Amnesty International hat mit 132 Arbeitern gesprochen, die am Khalifa-Stadion in Katars Hauptstadt Doha arbeiten. © Getty Images
Amnesty International hat mit 132 Arbeitern gesprochen, die am Khalifa-Stadion in Katars Hauptstadt Doha arbeiten. © Getty Images

Katar: Missbrauch von Arbeitern für die WM 2022 Die hässliche Seite des schönen Spiels

Medienmitteilung 31. März 2016, London/Bern – Medienkontakt
Systematische Ausbeutung bis hin zur Zwangsarbeit: In einem neuen Bericht legt Amnesty International den Missbrauch von Arbeitsmigranten für das Khalifa International Stadion in Doha dar, welches für die Fussball-WM 2022 gebaut wird.

Der Bericht Die hässliche Seite des schönen Spiels: Die Ausbeutung von Arbeitern in Katar für die WM 2022 verurteilt die schockierende Gleichgültigkeit der FIFA gegenüber der haarsträubenden Behandlung von Arbeitsmigranten in Katar. Der Bericht basiert auf Interviews mit 132 Bauarbeitern, die am Khalifa-Stadion arbeiten, sowie mit 99 Arbeitern, die die Umgebung des Aspire Zone Sport Komplex‘ begrünen. Das Khalifa-Stadion soll das erste für die WM fertiggestellte Stadion sein, hier soll einer der beiden Halbfinals 2022 stattfinden. «Für die Spieler wie für die Fans ist ein WM-Stadion ein Ort der Träume. Für viele der Arbeiter, mit welchen wir gesprochen haben, ist es aber ein Albtraum», sagt Salil Shetty, Generalsekretär von Amnesty International.

 
Schwerwiegende Missbräuche bis hin zu Zwangsarbeit

Jeder der Arbeitsmigranten, die mehrheitlich aus Bangladesch, Indien und Nepal stammen und mit welchen Amnesty zwischen Februar und Mai 2015 sprach, berichtete von Missbräuchen der einen oder anderen Art. Dazu gehören:

  • heruntergekommene und überfüllte Unterkünfte,
  • die Bezahlung von hohen Gebühren an die Job-Vermittler in den Heimatländern (500 bis 4300 US-Dollar),
  • Täuschung über den Lohn oder die Art der Arbeit,
  • monatelang ausbleibende Lohnzahlungen,
  • keine Erneuerung der Niederlassungsbewilligung durch die Arbeitgeber,
  • Konfiszierung der Pässe durch die Arbeitgeber und Nicht-Ausstellung von Ausreisebewilligungen, weshalb die Betroffenen das Land nicht verlassen konnten,
  • Drohungen bei Kritik an den Arbeitsbedingungen.

 Amnesty International fand auch Beweise, wonach Arbeitsleistungen erpresst und Löhne zurückbehalten wurden. Arbeiter wurden der Polizei übergeben oder an der Ausreise gehindert. Nach internationalem Recht wird dies als Zwangsarbeit angesehen.

Druck der Sponsoren und der FIFA nötig

Das für die Organisation der WM zuständige katarische Komitee hat 2014 Sozialstandards für die Bauarbeiter der Stadien veröffentlicht. «Das Komitee hat aber Mühe, diese Standards durchzusetzen. In einem Umfeld, in welchem die katarische Regierung nicht handelt und die FIFA gleichgültig bliebt, wird eine WM ohne weitere Missbräuche nahezu unmöglich», so Shetty.

Amnesty International ruft die wichtigsten WM-Sponsoren wie Adidas, Coca-Cola und McDonald‘s dazu auf, Druck auf die FIFA auszuüben, damit diese die Ausbeutung der Arbeiter im Khalifa-Stadion thematisiert und Pläne zur Verhinderung weiterer Missbräuche bei WM-Projekten erarbeitet. Die FIFA muss Katar dazu drängen, einen umfassenden Reformplan zu präsentieren, und zwar vor dem Höhepunkt der Bautätigkeiten Mitte 2017.

«Die WM durchführen zu dürfen, hat Katar zu einer Elite-Destination für die grössten Fussballclubs der Welt gemacht. Aber der Weltfussball darf nicht wegschauen, wenn es zu Missbräuchen kommt», sagt Salil Shetty. «Wenn die neue Führung der FIFA wirklich ein neues Kapitel aufschlagen will, kann sie nicht ihren grössten Prestigeanlass auf der Ausbeutung von Arbeitsmigranten aufbauen. Es ist Zeit, dass die Grössen des Weltfussball, Top-Verbände wie Bayern München oder PSG oder die Sponsoren Stellung beziehen.»