Umzug von LGBTI-AktivistInnen am Weltsozialforum in Tunis im März 2015 © Grassroots Global Justice Alliance
Umzug von LGBTI-AktivistInnen am Weltsozialforum in Tunis im März 2015 © Grassroots Global Justice Alliance

Tunesien Homophobie und staatlich geförderte Diskriminierung von LGBTI

17. Mai 2016
Auch fünf Jahre nach dem Sturz des Regimes Ben Ali spüren LGBTI in Tunesien nichts von einem «Arabischen Frühling»: Das Strafgesetz verbietet gleichgeschlechtliche Beziehungen weiterhin, und LGBTI sind Gewalt und weitreichenden Diskriminierungen ausgesetzt.

Marwan (Name geändert), ein 22-jähriger Student aus der Stadt Sousse, wurde im September 2015 wegen gleichgeschlechlicher Beziehungen zu einem Jahr Haft verurteilt. Zuvor musste er sich - als «Beweis», dass er Analsex gehabt hatte - zwangsweise einer erniedrigenden Untersuchung im Analbereich unterziehen. Sein Fall könnte einen Wendepunkt darstellen: Noch nie gab es in Tunesien eine vergleichbare öffentliche Kampagne für die Rechte von LGBTI.

Im neuen Kurzbericht «I am not a monster. State-entrenched discrimination and homophobia in Tunisia» dokumentiert Amnesty International Homophobie und staatlich geförderte Diskriminierung gegen Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transgender und Intersex (LGBTI) in Tunesien: So belegt Artikel 230 des Strafgesetzes gleichgeschlechtliche Beziehungen mit bis zu drei Jahren Haft, und Artikel 226 zum «Schutz der öffentlichen Moral» wird regelmässig gegen LGBTI angewendet. In diesem Zusammenhang führten die Untersuchungsorgane wiederholt zwangsweise Untersuchungen zum «Beweis» von Analsex durch, was für Amnesty eine Art von Folter und erniedrigender Behandlung darstellt. Homphobe Aussagen von tunesischen Offiziellen fördern ein Klima von Gewalt und allgemeiner Diskriminierung gegenüber von LGBTI.

Amnesty International fordert von der tunesischen Regierung die Streichung des Artikels 230 des Strafgesetzes, ein Verbot der erniedrigenden Untersuchungen im Analbereich und öffentliche Stellungnahmen gegen die Gewalt an LGBTI.