© Amnesty International (Bild Basis: pixabay)
Offen
Urgent Action − Myanmar

Grosse Sorge um gefolterten ehemaligen Politiker

Am 1. Februar 2021 wurde der damalige Regierungschef des Shan-Staats in Myanmar, Linn Htut, im Rahmen eines Militärputsches bei einer landesweiten Razzia gegen hochrangige Regierungsangehörige festgenommen. Nachdem man ihn Berichten zufolge gefoltert und Schlafentzug, Isolationshaft und unfairen Gerichtsverfahren ausgesetzt hatte, wurde Linn Htut auf der Grundlage konstruierter Anklagen wegen Korruption und Wahlbetrugs zu insgesamt 20 Jahren Haft und Zwangsarbeit verurteilt. Im Februar 2025 erklärte die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierung die Inhaftierung von Linn Htut für willkürlich und forderte seine sofortige Freilassung. Angesichts von 1’800 gemeldeten Todesfällen in Haft in Myanmar innerhalb von drei Jahren ist Linn Htut in grosser Gefahr. Der 65-Jährige leidet an mehreren chronischen Erkrankungen, die durch jahrelange Folter und schlechte Haftbedingungen noch verschlimmert wurden. Das Militär in Myanmar muss Linn Htut umgehend und bedingungslos freilassen.

Update

3. Februar 2026: Da sich die Situation nicht verbessert hat und weiterhin grosse Sorge um Linn Htut besteht, verlängern wir die Frist vorläufig auf den 3. August 2026.

Jetzt mitmachen

Setzen Sie sich für Linn Htut ein: 
Senden Sie einen Appellbrief per E-Mail oder über das Online-Formular und tweeten/posten Sie in den sozialen Medien.
Postversand bei dieser UA leider nicht möglich.

Mitmachen bis 3. August 2026

Briefvorlagen

Adressen

Die Zielperson erreichen Sie am besten per E-Mail oder über das Online-Formular. Beachten Sie, dass es ausser der unten aufgeführten keine öffentlich zugängliche Adresse gibt. Daher wird von Briefen per Post abgeraten.

Hinweis: Wir verwenden keine Anrede für die Zielperson dieser Aktion (Min Aung Hlaing). Ausserdem verwenden wir nur die Bezeichnung "Myanmars Militärjunta", da wir diese Organisation nicht als Regierung anerkennen.

Chef der Militärregierung:
Min Aung Hlaing
Head of Myanmar’s military junta
Naypyidaw, Myanmar

E-Mail: sacministry1234@gmail.com
Online form: https://sacministry.gov.mm/en/contact-us
Beachten Sie, dass das Formular nach einer E-Mail-Adresse und einer Handynummer fragt. Wir empfehlen Ihnen die Verwendung/Angabe von "Dummy"-E-Mail-Adressen und -Nummern und nicht Konten/Nummer, die Sie persönlich und tatsächlich nutzen. Beachten Sie ausserdem, dass das Formular die Handynummer in der korrekten Form verlangt, d. h. 09 gefolgt von einem Bindestrich (-) und neun Ziffern.
Zusätzliche Kontakte zum Versenden eines Appellbriefs per E-Mail:
Myanmar Prisons Department: webadmin@myanmarprisonsdepartment.org
Myanmar National Human Rights Commission: info@mnhrc.org.mm

Kopien an 

Ambassade de la République de l'Union du Myanmar
Avenue Blanc 47
1202 Genève
Fax: 022 732 89 19 ; 022 732 73 77
E-Mail: mission@myanmargeneva.org

Social Media Guide

Suggested messages:

Detained former govt official #LinnHtut was tortured & sentenced to 20 years in prison over trumped-up charges. Myanmar military junta must release him now. #FreeLinnHtut #MinAungHlaing

Tortured and locked up for refusing to support the military, #LinnHtut has been detained since 2021 over trumped-up charges. Myanmar military junta must release him now. #FreeLinnHtut #MinAungHlaing

In the 4 years he’s been detained for refusing to support the military, former govt official #LinnHtut has seen his family only once in a 15-minute visit. Myanmar military junta must release him now. #FreeLinnHtut #MinAungHlaing

Hintergrund

Die Lage des ehemaligen Regierungschefs des burmesischen Shan-Staats, Linn Htut, gibt Anlass zur Sorge. Linn Htut befindet sich derzeit in Haft, weil er eine 20-jährige Freiheitsstrafe auf der Grundlage konstruierter Anklagen verbüsst. Sein Gesundheitszustand hat sich verschlechtert und er ist Menschenrechtsverletzungen wie Isolationshaft und Folter ausgesetzt. Linn Htut musss umgehend und bedingungslos freigelassen werden und in der Zwischenzeit die notwendige medizinische Versorgung erhalten. Die Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für willkürliche Inhaftierungen hat festgestellt, dass die Inhaftierung von Linn Htut willkürlich ist, da sie auf einem Geständnis basiert, das ihm durch Folter wie Schlafentzug und stundenlange Verhöre abgerungen wurde. Seine Entführer*innen sollen ihm gesagt haben, dass er freigelassen würde, wenn er sich bereit erkläre, die Militärherrschaft zu unterstützen, was er jedoch ablehnte. Dies deutet darauf hin, dass Linn Htut ausschliesslich wegen seiner politischen Position als Regierungschef des Shan-Staats und wegen seiner Zugehörigkeit zur Partei National League for Democracy (NLD) ins Visier genommen wurde.

Der mittlerweile 65-jährige Linn Htut leidet an verschiedenen Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck. Er ist insbesondere aufgrund der schlechten und unhygienischen Bedingungen in Haftanstalten erheblichen Gesundheitsrisiken ausgesetzt.

Verstärkt wird die Sorge um Linn Htut noch durch einen Bericht des UN-Hochkommissars für Menschenrechte vom September 2024. Darin wird festgestellt, dass in Myanmar zwischen Februar 2021 und Juni 2024 mindestens 1’800 Menschen in Haft gestorben sind. Unter ihnen befanden sich der NGO Political Prisoners Network-Myanmar zufolge mindestens 130 politische Gefangene, die seit dem Putsch von 2021 aufgrund von Menschenrechtsverletzungen bei Verhören, anderen Misshandlungen oder der Verweigerung einer angemessenen medizinischen Versorgung gestorben sind. Die Menschenrechtsorganisation ASEAN Parliamentarians for Human Rights erklärte die fortgesetzte Inhaftierung politischer Gefangener in Myanmar zum «Schandfleck für unser regionales Gewissen».

Linn Htut war zum Zeitpunkt seiner Festnahme am 1. Februar 2021 Regierungschef des Shan-Staates für die Partei National League for Democracy (NLD) in zweiter Amtszeit. Als er in der Gouverneursresidenz in Taunggyi festgenommen wurde, legte man ihm weder einen Haftbefehl vor noch nannten die Sicherheitskräfte den Grund für seine Festnahme, bevor man ihn in eine Militärkaserne brachte. Am folgenden Tag wurde er in die Residenz zu-rückgebracht und zusammen mit seiner Familie für eine Woche unter Hausarrest gestellt. Am 10. Februar 2021 brachte ihn das Militär erneut gewaltsam in eine geheime Haftanstalt in Taunggyi, der Hauptstadt des Shan-Staates, wo er bis Juli 2021 ohne Kontakt zur Aussenwelt festgehalten wurde.

Laut der Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für willkürliche Inhaftierungen ist Linn Htut ein «angesehener politischer Führer, der sich für die Entwicklung der Gemeinschaft engagiert, Hilfskampagnen geleitet und Spenden für wohltätige Zwecke gesammelt hat».

Die Arbeitsgruppe stellte ferner fest, dass Linn Htut ihrer Quelle zufolge im Mai 2021 gefoltert und anderweitig misshandelt wurde. Dabei soll ihm ein Militärangehöriger des Shan-Staates gesagt haben, dass er aus der Haft entlassen würde, wenn er sich bereit erklärte, das Militärregime zu unterstützen und sich diesem anzuschliessen. Dies habe Linn Htut jedoch abgelehnt. Anschliessend wurde er Berichten zufolge gefoltert, um ein falsches Geständnis wegen Korruption zu erzwingen, und zwei Wochen lang Schlafentzug ausgesetzt sowie stundenlangen Verhören ohne Rechtsbeistand oder Pause unterzogen.

Im Juli 2021 wurde er in das Staatsgefängnis von Nyaung Shwe verlegt, wo er in Isolationshaft gehalten und daran gehindert wurde, mit anderen politischen Gefangenen zu sprechen. Ausserdem soll seine Zelle von Ratten und Ameisen befallen gewesen sein.

Im August 2021 begann der Prozess gegen Linn Htut in einem provisorischen Gerichtsgebäude neben dem Staatsgefängnis, zu dem weder seine Familie noch die Medien Zugang hatten. Während der tagelangen Verhandlungssitzungen erhielt er weder Essen noch Wasser, und er wurde nachts verhört. Zwischen Januar und November 2022 wurde Linn Htut von mindestens zwei Gerichten auf der Grundlage konstruierter Anklagen wegen Korruption, Wahlbetrugs und der Beteiligung an Wahlkampagnen zu insgesamt 20 Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt.

Im Dezember 2022 wurde er in das berüchtigte Tharyarwaddy-Gefängnis in der Bago-Region verlegt, wo er derzeit seine Haftstrafe verbüsst. Linn Htut leidet unter mehreren gesundheitlichen Problemen, darunter Herzrhythmusstörungen, Diabetes und Bluthochdruck sowie Durchfall und Schmerzen in der Achillessehne, für die er Berichten zufolge keine angemessene medizinische Behandlung erhält. Seit seiner Festnahme wurde ihm lediglich ein viertelstündiger Besuch seiner Familie im Tharyarwaddy-Gefängnis gewährt.

Im September 2024 veröffentlichte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte einen Bericht zur Lage der Menschenrechte in Myanmar seit dem Militärputsch im Februar 2021. In dem Bericht wurde u. a. hervorgehoben, dass mindestens 27’400 Personen festgenommen wurden und mindestens 1’853 Menschen – darunter 88 Kinder und 125 Frauen – in Haft starben, nachdem sie Menschenrechtsverletzungen bei Verhören oder anderen Misshandlungen in Haft ausgesetzt waren oder ihnen eine angemessene medizinische Versorgung verweigert wurde. Der Bericht betonte auch die «weite Verbreitung» von Folter und andere Misshandlungen in militärischer Haft. Dazu gehöre neben anderen brutalen Methoden, dass Häftlinge «ohne Nahrung und Wasser an der Decke aufgehängt werden, gezwungen werden, auf harten oder scharfen Gegenständen zu knien oder zu kriechen, ihnen mit Schlangen und Insekten Angst eingejagt wird, dass sie geschlagen werden … und ihnen Körperteile abgeschnitten werden». Es gab auch Berichte über sexualisierte Gewalt.

Im Juli 2025 forderte die Menschenrechtsorganisation ASEAN Parliamentarians for Human Rights die Staats- und Regierungschef*innen der Region auf, die unmittelbare Freilassung politischer Gefangener ganz oben auf ihre Agenda zu setzen, und bezeichnete deren andauernde Inhaftierung als «Schandfleck auf dem Gewissen unserer Region». Einem Bericht der NGO Political Prisoners Network-Myanmar zufolge starben im gleichen Jahr mindestens 31 politische Gefangene in den Gefängnissen der Militärregierung an den Folgen einer schlechten medizinischen Versorgung und unmenschlichen Behandlung. Nach ihren Angaben starben darüber hinaus nach dem Erdbeben mit einer Stärke von 7,7, das Myanmar am 28. März 2025 heimsuchte, mindestens 70 Häftlinge, darunter 49 politische Gefangene, im Obo-Gefängnis in der Mandalay-Region.

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Myanmar: Systematic denial of healthcare leading to alarming number of deaths in custody (Amnesty UK, 5 August 2025)

Myanmar: Amnesty International oral statement at the Fifty-ninth regular session of the UN Human Rights Council, 16 June – 9 July 2025 (Amnesty UK, 30 June 2025)

ASEAN Foreign Ministers Must Act Now to Free Myanmar’s Political Prisoners, Say Southeast Asian MPs (APHR, July 02, 2025)
'The World is Doing Nothing.' A Myanmar Artist’s Daring Mission to Tell the Story of His Father and Their Country’s Suffering (TIME, March 14, 2022)
A Burmese Artist Is Using His Work to Demand the World Pay Attention to Myanmar’s Political Prisoners. One of Them Is His Father (artnet, March 17, 2022)

Details

UA-Nummer:
Erscheinungsdatum | Aktualisiert am:
Index:
UA 080/25
22.08.2025 | 03.02.2026
ASA 16/0219/2025
Voraussichtlich mitmachen bis: 3. August 2026
Ganze Urgent Action (Word): deutsch
english
Nur der Modellbrief (Word): deutsch
english

Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.

English version

Grave concerns for tortured ex-politician

While serving as Myanmar’s Shan State Chief Minister, Linn Htut was arrested on 1 February 2021 as part of a nationwide clampdown on senior government officials during a military coup. After he was reportedly tortured and subjected to sleep deprivation, solitary confinement and unfair trials, Linn Htut was sentenced to a total of 20 years in prison with hard labour over trumped-up charges of corruption and electoral fraud. In June 2025, the UN Working Group on Arbitrary Detention determined that Linn Htut’s detention is arbitrary and called for his immediate release. With 1’800 deaths in custody reported in Myanmar over a three-year period, there are dire concerns for the life of Linn Htut, who at 65 years of age faces multiple chronic medical conditions made worse by years of torture and poor conditions while in custody. We call on the Myanmar military to immediately and unconditionally release Linn Htut.

Linn Htut was serving his second term as the appointed Chief Minister of Shan State from the National League for Democracy (NLD) Party at the time of his arrest on 1 February 2021 at the Governor’s Residence in Taunggyi in Shan State. He was reportedly not presented with an arrest warrant nor the reason for his arrest and was brought to a military compound. The following day, he was returned to his residence and placed under house arrest – along with his family - for a week. On 10 February 2021, he was again forcibly taken away by the military to a secret detention centre in Taunggyi, the capital of Shan State, where he was held incommunicado until July 2021.

According to the UN Working Group on Arbitrary Detention, Linn Htut is a «well-respected leader who engaged in community development, led aid campaigns and raised funds for charities».

The Working Group further noted that according to its source, Linn Htut was tortured and otherwise ill-treated in May 2021, during which a Shan State military officer reportedly told him that he would be re-leased from detention if he agreed to support and join the military regime, which he refused. He was then reportedly tortured to extract a false confession of corruption and was subjected to sleep deprivation for two weeks and to continuous hours of interrogations without any legal representation or breaks.

In July 2021, he was transferred to Nyaung Shwe State Prison where he was held in solitary confinement and allegedly prevented from speaking with other political prisoners. His cell was also reported to be infested by rats and ants.

In August 2021, Linn Htut’s trial began in a temporary courthouse next to the state prison, in proceedings inaccessible to his family and the media. During his day-long trial sessions went he went without food or water, and he was interrogated at night. Between January and November 2022, at least two courts sentenced Linn Htut to a total of 20 years in prison with hard labour, over trumped-up charges of corruption, electoral fraud and engaging in campaigning.

In December 2022, he was transferred to Bago Region’s notorious Tharyarwaddy Prison, where he is currently being held to serve his sentence. Linn Htut has multiple health concerns, including arrhythmia, diabetes and hypertension, as well as bouts of diarrhoea and Achilles’ tendon pain, for which he reportedly did not received adequate medical treatment. Since his arrest, he has only been allowed one 15-minute family visit at Tharyarwaddy Prison.

In September 2024, the UN High Commissioner for Human Rights published a report on the human rights situation in Myanmar since the February 2021 military coup. The report highlighted, among others, that at least 27’400 individuals have been arrested, and at least 1’853 people – including 88 children and 125 women – have died in custody after being subjected to abusive interrogation, other ill-treatment in detention, or denial of access to adequate healthcare. The report also emphasised the «pervasive» torture and other ill-treatment in military custody, including detainees «being suspended from the ceiling without food or water; being forced to kneel or crawl on hard or sharp objects; use of snakes and insects to instill fear; beatings… cutting of body parts and pulling of fingernails», among other brutal methods, as well as reports of sexual violence.

In July 2025, the ASEAN Parliamentarians for Human Rights called on regional leaders to prioritise the immediate release of political prisoners in Myanmar, stating that their continued detention is «a stain on our regional conscience». A 2024 report by the Political Prisoners Network-Myanmar said at least 31 political prisoners in the military junta’s prisons died in the same year due to poor healthcare and inhumane treatment. The group also said that following the 7.7-magnitude earthquake that hit Myanmar on 28 March 2025, at least 70 prisoners – 49 of whom were political prisoners – died at Obo Prison in Mandalay Region.

The overall situation in Myanmar remains dire, with civilian deaths reaching 7’000 and as unlawful military air strikes continue, killing civilians in classrooms, at weddings, in shelters and even during the aftermath of the earthquake.

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Please take action before 3 August 2026 (= deadline extended).

You'll find all necessary adddress- and social media information above. English model letter as a word-file.