiete im brasilianischen Amazonasgebiet besucht: die indigenen Gebiete Karipuna und Uru-Eu-Wau-Wau, die Reservate Rio Ouro Preto und Rio Jacy-Paraná (im Bundesstaat Rondônia) und das Gebiet der indigenen Manoki (im Bundesstaat Mato Grosso).

Einschüchterung durch bewaffnete Eindringlinge

Offizielle Daten, Satellitenbilder und Besuche von Amnesty International vor Ort zeigen, dass illegale Landnahmen, meist in Zusammenhang mit Rinderfarmen, in allen fünf Gebieten zunehmen.

Angehörige der indigenen Gemeinschaften und traditionellen Gemeinden berichteten, dass diese neuen Invasionen oft von Gewalt, Drohungen und Einschüchterungsversuchen begleitet wurden.

Angehörige der indigenen Gemeinschaften und traditionellen Gemeinden in vier der fünf Schutzgebiete berichteten Amnesty International, dass diese neuen Invasionen oft von Gewalt, Drohungen und Einschüchterungsversuchen begleitet wurden. Am fünften Ort, dem Reservat Rio Jacy-Paraná, wurden inzwischen praktisch alle ursprünglichen Bewohner vertrieben. Sie trauen sich nicht zurückzukehren, weil auf ihrem Land jetzt bewaffnete Eindringlinge von der Rinderzucht leben.

Viehzüchter und Grileiros – Privatpersonen, die sich illegal Land aneignen – folgen einer weit verbreiteten Vorgehensweise zur Umwandlung tropischen Regenwaldes in Weideland. Waldflächen werden gekennzeichnet, Bäume gefällt, dann wird Feuer gelegt (oft mehrfach im gleichen Gebiet), um auf dem Brachland anschliessend Weidegras für Rinder zu säen.

Drohnenaufnahmen zeigen entsprechende Aktivitäten im indigenen Gebiet der Manoki in Mato Grosso.

Unterstützung für illegale Rinderfarmen

Die Recherchen von Amnesty International zeigen nicht nur, dass die Regierung von Präsident Bolsonaro die Mittel für die Umwelt- und Indigenenschutzbehörden gekürzt hat und deren Arbeit anderweitig untergräbt, sondern auch, dass einige bundesstaatliche Behörden die Rinderhaltung in Schutzgebieten fördern.

«Die Öffentlichkeit hat ein Recht, mehr über Rinderfarmen in geschützten Gebieten zu erfahren – schliesslich handelt es sich dabei um eine kriminelle Aktivität. Die brasilianischen Behörden müssen diese Informationen öffentlich verfügbar machen und angemessene Massnahmen ergreifen, um illegalen Rinderfarmen in geschützten Gebieten ein Ende zu setzen», so Richard Pearshouse.

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