Sicherheitskräfte Myanmars begleiten hinduistische DorfbewohnerInnen zu Massengräbern, in welchen ihre Verwandten begraben wurden. Die Leichen von 45 Personen aus Ah Nauk Kha Maung Seik (in Maungdaw Township, Rakhine State) wurden Ende September 2017 in vier Massengräbern ausgegraben. Die Opfer gehören zu den  100 Menschen, die bei zwei Massakern der Arakan Rohingya Salvation Army (ARSA) am 25. August 2017 getötet wurden. © Privat
Sicherheitskräfte Myanmars begleiten hinduistische DorfbewohnerInnen zu Massengräbern, in welchen ihre Verwandten begraben wurden. Die Leichen von 45 Personen aus Ah Nauk Kha Maung Seik (in Maungdaw Township, Rakhine State) wurden Ende September 2017 in vier Massengräbern ausgegraben. Die Opfer gehören zu den 100 Menschen, die bei zwei Massakern der Arakan Rohingya Salvation Army (ARSA) am 25. August 2017 getötet wurden. © Privat

Myanmar Massaker durch bewaffnete Rohingya-Gruppierung

Medienmitteilung 23. Mai 2018, Yangon/Bern – Medienkontakt
Eine mit Messern und Gewehren bewaffnete Gruppierung von Rohingya-Kämpfern ist für ein oder vielleicht auch zwei Massaker an 99 hinduistischen Frauen, Kindern und Männern und weitere aussergerichtliche Hinrichtungen und Verschleppungen in hinduistischen Dörfern verantwortlich. Diese Verbrechen wurden im August 2017 begangen, wie eine Untersuchung von Amnesty International im Bundesstaat Rakhine in Myanmar nun belegen kann.

Dutzende Befragungen in Rakhine und in grenznahen Gebieten in Bangladesch sowie von Gerichtsmedizinern ausgewertete fotografische Beweise haben ans Licht gebracht, dass Kämpfer der Rohingya Salvation Army (ARSA) mit diesen brutalen Angriffen Angst und Schrecken unter den Hindus und anderen ethnischen Gemeinschaften verbreitet haben.

«Unsere jüngste Recherche vor Ort hat dieses dunkle Kapitel von weitgehend unbemerkten Menschenrechtsverletzungen der ARSA im nördlichen Bundesstaat Rakhine endlich ans Licht gebracht», sagt Tirana Hassan, Amnesty-Direktorin für Crisis Response.

«Es ist fast unmöglich, die unglaubliche Brutalität im Vorgehen der ARSA zu ignorieren, die bei den Überlebenden der Massaker, mit denen Amnesty sprechen konnte, zu unauslöschlichen Erinnerungen geführt hat. Die Verantwortlichen dieser Grausamkeiten müssen genauso zur Rechenschaft gezogen werden wie die Militärs von Myanmar verurteilt werden müssen für ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit an den Rohingya».

Unabhängige Untersuchungen benötigt

«Nach den schrecklichen Angriffen der ARSA folgten die ethnischen Säuberungen des Myanmar-Militärs gegen die Rohingya. Beide müssen dafür verurteilt werden. Menschenrechtsverletzungen der einen Seite rechtfertigen niemals Verletzungen durch die andere Seite», sagt Tirana Hassan. «Alle Überlebenden und die Familien der Opfer haben ein Recht auf Gerechtigkeit, Wahrheit und Wiedergutmachung für den immensen Schaden, den sie erlitten haben.»

Bei einem Treffen des Uno-Sicherheitsrates vergangene Woche kritisierte der ständige Vertreter Myanmars einige VertreterInnen der Vereinten Nationen, weil sie nur «eine Seite» angehört und die von ARSA begangenen Übergriffe nicht anerkannt hätten.

«Die Regierung Myanmars kann die internationale Gemeinschaft nicht einseitig kritisieren und gleichzeitig den Zugang zum Bundesstaat Rakhine verweigern. Das volle Ausmass der Menschenrechtsverletzungen der ARSA und des Militärs in Myanmar wird erst bekannt sein, wenn unabhängige Ermittlerinnen und Ermittler einschliesslich jene der Vereinten Nationen vollen und uneingeschränkten Zugang zum Rakhine-Staat erhalten», sagt Tirana Hassan.

Über die Verbrechen der Armee Myanmars an den Rohingya hat Amnesty ausführlich berichtet, zuletzt hier.