Zu den Verbrechen der RSF zählen Mord und Massakrierung insbesondere von Jungen und Männern, Verschleppung, Inhaftierung, Folter, Vergewaltigung, sexuelle Versklavung und andere Formen sexualisierter Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Hunderttausende Kinder wurden vertrieben, unzählige Kinder wurden zu Waisen. 70 Prozent litten unter Mangelernährung, da die humanitäre Versorgung der Stadt durch die RSF verhindert wurde. Kinder wurden ausserdem zwangsweise als Soldat*innen rekrutiert.
«Der Krieg im Sudan ist ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung, bei dem die RSF gezielt Kinder zur Zielscheibe gemacht haben. Die Welt wurde vor den Schrecken gewarnt, die der Zivilbevölkerung in Al-Fashir drohten. Was dort geschah, ist ein Schandfleck auf dem Gewissen der Menschheit», sagt Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International. «Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, endlich zu handeln, um den seit drei Jahren andauernden Krieg zu beenden».
«Der Krieg im Sudan ist ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung, bei dem die RSF gezielt Kinder zur Zielscheibe gemacht haben.»
Generalsekretärin von Amnesty International
Brutaler Belagerungskrieg
Seit April 2023 eskaliert der gewaltsame Kampf um die Regierungsmacht zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und der RSF. Bis zu 14,5 Millionen Menschen sind seit Beginn des Konfliktes vertrieben worden, zwölf Millionen Menschen, vor allem Frauen und Mädchen, sind von geschlechtsspezifischer Gewalt bedroht. Zwei Drittel aller Menschen im Sudan sind von akuter Mangel- und Unterernährung betroffen.
Bis November 2023 hatte die RSF die Hauptstädte in vier von fünf Bundesstaaten der Region Darfur unter ihre Kontrolle gebracht. Al-Fashir, die Hauptstadt von Nord-Darfur, war die einzige Stadt, die noch Widerstand leistete.
Ab 2024 griff die RSF systematisch die Dörfer, Städte und Flüchtlingslager um Al-Fashir herum an, ging mit Gewalt und Plünderungen gegen die Bewohner*innen vor, die mehrheitlich der ethnischen Gruppe der Zaghawa angehörten. RSF-Kämpfer steckten Siedlungen in Brand, lange nachdem die Bewohner*innen bereits geflohen waren, was darauf schliessen lässt, dass sie die Gebiete unbewohnbar machen wollten.
Am 26. Oktober 2025 startete die RSF ihre letzte Offensive auf Al-Fashir. Bei der Flucht stiess die Zivilbevölkerung auf ein 57 km langes Netz aus Erdwällen. Es kam zu einem Massaker: Hunderte wurden getötet, und viele weitere Menschen wurden gefoltert oder inhaftiert. RSF-Mitglieder dokumentierten Massenhinrichtungen und verbreiteten die Videos.
Befehlshaber identifiziert
Amnesty International konnte für den vorliegenden Bericht drei zuständige RSF-Befehlshaber identifizieren, die für die Verbrechen in Al-Fashir zur Verantwortung gezogen werden müssen. Während der Belagerung der Stadt hatten RSF-Mitglieder Massenhinrichtungen und Folter per Video festgehalten und die Aufnahmen veröffentlicht.
Die Menschenrechtsverstösse wurden systematisch und grossflächig begangen, was darauf hindeutet, dass Befehlshabende von ihnen wussten und nichts unternahmen, diese zu verhindern oder die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Forderungen von Amnesty International
Die internationale Gemeinschaft trägt Verantwortung. Der Sudan leidet unter den Folgen der Kürzungen bei der humanitären Hilfe, die eine ohnehin schon katastrophale Menschenrechtskrise für jene, die alles verloren haben, noch weiter verschärften. Alle internationalen Partner des Sudan müssen dafür sorgen, dass Geflüchtete und Vertriebene humanitäre Hilfe erhalten, darunter auch gezielte Unterstützung für Kinder.
Es braucht unverzüglich einen landesweiten Waffenstillstand und die Entsendung einer unabhängigen internationalen Schutztruppe unter Uno-Mandat, um die Zivilbevölkerung vor Verbrechen aller Konfliktparteien zu schützen. Gleichzeitig müssen alle Staaten unverzüglich die Lieferung von Waffen und Munition an die Konfliktparteien einstellen; insbesondere müssen Waffenlieferungen an die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – den wichtigsten Geldgeber der RSF – gestoppt werden, bis die VAE das Uno-Embargo einhalten.
Der Uno-Sicherheitsrat muss das Waffenembargo auf den gesamten Sudan ausweiten. Verantwortliche für Kriegsverbrechen und weitere Gräueltaten müssen zur Rechenschaft gezogen werden – unter anderem vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Nur so kann die Spirale aus Gewalt, ethnischer Säuberung und Straflosigkeit durchbrochen werden.
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