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Urgent Action − Ägypten

Unrechtmässig inhaftierter Student riskiert lebenslange Haft

Der ägyptische Student Oqba Hashad ist seit fast sieben Jahren willkürlich inhaftiert, um ihn für den Menschenrechtsaktivismus seines Bruders zu bestrafen. Im April 2025 klagte ihn die Staatsanwaltschaft der Staatssicherheit (SSSP) wegen konstruierter Vorwürfe im Zusammenhang mit Terrorismus an. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Erst Ende 2025 bekam er nach drei Jahren eine neue Beinprothese, nachdem seine alte kaputt ging. Die Behörden müssen ihn sofort und bedingungslos freilassen. Die ägyptischen Behörden sollten ihn unverzüglich und bedingungslos freilassen, da seine Inhaftierung ausschliesslich mit dem Menschenrechtsaktivismus seines Bruders zusammenhängt.

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Briefvorlagen

Adressen

Generalstaatsanwalt:
Public Prosecutor Mohamed Shawky Ayyad
Office of the Public Prosecutor
Madinat al-Rehab
Cairo
Arab Republic of Egypt
Fax: +202 2577 4716
Twitter/X: @EgyptianPPO
Facebook: https://www.facebook.com/ppo.gov.eg


Kopien an

President Abdelfattah al-Sisi
Office of the President, Al Ittihadia Palace, Cairo, Arab Republic of Egypt
Fax: +202 2391 1441
E-Mail: p.spokesman@op.gov.eg
Twitter: @AlsisiOfficial
 
Minister of Interior
Mahmoud Tawfiq
Ministry of the Interior, 25 El Sheikh Rihan Street Bab al-Louk, Cairo, Egypt
Fax: +202 2794 5529
E-Mail: center@iscmi.gov.eg oder E.HumanRightsSector@moi.gov.eg
Twitter: @moiegy
Salutation: Dear Minister
 
National Council for Human Rights
340 D - شارع التسعين الشمالى - التجمع الخامس - القاهرة - مصر
Fax: +2028135607
Whatsapp/phone: +201558345554
E-Mail: nchr-n@nchr.org.eg
 
Botschaft der Arabischen Republik Ägypten
Elfenauweg 61
3006 Bern
Fax: 031 352 06 25
E-Mail: eg.emb.bern@gmail.com
FB: https://www.facebook.com/eg.bern.embassy/

Social Media Guide

Oqba Hashad has been unjustly jailed for nearly 7 years in retaliation for his brother’s activism. He was subjected to a litany of human rights violations including torture and denial of medical care. He is now on trial facing bogus terrorism charges. Call on @EgyptianPPO to release him NOW #FreeOqba

Hintergrund

Der 29-jährige Student Oqba Hashad wurde am 20. Mai 2019 von Sicherheitskräften festgenommen und befindet sich seither willkürlich und rechtswidrig in Untersuchungshaft. Die Dauer seiner Untersuchungshaft überschreitet bei Weitem die nach ägyptischem Recht vorgesehene Frist von zwei Jahren. Am 20. Februar 2024 hatte ein Gericht seine Freilassung angeordnet, da seine Untersuchungshaft in der Rechtssache Nr. 7769/2019 der SSSP die gesetzliche Höchstdauer von zwei Jahren überschritten hatte. Doch statt freigelassen zu werden, fiel er zehn Tage lang dem Verschwindenlassen zum Opfer. Danach wurden in einem neuen Fall (Nr. 3391/2023 der SSSP) Ermittlungen gegen ihn eingeleitet, die auf ähnlich konstruierten Vorwürfen beruhten. Diese Praxis wird gemeinhin als «Rotation» bezeichnet und von den Behörden eingesetzt, um Menschen auf unbestimmte Zeit in Untersuchungshaft zu halten.

Im April 2025 wurde Oqba Hashad gemeinsam mit 75 weiteren Personen wegen fabrizierter terrorismusbezogener Vorwürfe angeklagt. Laut der von Amnesty International geprüften Anklageschrift wird ihm «Beitritt zu einer terroristischen Vereinigung in Kenntnis ihrer Ziele» und «Verabredung zur Störung der öffentlichen Ordnung und zur Begehung terroristischer Straftaten» vorgeworfen. Bei einer Verurteilung droht ihm eine lebenslange Haftstrafe. Amnesty International hält die Vorwürfe gegen Oqba Hashad für unbegründet. Die Staatsanwaltschaft hat keinerlei Beweise dafür vorgelegt, dass der Student sich an Handlungen beteiligt hat, die als kriminelles Verhalten gedeutet werden könnten. Vielmehr ist Amnesty International der Ansicht, dass Oqba Hashad für den Aktivismus seines Bruders Amr Hashad bestraft wird.

Seit seiner Inhaftierung werden die Menschenrechte von Oqba Hashad verletzt, u. a. durch willkürliche Inhaftierung, Folter und andere Misshandlungen sowie die Verweigerung medizinischer Versorgung. Im August 2022 ging seine Beinprothese kaputt, doch erst im November 2025 gewährte ihm die Gefängnisverwaltung einen Ersatz. Im November 2025 konnte er auch zum ersten Mal seit Jahren wieder seine Mutter in die Arme schliessen. Allerdings behindern die Behörden nach wie vor seinen Zugang zu wichtigen Medikamenten und unterziehen seine Familienangehörigen bei jedem Besuch Leibesvisitationen. Nach einem Gefängnisbesuch am 15. Januar 2026 wurde einer der Brüder von Oqba Hashad von den Behörden schikaniert. Der Bruder wurde stundenlang dazu befragt, wie Menschenrechtsorganisationen und andere Unterstützer*innen Informationen über die Haftbedingungen von Oqba Hashad erhalten. Nach Angaben seiner Familie ist Oqba Hashad nach sieben Jahren ungerechtfertigter Inhaftierung körperlich und geistig erschöpft. Das anstehende Gerichtsverfahren löst in ihm Angst-zustände aus, da er befürchtet, Jahrzehnte lang inhaftiert zu werden.

Oqba Hashad ist seit fast sieben Jahren willkürlich und ohne Gerichtsverfahren inhaftiert, und zwar ausschliesslich wegen des Menschenrechtsengagements seines Bruders Amr Hashad, eines Menschenrechtsaktivisten, der Ägypten 2019 verlassen hat. Die Gefängnisbehörden hatten Oqba Hashad mehrfach, zuletzt im Oktober 2023, über die Menschenrechtsarbeit seines Bruders und dessen Kontakt zu seiner Familie in Ägypten verhört. Sie fragten ihn auch, ob er seinem Bruder Informationen über seine Haftbedingungen gegeben habe. Sein Bruder Amr Hashad war 2014 im Zusammenhang mit seinem Engagement in der Studierendenvereinigung der Universität Assiut festgenommen worden. Anschliessend verurteilte ein Gericht Amr Hashad zu drei Jahren Gefängnis, nachdem es ihn der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, des versuchten Umsturzes der Regierung und der Anstiftung zu Protesten schuldig gesprochen hatte. Aus dem Exil heraus dokumentierte Amr Hashad weiterhin Menschenrechtsverletzungen in Ägypten, einschliesslich Fällen von Verschwindenlassen und grausame und unmenschliche Haftbedingungen. Auch Oqba Hashads Mutter wurde bei einem Besuch des Gefängnisses Shebin Al-Kom, in dem Oqba Hashad damals inhaftiert war, neun Stunden lang festgehalten und verhört. Dabei ging es um einen Facebook-Post, in dem Amr Hashad im Dezember 2020 thematisiert hatte, dass seinem Bruder der Zugang zu seiner Beinprothese verwehrt wurde und die Familie wiederholt Unrecht erlitt.

Die Gefängnisbehörden verweigern Oqba Hashad seit August 2022 unter Verletzung des absoluten Verbots von Folter und anderen Misshandlungen den Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung. Mehr als drei Jahre lang wurde ihm der Zugang zu einer Beinprothese verwehrt, was ihm schwere körperliche und psychische Schmerzen und Leiden verursacht, unter anderem, weil er dadurch bei seinen grundlegendsten Bedürfnissen auf die Hilfe anderer Gefangener angewiesen ist. Am 9. Januar 2024 wurde Oqba Hashad ohne Rollstuhl und auf einem Bein hüpfend zum Gericht gebracht und musste vor dem Richter auf den Boden sitzen. Die Gefängnisbehörden weigern sich ausserdem, ihm eine fachärztliche Versorgung zu gewähren, die im Gefängnis nicht zur Verfügung steht, was nach Angaben unabhängiger Ärzt*innen, die von seinen Angehörigen konsultiert wurden, dauerhafte und irreversible Schädigungen seiner Wirbelsäule befürchten lässt.

Am 7. August 2022 riefen Verwandte von Oqba Hashads Zellengenossen, die an diesem Tag das Gefängnis von Wadi al-Natroun besucht hatten, die Familie von Oqba Hashad an, um sie zu informieren, dass seine Beinprothese gebrochen sei. Seine Familie eilte zum Gefängnis, um die gebrochene Beinprothese abzuholen und sie zur Reparatur in eine Spezialklinik zu bringen, wo ein Arzt und ein Techniker ihnen mitteilten, dass eine Ersatzprothese erforderlich sei. Die Familie hatte nicht die finanziellen Mittel, um diese zu ersetzen, und wollte sie daher reparieren lassen. Als seine Verwandten am 9. August 2022 mit der Beinprothese in das Gefängnis zurückkehrten, bestanden die Gefängnisbehörden auf einer gründlichen Inspektion, versuchten, die Prothese zu zerlegen, und teilten der Familie mit, dass sie weiteren Inspektionen unterzogen würde. Oqba Hashad leidet unter starken Rückenschmerzen, da er im Gefängnis von Wadi al-Natroun gezwungen war, auf dem Boden zu schlafen. Im März 2024 wurde er, nachdem er zu einem Verhör in einem neuen Fall Nr. 3391/2023 der SSSP musste, in das Gefängnis Madinat al-Aschir min Ramadan (10th of Ramadan) (Trakt 2) verlegt, wo er bis heute inhaftiert ist. Als seine Familie ihn besuchte, sagte er ihnen, dass die Bedingungen dort besser seien als die in Wadi al-Natroun, ohne Einzelheiten zu nennen. Amnesty International hat die grausamen und unmenschlichen Haftbedingungen im Gefängnis Madinat al-Aschir min Ramadan dokumentiert (Trakt 6). Nach Angaben von Anwält*innen und Angehörigen wird allen Gefangenen das Sonnenlicht vorenthalten, und sie dürfen sich nur in geschlossenen Räumen sportlich betätigen.

Im Mai 2019 stürmten Angehörige der Nationalen Sicherheitsbehörde (NSA) das Studentenwohnheim von Oqba Hashad an der Universität von Sadat City (USC) im Gouvernement Menoufia und nahmen alle Personen ohne Haftbefehl fest. Mit Ausnahme von Oqba Hashad wurden alle Studierenden innerhalb weniger Tage freigelassen. Nach seiner willkürlichen Festnahme liessen die Sicherheitskräfte Oqba Hashad 77 Tage lang verschwinden und setzten ihn Folter und anderen Misshandlungen aus, darunter das Aufhängen an den Armen an der Decke und Elektroschocks an seinen Genitalien und seinem Bein-stumpf. Am 1. August 2019 ordnete ein Staatsanwalt seine Untersuchungshaft an, bis die Ermittlungen wegen «Mitgliedschaft in einer gegen die Rechtsstaatlichkeit gerichteten Gruppe» und «Teilnahme an Demonstrationen zum Sturz des Regimes» abgeschlossen sind. Seitdem wurde seine Untersuchungshaft, die die nach ägyptischem Recht zulässige Höchstdauer von zwei Jahren längst überschritten hat, immer wieder verlängert.

Als Vertragsstaat des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen muss Ägypten seinen Verpflichtungen nachkommen und sicherstellen, dass Menschen mit Behinderungen, wenn ihnen die Freiheit entzogen wird, gleichberechtigt mit anderen Inhaftierten Anspruch auf Garantien im Einklang mit den internationalen Menschenrechtsnormen haben und ihnen speziell aufgrund ihrer Behinderungen angemessene Unterkünfte und Gesundheitsdienste zur Verfügung gestellt werden.

Details

UA-Nummer:
Erscheinungsdatum | Aktualisiert am:
Index:
UA 110/23-4
01.12.2023 | 15.04.2026
MDE 12/0895/2026
Voraussichtlich mitmachen bis: 15. Oktober 2026
Ganze Urgent Action (Word): deutsch
english
Nur der Modellbrief (Word): deutsch
english

Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.

English version

Unjustly jailed student risks life in prison

Egyptian student Oqba Hashad has endured nearly seven years in arbitrary detention as punishment for his brother’s human rights activism. In April 2025, the Supreme State Security Prosecution (SSSP) referred him to trial on bogus terrorism-related charges. If convicted, he could be imprisoned for the rest of his life. In November 2025 after years of sustained supporter mobilization, Egyptian authorities finally allowed him to receive a replacement for his broken prosthetic leg after denying him one for over three years. Egyptian authorities should release him immediately and unconditionally as his detention is solely linked to his brother’s human rights activism.

Oqba Hashad has been arbitrarily detained for nearly seven years without trial, solely due to his family affiliation, in particular the human rights activism of his brother Amr Hashad, a human rights activist who left Egypt in 2019. Prison authorities had interrogated Oqba Hashad on multiple occasions, most recently in October 2023, about his brother’s human rights work and contact with his family in Egypt. They also questioned Oqba Hashad on whether he had shared any information with his brother about his prison conditions. His brother Amr Hashad had been arrested in 2014 in connection with his activism with the student union at Assiut University. Subsequently, a court sentenced Amr Hashad to three years in prison after convicting him of joining a terrorist organization, attempting to overthrow the government and inciting protests. From exile, Amr Hashad continued to document human rights violations in Egypt including enforced disappearances and cruel and inhuman detention conditions. Oqba Hashad’s mother was also detained and questioned for nine hours during a visit to Shebin Al-Kom prison, where Oqba Hashad was held at the time, in a relation to a Facebook post written by Amr Hashad in December 2020 about his brother being banned from accessing his prosthetic leg and the injustices suffered by their family.

In violation of the absolute violation of torture and other ill-treatment, prison authorities have cruelly denied Oqba Hashad access to adequate healthcare and a prosthetic leg for over three years, causing him severe physical and psychological pain and suffering, including as he was forced to rely on other prisoners to meet his most basic needs. Oqba Hashad’s right leg was amputated above the knee following a childhood accident, leaving him with significant mobility challenges and in urgent need of a properly fitted prosthetic limb. On 9 January 2024, Oqba Hashad was transferred to court without a wheelchair, hopping on one leg, and was forced to sit on the floor in front of the judge. The prison authorities are also refusing to grant him access to specialized medical care, not available in prison, raising fears about permanent and irreversible damage to his spinal column, according to independent doctors consulted by his relatives.

On 7 August 2022, relatives of Oqba Hashad’s cellmate, who had visited the Wadi al-Natroun prison that day, called Oqba Hashad’s family to inform them that his prosthetic leg broke. His family rushed to the prison to collect the broken prosthetic leg, and took it for repairs at a specialised clinic, where a doctor and an engineer told them that a replacement was needed. The family did not have the financial means to replace it and therefore sought to repair it instead. On 9 August 2022, when his relatives returned to the prison with the prosthetic leg, the prison authorities insisted on carrying out a thorough inspection, attempted to dismantle it and informed the family that they would submit it for further inspections. Oqba Hashad also suffers from severe back pain as he was his forced to sleep on the floor in his cell in Wadi El Natroun prison. In March 2024, after appearing in front of the SSSP for interrogation in a new Case No. 3391/2023 of the SSSP, Oqba Hashad was transferred to in the 10th of Ramadan prison (section 2), where he remains. During family visits, he told his family that the conditions in the 10th of Ramadan prison (section 2) were better than Wadi El Natroun without specifying details. Amnesty International has documented the cruel and inhumane conditions of detention inside the 10th of Ramadan prison (section 6). According to lawyers and relatives of detainees, all detainees are deprived of sunlight and only permitted daily exercise indoors.

In May 2019, National Security Agency (NSA) agents stormed Oqba Hashad’s student residence at the University of Sadat City (USC), in Menoufia governorate, and arrested everyone without a warrant. All other students were released within days, except for Oqba Hashad. Following his arbitrary arrest, security forces forcibly disappeared Oqba Hashad for 77 days and subjected him to torture and other ill-treatment, including suspension by his arms from the ceiling, and electric shocks on his genitals and stump of his leg. On 1 August 2019, a prosecutor ordered his pre-trial detention pending investigations into charges of «joining a group formed against the rule of law» and «participating in demonstrations to overthrow the regime». Since then, his pretrial detention, which has long exceeded the two-year limit permitted under Egyptian law, has been extended.

As a state party to the Convention on the Rights of Persons with Disabilities (CRPD), Egypt must fulfil its obligations to ensure that when persons with disabilities are deprived of their liberty, they are, on an equal basis with others, entitled to guarantees in accordance with international human rights law and are provided with reasonable accommodation and with adequate health services (Article 14 of the CRPD).

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Please take action before 15 Ocotber 2026.

You'll find all necessary adddress- and social media information above. English model letter as a Word-file.