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| Mitmachen bis 12. Dezember 2026 |
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Portokosten Postversand:
Europa: CHF 1.90
Übrige Länder: CHF 2.50
Schweiz (für Kopien an die Botschaft): A-Post CHF 1.20 / B-Post CHF 1.–
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Adressen
Leiter der Staatsanwaltschaft Milas:
Enis Tekgül
Milas Chief Public Prosecutor
Güneş Mahallesi, Labranda Bulvarı, No:53 Milas Adliyesi
48200 Milas/MUĞLA, Türkiye
Fax: +90 252 512 91 91
E-Mail: milascbs@adalet.gov.tr
Kopien an
Botschaft der Republik Türkei
Lombachweg 33, Postfach 34
3000 Bern 15
Fax: 031 352 88 19
E-Mail: botschaft.bern@mfa.gov.tr
Social Media Guide
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Hintergrund
Es bestehen grosse Bedenken hinsichtlich des Strafverfahrens gegen die Umweltschützerin und Menschenrechtsverteidiger*in Esra Işık. Sie sass vom 30. März bis zum 11. Mai wegen «Behinderung eines Amtsträgers bei der Ausübung seines Amtes» und «Beleidigung von Amtsträgern» in Haft. Esra Işık wird nur strafrechtlich verfolgt, weil sie ihre Menschenrechte wahrgenommen hat.
Esra Işıks Strafverfolgung steht im Zusammenhang mit langjährigen Umwelt- und Landstreitigkeiten in der Region Milas-Yatağan, in der Provinz Muğla. Dort sind lokale Gemeinden, darunter auch die Familie von Esra Işık, im Zusammenhang mit Bergbauaktivitäten wiederholt vertrieben worden. In den letzten Jahren haben sich die Gemein-den friedlich gegen den Ausbau des Kohleabbaus gewehrt, unter anderem durch ihre Teilnahme an Protesten gegen den Eilbeschluss zur Enteignung, von dem Hunderte von privaten Grundstücken im Gebiet von Akbelen betroffen sind.
Am 7. Mai 2026 traf der Staatsrat (Danıştay, 6. Kammer) die Entscheidung, die Vollstreckung des Eilbeschlusses zur Enteignung von Privatgrundstücken in sechs ländlichen Siedlungen der Region Akbelen in İkizköy in Milas auszusetzen. Die Rechtsstreitigkeiten um den Kohleabbau und die Zerstörung des Akbelen-Waldes dauern nun schon seit sieben Jahren an. Die Gemeinden vor Ort versuchen die ganze Zeit friedlich, einen weiteren Ausbau des Kohleabbaus zu verhindern.
Am 30. März 2026 wurde die 26-jährige Umweltschützerin Esra Işık in Milas in der Provinz Muğla festgenommen, als sie an einer friedlichen Protestaktion teilnahm, die während der Ortsbesichtigung von Behördenvertreter*innen im Rahmen eines Eilbeschlusses zu Enteignungen in den dortigen Dörfer stattfand. Anschliessend wurde Esra Işık wegen «Behinderung eines Amtsträgers bei der Ausübung seines Amtes» (Artikel 265 des türkischen Strafgesetzbuchs) und «Beleidigung von Amtsträgern» (Artikel 125 des türkischen Strafgesetzbuchs) in Untersuchungshaft genommen. Bei der ersten Verhandlung in ihrem Strafverfahren am 27. April 2026 entschied das Gericht, ihre Untersuchungshaft fortzusetzen. Sie wurde jedoch am 11. Mai 2026 aus der Haft entlassen, nachdem das Staatsratsgericht angeordnet hatte, die Vollstreckung des Eilbeschlusses zur Enteignung auszusetzen. Die nächste Verhandlung in ihrem Strafverfahren, bei der voraussichtlich das Urteil verkündet wird, ist für den 22. Juni 2026 angesetzt.
Am 30. März gegen 19:30 Uhr trafen Beamte im Dorf Karacahisar ein, um im Rahmen eines gerichtlichen Beschlusses zur Enteignung von 649 einzelnen Grundstücken und Liegenschaften gerichtlich angeordnete Ortsbesichtigungen durchzuführen. Diese Besichtigungen vor Ort wurden innerhalb eines äusserst engen Zeitrahmens und ohne nennenswerte Einbeziehung der betroffenen Grundstückseigentümer*innen und ihrer rechtlichen Vertretungen durchgeführt.
Dem offiziellen Bericht zufolge traf am Abend eine Gruppe, bestehend aus einem Richter, einem Gerichtsangestellten und gerichtlich bestellten Sachverständigen, vor Ort ein. Anwohner*innen, die sich aufgrund der anhaltenden Enteignungsdrohungen versammelt hatten, nahmen an, dass die unbekannten Insassen des Fahrzeugs mit dem Bergbauunternehmen in Verbindung stehen.
Esra Işık, die Tochter der Dorfvorsteherin von İkizköy, Nejla Işık, war eine der anwesenden Anwohner*innen. Amnesty International hat Aufnahmen des Vorfalls gesichtet, die zeigen, wie Anwohner*innen, darunter Esra Işık, in einer offensichtlich sehr angespannten Atmosphäre heftig mit Personen in einem zivilen Kleinbus ohne Aufschrift diskutieren und diese auffordern, die Gemeinde in Ruhe zu lassen. Das Filmmaterial zeigt, wie das Fahrzeug schliesslich wegfährt. Esra Işık bestreitet die gegen sie erhobenen Vorwürfe und erklärt, sie habe die Gruppe nicht als Delegation des Gerichts erkannt und die Gerichtsbeamten weder bedroht noch beleidigt. Sie führt weiter aus, dass nicht eindeutig erkennbar gewesen sei, dass die Personen eine Delegation des Gerichts waren und dass es in der Region bereits zuvor zu ähnlichen Verwirrungen gekommen sei, wenn bei Operationen, die das Bergwerk betreffen unmarkierte Fahrzeuge oder Fahrzeuge mit Verbindung zur Bergbaufirma beteiligt waren.
Am 31. März ordnete das Strafgericht Milas Untersuchungshaft für Esra Işık an und begründete dies mit der Art der mutmasslichen Straftaten sowie mit der Möglichkeit, laufende Verfahren im Zusammenhang mit anderen Begutachtungen vor Ort in der Region zu beeinflussen.
Die Untersuchungshaft und die Strafverfolgung von Esra Işık finden vor dem Hintergrund eines umfassenderen und anhaltenden Konflikts um Land, Wälder und landwirtschaftliche Lebensgrundlagen in der Region Milas-Yatağan statt, in den letzten zehn Jahren insbesondere rund um den Akbelen-Wald und die umliegenden Dörfer. Esra Işıks Familiengeschichte ist von diesem langjährigen Vertreibungsprozess direkt betroffen: Aufgrund des Kohleabbaus waren ihre Grosseltern mütterlicherseits gezwungen, Sekköy und Karacaağaç – ebenfalls im Bezirk Milas der Provinz Muğla – zu verlassen und sich in İkizköy niederzulassen, während ihre Familie väterlicherseits aus Işıkdere vertrieben wurde, einer Siedlung in der Region, die im Zuge der Ausweitung des Kohleabbaus durch Enteignungen im Jahr 2017 entvölkert wurde. Heute droht der Familie und weiteren Dorfbewohner*innen erneut die Zwangsräumung durch Enteignung aus dem Haus und von den landwirtschaftlichen Flächen, auf denen sie sich nach der ersten Vertreibung niedergelassen hat.
Die lokalen Gemeinden wehren sich gegen die Abholzung der Wälder und die Ausweitung der Bergbau-aktivitäten, die Olivenhaine, Ackerland und ländliche Siedlungsgebiete bedrohen. Im Jahr 2024 und erneut 2026 wurden Eilbeschlüsse für Enteignungen erlassen, die eine grosse Anzahl von Grundstücken in mehreren Dörfern betrafen, darunter auch Grundstücke, die der Familie von Esra Işık gehör(t)en. Diese Massnahmen wurden vor heimischen Gerichten, wie dem Staatsrat und dem Verfassungsgericht, vielfach angefochten.
Gleichzeitig haben die im Jahr 2025 verabschiedeten Gesetzesänderungen den Bergbau in Olivenanbaugebieten weiter erleichtert. Diese Änderungen wurden von der Zivilgesellschaft und Jurist*innen kritisiert, da sie eine beschleunigte und gezielte Enteignung von landwirtschaftlichen Flächen zugunsten der Rohstoffindustrie ermöglichen. Infolge der Gesetzesänderungen wurden im Gebiet von Akbelen bereits Tausende von Olivenbäumen vernichtet.
Details
| UA-Nummer: Erscheinungsdatum | Aktualisiert am: Index: |
UA 064/26 12.06.2026 EUR 44/1143/2026 |
| Voraussichtlich mitmachen bis: | 12. Dezember 2026 |
| Ganze Urgent Action (Word): | deutsch english |
| Nur der Modellbrief (Word): | deutsch english |
Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.
English version
Environmental defender on trial
Esra Işık, a 26-year-old environmental human rights defender, is facing prosecution under Articles 265 and 125 of the Turkish Penal Code for allegedly «preventing a public official from performing their duty» and «insulting public officials». She was detained on 30 March after taking part in a peaceful protest against an urgent expropriation decision affecting villages near Akbelen forest, including İkizköy in Muğla province in south-west Türkiye. She was held in pretrial detention for 42 days. Following a Council of State decision suspending the expropriation order, she was released, but the criminal proceedings against her are ongoing. Esra Işık has been detained and prosecuted simply for exercising her rights. The next hearing is scheduled for 22 June. The charges must be dropped immediately.
On 30 March 2026, 26-year-old environmental defender Esra Işık was taken into custody in Milas (Muğla, Türkiye) while she was participating in a peaceful protest during the on-site visits by officials in the context of an emergency expropriation decision impacting the local villages. She was subsequently held in pretrial detention on charges of «preventing the performance of duty of a public official» (Article 265 of the Turkish Penal Code) and «insulting public officials» (Article 125 of the Turkish Penal Code). At the first hearing in her prosecution on 27 April 2026, the Court ruled to continue her pretrial detention, but she was released from prison on 11 May 2026 following the Council of State ruling to suspend the execution of the emergency expropriation order. The next hearing in her prosecution, expected to be a decision hearing, is scheduled for 22 June 2026.
On 30 March at around 7:30 pm, officials arrived in Karacahisar village to conduct court-ordered on-site inspections in the context of an emergency expropriation order concerning 649 separate parcels of land and property. These inspections were carried out in a highly compressed time frame and in the absence of meaningful participation by affected landowners and their legal representatives.
According to the official incident report, a group including a judge, a court clerk, and court-appointed experts arrived in the area in the evening hours. Local residents who had gathered in response to ongoing expropriation disputes confronted what they believed to be unidentified or company-linked vehicles.
Esra Işık (the daughter of Nejla Işık, elected representative of the village of İkizköy) was among the res-idents present. Amnesty International reviewed footage from the incident which shows local residents including Esra Işık intensely arguing with individuals in an unmarked van, demanding they leave the local community alone, in what was clearly a very charged atmosphere. The footage shows the vehicle eventually leaving. Esra Işık has been detained and prosecuted simply for exercising her rights. She disputes the allegations against her, stating that she did not recognize the group as a judicial delegation at the time and did not direct any threatening or insulting remarks toward court officials. She further argues that the identification of the delegation as court personnel was not clear, and that similar confusion had occurred previously in the region during mining-related operations involving unmarked or company-associated vehicles.
On 31 March, the Milas Criminal Judgeship of Peace ordered Esra Işık’s pretrial detention, citing the nature of the alleged offences and the possibility of influencing ongoing proceedings related to other inspections in the region.
Esra Işık’s pretrial detention and prosecution occurred in the context of a wider and ongoing dispute over land, forests, and agricultural livelihoods in the Milas–Yatağan region, particularly around the Akbelen forest and surrounding villages in the last decade. Esra Işık’s family history is directly shaped by this long-standing process of displacement: due to coal mining activities, her maternal grandparents were forced to leave Sekköy and Karacaağaç, also in Milas district of Mugla and resettle in İkizköy, while her paternal family was also displaced from Işıkdere, a neighbourhood in the area that has been depopulated in the expansion of the mining through expropriation in 2017. Today, the family once again faces the risk of eviction from the home and agricultural land where they resettled, as expropriation measures continue to pose a threat to their and other villagers’ property.
Local communities have opposed deforestation and the expansion of mining activities that threaten olive groves, farmland, and rural settlement areas. In 2024 and again in 2026, emergency expropriation decisions were issued covering large numbers of parcels across several villages, including land belonging to Esra Işık’s family. These measures have been widely challenged before domestic courts, including the Council of State and the Constitutional Court.
In parallel, legislative changes adopted in 2025 have further facilitated mining operations in olive-growing regions. These regulations have been criticised by civil society and legal experts as enabling accelerated and targeted expropriation of agricultural land for extractive industries. As a result, thou-sands of olive trees have already been uprooted in the Akbelen area.
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Please take action before 12 December 2026.
You'll find all necessary adddress- and social media information above. English model letter as a Word-file.