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| Mitmachen bis 10. Dezember 2026 |
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Portokosten Postversand:
Europa: CHF 1.90
Übrige Länder: CHF 2.50
Schweiz (für Kopien an die Botschaft): A-Post CHF 1.20 / B-Post CHF 1.–
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Adressen
Monsieur le Président de la République, Emmanuel Macron
Palais de l’Élysée, 55 Rue du Faubourg Saint Honoré
75008 Paris, France
E-Mail (nur über Formular):
https://www.elysee.fr/ecrire-au-president-de-la-republique/#epr-form
Kopien an
Botschaft von Frankreich
Schosshaldenstrasse 46, 3006 Bern
Fax: 031 359 21 91
E-Mail:
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Hintergrund
Die französischen Behörden haben ein Abschiebeverfahren gegen den palästinensischen Aktivisten Ramy Shaath eingeleitet, nachdem die Präfektur von Nanterre entschieden hatte, dass seine Anwesenheit in Frankreich eine «ernste Gefahr für die öffentliche Ordnung» darstelle.
Ramy Shaath ist ein bekannter Aktivist, der von 2019 bis 2022 in Ägypten willkürlich inhaftiert war, bevor er freigelassen wurde und nach Frankreich zog. Er lebt derzeit mit seiner Frau, einer französischen Staatsbürgerin, und einer kleinen Tochter in Frankreich. Die Entscheidung, ein Abschiebeverfahren einzuleiten, ist angesichts der erheblichen menschlichen Auswirkungen äusserst bedenklich. Ramy Shaath wurde bereits während seiner langen Haft in Ägypten von seiner Frau getrennt, und mit der Abschiebung droht ihm nun die Trennung von seiner Frau und seinem kleinen Kind.
Die Ausweisungskommission des Départements Hauts-de-Seine hat in einem Gutachten der Auffassung der Präfektur Nanterre widersprochen und festgestellt, dass «die Herrn Chaat zugeschriebenen Äusserungen in Ermangelung einer strafrechtlichen Verurteilung oder eines eindeutigen Missbrauchs des Rechts auf freie Meinungsäusserung nicht als Gefahr für die öffentliche Ordnung angesehen werden können». Diese Schlussfolgerung ist zwar nicht bindend, bestätigt aber die Befürchtung, dass die Fortsetzung des Abschiebeverfahrens sein Recht auf freie Meinungsäusserung unverhältnismässig einschränken würde und mit den Menschenrechtsverpflichtungen Frankreichs unvereinbar wäre.
Die Abschiebung von Ramy Shaath könnte auch gegen den Grundsatz der Nichtzurückweisung verstossen. Dieser verbietet es Staaten, Menschen an einen Ort zu überstellen, an dem ihnen nachweislich schwere Menschenrechtsverletzungen oder andere nicht wiedergutzumachende Schäden wie Verfolgung, Folter oder andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe drohen würden. Ausserdem wäre eine solche Massnahme ein unverhältnismässiger Eingriff in sein Recht auf Privat- und Familienleben, da er ein Familienleben in Frankreich führt.
Ramy Shaath ist ein palästinensischer Aktivist, gegen den in Frankreich ein Abschiebeverfahren läuft, weil er eine «ernsthafte Gefahr für die öffentliche Ordnung» darstellen soll.
Er lebt derzeit mit seiner Frau, einer französischen Staatsbürgerin, und einer kleinen Tochter in Frankreich. Er ist seit September 2023 ohne gültige Aufenthaltserlaubnis in Frankreich, nachdem es Schwierigkeiten bei der Verlängerung seines ursprünglichen befristeten Status gab. Seitdem bemüht er sich auf administrativem und juristischem Weg um die Legalisierung seines Einwanderungsstatus.
Das Abschiebeverfahren gegen Ramy Shaath wurde am 30. April von der Präfektur des Departements Hauts-de-Seine in Nanterre, die in ihrem Zuständigkeitsbereich für Einwanderungs- und Aufenthaltsfragen zuständig ist, mit der Begründung eingeleitet, dass seine öffentliche Meinungsäusserung, sein politischer Aktivismus und sein Zusammenschluss mit mehreren Organisationen und Kollektiven zum Thema Palästina nach ihrer Einschätzung eine Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellten. Im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen wurde jedoch bislang keine strafrechtliche Anklage gegen ihn erhoben.
Am 21. Mai gab die Ausweisungskommission des Departements Hauts-de-Seine, ein aus drei Richter*innen bestehendes Beratungsgremium, das geplante Abschiebungen ausländischer Staatsangehöriger prüft, eine förmliche Stellungnahme gegen die geplante Abschiebung von Ramy Shaath ab. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass seine Äusserungen keine Bedrohung für die öffentliche Ordnung darstellen, da keine strafrechtliche Verurteilung oder ein eindeutiger Missbrauch des Rechts auf freie Meinungsäusserung vorliegt. Ausserdem stellte sie fest, dass seine Abschiebung einen unverhältnismässigen Eingriff in sein Recht auf Familienleben und das Wohl seiner Tochter, die die französische Staatsbürgerschaft besitzt, darstellen würde. Die Stellungnahme der Kommission hat jedoch beratenden Charakter und ist für die französischen Behörden nicht bindend. Zwar ist noch kein Abschiebungsbefehl ergangen, doch das Verfahren läuft weiter. Da noch keine endgültige Abschiebungsentscheidung getroffen wurde, kann Ramy Shaath die Massnahme derzeit nicht vor Gericht anfechten. Solange die Behörden das Verfahren nicht förmlich einstellen oder einen Abschiebungsbefehl erlassen, ist es für Ramy Shaath ungewiss, ob er mit seiner Familie in Frankreich bleiben kann.
Seit dem Beginn des israelischen Völkermordes an den Palästinenser*innen im Gazastreifen im Oktober 2023 hat Amnesty International zahlreiche Vorfälle dokumentiert, in denen die Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit in mehreren europäischen Ländern eingeschränkt wurden, was sich auch auf Solidaritätsbekundungen mit den Palästinenser*innen ausgewirkt hat. So wurden beispielsweise Demonstrationen eingeschränkt, öffentliche Versammlungen schärfer von der Polizei kontrolliert, und Veranstaltungen oder Diskussionen im Zusammenhang mit Palästina abgesagt, verboten oder gestört. Dies trug zu einem allgemeinen Klima der Selbstzensur und einer eingeschränkten öffentlichen Debatte bei.
Ramy Shaath war Mitbegründer der ägyptischen BDS-Gruppe («Boykott, Desinvestition und Sanktionen»), einer international aktiven Kampagne, die zu wirtschaftlichen und politischen Druckmassnahmen gegenüber Israel aufruft und dies mit der Unterstützung palästinensischer Rechte begründet; zudem war er in Ägypten politisch und in Sachen Menschenrechte aktiv.
Sein Aktivismus hat dazu geführt, dass er ins Visier der ägyptischen Behörden geraten ist. Im Juli 2019 nahm ihn die Polizei ohne Haftbefehl in seinem Haus in Kairo fest. Während der gleichen Aktion wurde seine Frau, die französische Staatsangehörige Céline Lebrun-Shaath, festgenommen und später ohne ein ordnungsgemässes Verfahren oder Zugang zu konsularischem Beistand nach Frankreich abgeschoben. Ramy Shaath wurde dann etwa 36 Stunden lang ohne Kontakt zur Aussenwelt in Haft gehalten. Anschliessend war er im Zusammenhang mit dem sogenannten «Hope Case» (Fall 930/2019) über zweieinhalb Jahre lang inhaftiert. Der «Hope Case» umfasste mindestens 105 Menschen, darunter Politiker*innen und Journalist*innen. Gegen die Beschuldigten wurden weit gefasste Terrorismusvorwürfe erhoben, die zu langer Untersuchungshaft führten. Amnesty International bezeichnete Ramy Shaath damals als gewaltlosen politischen Gefangenen und forderte seine sofortige und bedingungslose Freilassung, da seine Inhaftierung ausschliesslich mit der Ausübung seines Rechts auf freie Meinungsäusserung zusammenhing.
Er wurde im Januar 2022 nach mehr als 900 Tagen Haft auf anhaltenden internationalen Druck hin freigelassen. Seine Freilassung war an die Bedingung geknüpft, dass er auf seine ägyptische Staatsbürgerschaft verzichtet, woraufhin er nach Frankreich umzog und seitdem wieder mit seiner Familie zusammenlebt.
Details
| UA-Nummer: Erscheinungsdatum | Aktualisiert am: Index: |
UA 062/26 10.06.2026 EUR 21/1122/2026 |
| Voraussichtlich mitmachen bis: | 10. Dezember 2026 |
| Ganze Urgent Action (Word): | deutsch english |
| Nur der Modellbrief (Word): | deutsch english |
Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.
English version
Activist at risk of deportation
On 30 April, French authorities initiated deportation proceedings against Ramy Shaath, a Palestinian activist, placing him at risk of forcible removal from France. Authorities have stated that his presence in France constitutes a «serious threat to public order». The conclusions appear to be based on his involvement with civil society organizations and statements he made in several protests. However, he has never been convicted or charged for any of these acts. Ramy Shaath has lived in France with his wife and young daughter since 2022. France would breach the principle of non-refoulement if authorities remove him to a place where he would be at real risk of serious human rights violations. Deportation would also result in separating him from his family in France. The French authorities must immediately halt the deportation proceedings against Ramy Shaath and ensure that he remains in France with a secure legal status and without fear of reprisals.
Ramy Shaath, 55, is a Palestinian activist who is currently facing deportation proceedings in France on the grounds that he poses a «serious threat to public order».
He is currently living in France with his wife, a French citizen, and their young daughter. He has been without a valid residence permit in France since September 2023, following difficulties in the renewal of his initial temporary status. He has since been engaged in ongoing administrative and legal efforts to regularize his immigration status.
The deportation proceedings were initiated on 30 April by the Prefecture of Hauts-de-Seine in Nanterre, the departmental authority responsible for immigration and residence matters within its jurisdiction, against Ramy Shaath, on the grounds that his public expression, political activism, and association with several organizations and collectives on Palestine allegedly posed a threat to public order. No criminal charges have been brought against him in relation to these allegations.
On 21 May, the Hauts-de-Seine departmental deportation commission, a consultative body, composed of three judges, reviewing proposed expulsions of foreign nationals, issued a formal opinion opposing his removal. The commission concluded that in the absence of any criminal conviction or a clear abuse of the right to freedom of expression, Ramy Shaath’s statements do not constitute a threat to public order. Further, it stated that his expulsion would constitute a disproportionate interference with his right to family life and the best interests of his French-citizen daughter. However, the commission’s opinion is advisory and not binding on the French authorities, who retain the power to proceed with the deportation decision. While no deportation order has yet been issued, the proceedings remain ongoing. As no final deportation decision has been taken, Ramy Shaath is currently unable to challenge the measure before the courts. Until the authorities either formally discontinue the proceedings or issue a deportation order, Ramy Shaath continues to face uncertainty regarding his ability to remain in France with his family.
Since the start of Israel’s genocide against Palestinians in Gaza in October 2023, Amnesty International has documented multiple incidents of restrictions on freedom of expression and peaceful assembly across several European countries, including a chilling effect on activism in solidarity with Palestinians. This has included restrictions on demonstrations, policing measures targeting public assemblies, and the cancellation, prohibition, or disruption of events and discussions, related to Palestine, contributing to a wider climate of self-censorship and constrained public debate.
Ramy Shaath was a co-founder of the Egyptian chapter of the Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) movement, a campaign advocating boycotts, divestment, and sanctions in support of the rights of Palestinians, and has been active in political and rights-based advocacy in Egypt.
His activism has led to him being targeted by the Egyptian authorities. In July 2019, the police arrested him at his home in Cairo without a warrant. During the same operation, his wife, French national Céline Lebrun-Shaath, was detained and later deported to France without due process or consular access. Ramy Shaath was then held in incommunicado detention for approximately 36 hours. He was subsequently detained for more than two and a half years in Case No. 930/2019, commonly referred to as the «Hope Case», a mass national security prosecution involving activists and political figures held on broad terrorism-related charges and subjected to prolonged pre-trial detention. Amnesty International at the time described him as a prisoner of conscience and called for his immediate and unconditional release, stating that his detention was solely linked to the exercise of his right to freedom of expression.
He was released in January 2022 after more than 900 days in detention, following sustained international pressure. His release was conditioned on the renunciation of his Egyptian citizenship, after which he relocated to France and reunited with his wife.
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