Good News
23. Juni 2026:
Am 22. Juni wurde das staatliche Programm von Oaxaca zur Suche nach Vermissten genehmigt und damit die Hauptforderung dieser Urgent Action erfüllt.
Amnesty International wird die effektive Umsetzung des Programms und die Erfüllung der Verpflichtungen der staatlichen Behörden weiterhin überwachen, sind aber der Ansicht, dass das unmittelbare Ziel der UA erreicht wurde. Daher schliessen wir diese Briefaktion.
Wir danken allen für Ihre Unterstützung! Die nationale und internationale Mobilisierung hat zu dieser Good News beigetragen.
Hintergrund
Hintergrundinfos aus der UA vom 6. Juli 2026:
Die Behörden im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca haben es bislang versäumt, ein Programm zur Suche nach vermissten Personen (Programa de Búsqueda de Personas Desaparecidas en el Estado de Oaxaca) zu verabschieden – obwohl dieses unter massgeblicher Beteiligung von Angehörigen bereits vor über einem Jahr fertiggestellt wurde. Die vorliegende finale Fassung war zuvor in mehreren Sitzungen erarbeitet und abgestimmt worden.
Die ausbleibende Bewilligung deutet auf einen gravierenden Mangel an politischem Willen und institutionellem Engagement hin. Sie untergräbt zentrale Rechte der Betroffenen und ihrer Familien auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung – ausgerechnet in einem Kontext, in dem die Zahl der Vermissten in Oaxaca drastisch gestiegen ist: von 418 im Jahr 2022 auf 760 im Jahr 2025.
Angehörige und Suchkollektive berichten zudem wiederholt von fehlendem ernsthaftem Dialog und anhaltenden institutionellen Versäumnissen, die ihre Suche nach den Verschwundenen behindern. Ohne ein verabschiedetes Programm bleiben Suchmassnahmen zersplittert, unkoordiniert und weitgehend unwirksam, während Menschen weiterhin Opfer des Verschwindenlassens werden.
Die Verzögerung bei der Verabschiedung des Programms verstösst gegen die menschenrechtlichen Verpflichtungen Mexikos nach internationalen Menschenrechtsnormen und -standards, einschliesslich der Vorgaben der Interamerikanischen Menschenrechtskommission, die wirksame Suchmechanismen sowie den Schutz der Rechte von Opfern und ihren Angehörigen verbindlich vorsehen.
Im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca gelten nach offiziellen Angaben für 2026 insgesamt 805 Menschen als verschwunden. Daten zivilgesellschaftlicher Organisationen wie Red Lupa zeigen zudem einen deutlichen Anstieg in den vergangenen Jahren: von rund 418 Fällen im Jahr 2022 auf über 700 in den Jahren 2024/2025. Oaxaca gehört zwar weiterhin zu den Bundesstaaten mit den niedrigsten Zahlen von Verschwundenen im Vergleich zu anderen Bundesstaaten des Landes, doch ist von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen. Rund 69% der Bevölkerung von Oaxaca bezeichnen sich als indigen, 31% sprechen eine indigene Sprache und 4,7% identifizieren sich als afro-mexikanisch. In vielen dieser Gemeinden ist der Zugang zur Justiz aufgrund struktureller Hürden wie geografischer Isolation oder fehlender Dolmetscher*innen in den Staatsanwaltschaften stark eingeschränkt, was eine systematische Untererfassung nahelegt.
Die anhaltende Verzögerung bei der Verabschiedung des staatlichen Suchprogramms stellt nach vorliegenden Informationen einen Verstoss gegen das Allgemeine Gesetz über das Verschwindenlassen (Paragraf 2) sowie gegen das entsprechende Landesgesetz von Oaxaca (Paragraf 2, Abschnitte IV und V) dar. Das Programm soll Massnahmen und Strategien zur interinstitutionellen Zusammenarbeit bündeln und als zentraler Orientierungsrahmen für eine wirksame staatliche Suchpolitik dienen. Ziel ist es, die Handlungsfähigkeit der Behörden zu stärken und die Unterstützung für Familien, zivilgesellschaftliche Organisationen und die Bevölkerung insgesamt zu verbessern.
Auch nach internationalen Menschenrechtsverträgen, darunter das Internationale Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen sowie das Interamerikanische Übereinkommen über das Verschwindenlassen von Personen, ist Mexiko verpflichtet, umfassende Massnahmen zur Prävention, Aufklärung und zur Suche nach Verschwundenen zu ergreifen. Dazu gehören insbesondere gesetzgeberische, administrative und gerichtliche Schritte zur Ermittlung von Schicksal und Verbleib der Betroffenen. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission betont zudem die Pflicht der Staaten, ihre Institutionen und Mechanismen zur Suche, Lokalisierung und Identifizierung von Vermissten zu stärken, angemessen auszustatten und effektiv zu koordinieren.
Im April 2026 forderte der UN-Ausschuss gegen das Verschwindenlassen (CED) die UN-Generalversammlung auf, sich mit der Situation in Mexiko zu befassen, und verwies auf gravierende und anhaltende Defizite bei Prävention, Untersuchung und Suche. Die Sorge gilt auch Oaxaca: Das Fehlen eines bewilligten, funktionsfähigen und ausreichend finanzierten Suchprogramms beeinträchtigt die Fähigkeit des Bundesstaates erheblich, vermisste Personen zu finden und das Recht auf Wahrheit und Gerechtigkeit zu gewährleisten. Dies unterstreicht, dass umgehend institutionelle Massnahmen ergriffen und die internationalen Menschenrechtsverpflichtungen konsequent eingehalten werden müssen.
Details
| UA-Nummer: Erscheinungsdatum | Aktualisiert am: Index: |
UA 054/26 09.06.2026 | 23.06.2026 AMR 41/1055/2026 |
| Voraussichtlich mitmachen bis: | 06. Dezember 2026 |
| Ganze Urgent Action (Word): | deutsch english |
| Nur der Modellbrief (Word): | deutsch english español |
Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.
English version
State continues to fail those searching for loved ones
Authorities in Oaxaca have failed to approve a Programme for the Search for Missing Persons in the State of Oaxaca, more than a year after its completion led by the victims’ families. Without an approved programme, efforts to locate missing persons remain fragmented, uncoordinated, and ineffective. With a sharp increase in missing persons over recent years – from 418 in 2022 to 760 in 2025 – the situation in the state is critical. The delay in approval contravenes obligations of the Mexican state under international human rights law and standards, which emphasize the duty to guarantee effective search mechanisms and protect the rights of victims and their families. We demand authorities the immediate approval and implementation of the Programme.
Based on 2026 official figures, there are 805 people reported as disappeared in Oaxaca, a state in Mexico. According to data from civil society reports such as Red Lupa, numbers have been increasing in recent years, rising from about 418 cases in 2022 to over 700 by 2024–2025, showing a clear upward trend. Oaxaca is one of the states with the lowest number of disappearances compared to other states in the country. However, there is a possibility that the figures are underreported, given that in this state 69% of the population identify as indigenous, 31% speak a native language and 4.7% identify as Afro-Mexican, and that in many indigenous communities access to justice is virtually non-existent due to factors such as distance, the lack of translators in the public prosecutor’s offices, etc.
Based on information available, the delay in the approval of the State Programme for the Programme on Disappeared Persons in the State of Oaxaca constitutes a violation of the General Law on Enforced Disappearance (Art 2) and the Law on Disappearance of Persons of the State of Oaxaca (Art 2 sections IV and V). The Programme aims to implement courses of action and strategies for inter-institutional collaboration to address the issue of enforced disappearances in the state of Oaxaca. It serves as a guiding framework for state policy on the search for missing persons, with a view to improving the authorities’ ability to respond to families, civil society groups and the people of Oaxaca.
Under international treaties, such as the International Convention for the Protection of All Persons from Enforced Disappearance and the Inter-American Convention on Forced Disappearance of Persons, states are obliged to take all necessary measures to prevent, investigate and address enforced disappearances, including actions aimed at determining the fate and whereabouts of victims. Furthermore, they must adopt legislative, administrative and judicial measures. In addition, the Inter-American Commission on Human Rights has emphasised that States must strengthen the institutions and mechanisms dedicated to the search, location and identification of missing persons, ensuring that they have adequate resources and coordination to carry out systematic and effective search efforts.
In April 2026, the UN committee on UN Committee on Enforced Disappearances (CED) from the Office of the United Nations High Commissioner for Human Rights (OHCHR), requested that the UN General Assembly consider the situation of enforced disappearances in Mexico, highlighting serious and ongoing gaps in prevention, investigation, and search efforts. This concern is particularly relevant to Oaxaca, where the lack of approval and effective implementation of a state search programme has raised alarm among families and searching collectives. The absence of a fully operational and adequately funded search mechanism undermines the State’s ability to locate disappeared persons and ensure truth and justice, reinforcing the urgent need for immediate institutional action and compliance with human rights obligations.