Automatikpistole P210 der Schweizer Armee, inkl. Magazin und Munition. © Vercing / wikicommons
Automatikpistole P210 der Schweizer Armee, inkl. Magazin und Munition. © Vercing / wikicommons

Kommentar Besserer Schutz vor bewaffneter Gewalt

Kommentar von Manon Schick, Geschäftsleiterin von Amnesty International Schweiz, erstmals veröffentlicht in 24 Heures am 7. Mai 2019.
Schusswaffen töten. Das scheint eine Binsenweisheit zu sein, aber es ist notwendig, sie im Zusammenhang mit der Abstimmung über die Revision des Waffenrechtes am 19. Mai in Erinnerung zu rufen. Und weil Waffen kein Spielzeug sind, ist es wichtig, ihre Verbreitung einzuschränken.

Manon Schick Manon Schick, Geschäftsleiterin von Amnesty International Schweiz. © AI Wir müssen sicherstellen, dass der Zugang zu halbautomatischen Waffen, die in den letzten Jahren in Europa und den Vereinigten Staaten tödliche Angriffe ermöglicht haben, auf die Polizei und die Armee beschränkt bleibt. Diese Waffen dürfen für Sportschützen nur zugänglich sein, wenn sie nachweisen können, dass sie regelmässig damit trainieren.

Die Gegner dieses Gesetzes versuchen, uns glauben zu machen, dass Sportschützen, Sammler von alten Karabinern oder Wehrpflichtige durch diese neue Gesetzgebung bestraft werden. Das ist schlicht nicht wahr: Die Schweiz hat Ausnahmen bei der Anwendung der EU-Richtlinie ausgehandelt. Besitzer müssen halbautomatische Waffen lediglich registrieren oder eine Bescheinigung eines Schützenvereins vorlegen, um sie weiterhin zu Hause haben zu können.

Warum den Zugang zu Schusswaffen beschränken? Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt: Je mehr die Schweiz in dieser Richtung tut, desto weniger Selbstmorde und Tötungsdelikte mit Schusswaffen gibt es. Gab es 1998 noch 460 Opfer Schusswaffentote, so hat sich diese Zahl mit der Einführung des Waffengesetzes 1999 und den vielen Verbesserungen in der Gesetzgebung auf 200 Opfer pro Jahr halbiert.

Aber es sind immer noch 200 Opfer zu viel. Eine Verschärfung des Rechts ist notwendig, und da die Europäische Union ihre Waffenrichtlinie überarbeitet hat, um den Besitz von Kleinwaffen durch Einzelpersonen besser zu kontrollieren, hat die Schweiz die Möglichkeit, dies ebenfalls zu tun.

Derzeit sind weltweit eine Milliarde Schusswaffen im Umlauf, 85 Prozent davon sind in ziviler Hand. Jedes Jahr werden eine halbe Million Menschen durch diese Waffen getötet. Eine bessere Kontrolle von Besitz und Handel, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene, ist unerlässlich.

In einigen Ländern hat die Waffengewalt dramatische Ausmasse erreicht. In den Vereinigten Staaten wurden 2016 mehr als 38'000 Menschen durch Schusswaffen getötet und 116'000 verletzt. Dies entspricht durchschnittlich 104 Todesopfern pro Tag. Die US-Regierung befürwortet den leichten Zugang zu Schusswaffen auf Kosten der Grundrechte und der Sicherheit ihrer Bürger.

Die Schweiz hat die Möglichkeit, den Schutz ihrer Bürgerinnen und Bürger vor bewaffneter Gewalt zu verstärken. Verpassen wir diese Gelegenheit nicht und stimmen Ja zum neuen Waffenrecht.