Der offene Brief, koordiniert von Swiss Healthcare Workers Against Genocide, Amnesty International Schweiz, medico international schweiz und Médecins du Monde Schweiz, stützt sich unter anderem auf den Gefängnisbesuch des Anwalts Nasser Odeh von Physicians for Human Rights Israel am 2. Juli 2026. Bei diesem Besuch stellte Odeh zahlreiche Blutergüsse sowie Folterspuren am Kopf und Körper von Dr. Hussam Abu Safiya fest. Seinen Mandanten beschrieb er als extrem geschwächt und kurz davor, das Bewusstsein zu verlieren. Gemäss Odehs Bericht sagte Dr. Abu Safiya: «Das ist das letzte Mal, dass du mich siehst. Sie haben mich hierhergebracht, um mich zu töten.»
Die unterzeichnenden Gesundheitsfachpersonen betonen, dass der Fall von Dr. Hussam Abu Safiya kein Einzelfall ist. Nach Angaben von Healthcare Workers Watch wurden seit Oktober 2023 mehr als 400 palästinensische Gesundheitsfachpersonen willkürlich von Israel inhaftiert; 83 von ihnen befinden sich noch immer in Haft. Die Unterzeichnenden befürchten, dass Dr. Abu Safiya dasselbe Schicksal erleiden könnte wie Dr. Adnan Al-Bursh und andere Ärztinnen und Ärzte, die in israelischer Haft ums Leben gekommen sind.
Die Organisationen, die den offenen Brief unterstützen, erinnern zudem daran, dass die Inhaftierung von Gesundheitsfachpersonen Teil der umfassenden Zerstörung des Gesundheitssystems im Gazastreifen ist. Den im Brief zitierten Informationen zufolge wurden seit Oktober 2023 mehr als 1'700 Mitarbeitende des Gesundheitswesens getötet, und sämtliche Spitäler im Gazastreifen wurden beschädigt oder zerstört. Nach Auffassung der Organisationen dienen die Verhaftungen von Gesundheitsfachpersonen auch dazu, direkte Zeuginnen und Zeugen schwerer Menschenrechtsverletzungen zum Schweigen zu bringen und deren Dokumentation zu verhindern. Im Zusammenhang mit dem umfassenderen Vorgehen Israels im Gazastreifen sehen sie darin Hinweise auf eine genozidale Absicht.
Der Appell richtet sich insbesondere an Ignazio Cassis – nicht nur als Vorsteher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), sondern auch als ausgebildeten Arzt und Spezialisten für Public Health. Nach Ansicht der Unterzeichnenden trägt er eine besondere Verantwortung, wenn ein Berufskollege willkürlich inhaftiert, gefoltert und medizinisch unzureichend versorgt wird.
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«Für viele von ihnen kommt jede Hilfe bereits zu spät. Doch ein entschlossenes Eingreifen heute könnte das Leben von Dr. Hussam Abu Safiya noch retten.»
Die Unterzeichnenden fordern den Bundesrat auf,
- öffentlich die sofortige Freilassung von Dr. Hussam Abu Safiya zu verlangen und alle diplomatischen und politischen Mittel einzusetzen, um seine Freilassung zu erreichen;
- den unverzüglichen Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung sowie zu Besuchen durch unabhängige Beobachterinnen und Beobachtern, insbesondere des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), zu verlangen;
- sich aktiv für die Einhaltung des humanitären Völkerrechts und der Menschenrechte im besetzten palästinensischen Gebiet einzusetzen und internationale Mechanismen zur Rechenschaft für Verstösse gegen das Völkerrecht zu unterstützen.
Die Unterzeichnenden betonen: «Die Angriffe auf unsere palästinensischen Kolleginnen und Kollegen erschüttern uns zutiefst. Für viele von ihnen kommt jede Hilfe bereits zu spät. Doch ein entschlossenes Eingreifen heute könnte das Leben von Dr. Hussam Abu Safiya noch retten.»