Die «Aquarius» im Hafen von Marseille, bevor sie sich erneut zu einer Rettungsfahrt aufmachte und 141 Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten rettete. © Gerard Bottino / shutterstock.com
Die «Aquarius» im Hafen von Marseille, bevor sie sich erneut zu einer Rettungsfahrt aufmachte und 141 Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten rettete. © Gerard Bottino / shutterstock.com

Migration Stoppt das Spiel mit Menschenleben!

Medienmitteilung 14. August 2018, Bern – Medienkontakt
Die Behörden in Italien und Malta verweigern dem Rettungsschiff «Aquarius» das Einlaufen in ihre Häfen. Cyrielle Huguenot, Migrationsexpertin bei Amnesty International Schweiz, kritisiert das unmenschliche Verhalten der Regierungen.

«Die europäischen Regierungen müssen aufhören, mit Menschenleben zu spielen. Die Weigerung Italiens und Maltas, Flüchtlingen und Migrantinnen und Migranten zu verbieten, in ihren Häfen an Land zu gehen, ist schlicht und einfach grausam. Diese Menschen haben eine gefährliche Reise und unmenschliche Zustände in Libyen durchlebt. Europa muss endlich Verantwortung für die 141 Personen an Bord, darunter 73 Kinder, übernehmen und sich um sie kümmern».

«Diese Menschen haben eine gefährliche Reise und unmenschliche Zustände in Libyen durchlebt.» Cyrielle Huguenot, Migrationsexpertin bei Amnesty International Schweiz

«Ebenso alarmierend ist, dass Gibraltar, unter dessen Flagge die «Aquarius» fährt, damit gedroht hat, dem Schiff mit einem bürokratischen Manöver die Registrierung zu entziehen. Statt Nichtregierungsorganisationen in der Seenotrettung im Mittelmeer zu unterstützen, wird deren mutige Arbeit weiter behindert und bestraft».

«Wir fordern die europäischen Staats- und Regierungschefs auf, sich dringend auf ein zuverlässiges Such- und Rettungssystem zu einigen, das die rasche Anlandung von geretteten Flüchtlingen und Migrantinnen und Migranten im nächstgelegenen sicheren Hafen garantiert. Die Rettung von Menschenleben unter Einhaltung des Seerechts muss an erster Stelle stehen.»

«Die Rettung von Menschenleben unter Einhaltung des Seerechts muss an erster Stelle stehen.»

«Die europäischen Mittelmeerstaaten müssen sicherstellen, dass ihre Häfen für diejenigen offen sind, die bei der gefährlichen Überfahrt gerettet wurden. Die Verantwortung für die Bearbeitung von Asylanträgen und die Aufnahme von Asylbewerbern muss dagegen von allen europäischen Staaten geteilt werden. Auch die Schweiz soll sich solidarisch zeigen und bereiterklären, Asylbewerber aufzunehmen, wie sie dies zwischen 2015 und Anfang 2018 im Rahmen der europäischen Umverteilungsprogramms (Relocation) getan hat.»

Hintergrund

Amnesty International hat letzte Woche ein Briefing veröffentlicht, das die verheerenden Auswirkungen der europäischen Abschottungspolitik aufzeigt. Allein im Juni und Juli 2018 sind demnach mehr als 721 Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer gestorben.

Der Bericht beleuchtet auch das neue Vorgehen der italienischen Behörden, das dazu führt, dass Menschen tagelang auf See ausharren müssen. Der Bericht zeigt auf, wie die Europäischen Staaten gemeinsam darauf hinarbeiten, Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten in Libyen zu halten, wo sie Folter und anderen grausamen Misshandlungen  ausgesetzt sind.

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