Familien demonstrieren in Venezuelas Hauptstadt Caracas für die Freilassung ihrer Angehörigen, die bei regierungskritischen Protesten festgenommen wurden (29. Juli 2024) © Laura Rangel
Offen
Urgent Action − Venezuela

Trotz Erdbeben bleiben Hunderte weiter zu Unrecht in Haft

Während die verheerenden Folgen der Erdbeben vom 24. Juni immer deutlicher zutage treten, sind weiterhin Hunderte Menschen aus politischen Gründen willkürlich inhaftiert. Berichten zufolge wurde die Haftanstalt «Rodeo I» schwer beschädigt. Zudem gibt es Hinweise auf Gewalt gegen Gefangene bis hin zu Folter. Einige Inhaftierte sollen sogar Opfer des Verschwindenlassens geworden sein.

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c/o Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela
Waldeggstrasse 47
Postfach 237
3097 Liebefeld

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Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela
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Fax: 031 371 64 69
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ES:
#Venezuela
: Mientras el país atraviesa las graves consecuencias de los sismos del 24 de junio, cientos de personas siguen detenidas arbitrariamente. Exigimos su libertad y plena protección a la vida e integridad de las personas detenidas. ¡@LarryDevoe, garantice condiciones de reclusión dignas y libere a todas las personas detenidas arbitrariamente! 

EN:
#Venezuela: While the country suffers the grave consequences of the 24 June earthquakes, hundreds of people remain arbitrarily detained. We demand their release and strict protection of the lives and safety of all detainees. @LarryDevoe, guarantee humane conditions of detention and release all those arbitrarily detained!

Hintergrund

Angehörige von Menschen, die im Gefängnis «Rodeo I» im Bundesstaat Miranda inhaftiert sind, berichteten Amnesty International, dass Sicherheitskräfte nach den Erdbeben massive Gewalt gegen Gefangene eingesetzt haben. Demnach kamen innerhalb der Haftanstalt Gummigeschosse, Schrotmunition und Tränengas zum Einsatz. Sollten sich diese Vorwürfe bestätigen, könnten sie Folter oder andere Formen der Misshandlung darstellen. Ähnliche Berichte wurden auch von der Nichtregierungsorganisation CLIPPVE dokumentiert. Sie bewertet das Vorgehen als Vergeltungsmassnahme gegen Gefangene, die auf die durch die Erdbeben verursachten Schäden sowie auf schwer verletzte Mithäftlinge aufmerksam gemacht hatten. Laut Angaben von Angehörigen ist der Verbleib von mindestens sieben Inhaftierten unbekannt – sie könnten Opfer des Verschwindenlassens geworden sein.

Angesichts der verheerenden Auswirkungen der Erdbeben vom 24. Juni müssen die venezolanischen Behörden ihren Menschenrechtsverpflichtungen sowie den humanitären Grundsätzen der Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität und Unabhängigkeit uneingeschränkt nachkommen. Die anhaltende willkürliche Inhaftierung Hunderter Menschen lässt sich unter diesen Umständen nicht rechtfertigen. Die Forderungen von Angehörigen, Communities und zivilgesellschaftlichen Organisationen nach Schutz und Freilassung der Betroffenen müssen gehört werden. In den letzten Jahren hat Amnesty International die Haftbedingungen im Gefängnis «Rodeo I» sowie die Behandlung der Inhaftierten als potenzielle Folter und als andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung angeprangert. Ausserdem ist es äusserst besorgniserregend, dass willkürliche Inhaftierungen in Venezuela oft auch mit anderen schweren Menschenrechtsverletzungen einhergehen. Dies gilt beispielsweise für Jorgen Guanares, dessen Schicksal und Verbleib seit August 2024 unbekannt sind, sowie für Emirlendris Benítez und Juan Carlos Marrufo, denen derzeit eine angemessene medizinische Versorgung verweigert wird, obwohl sie diese dringend benötigen.

Am Nachmittag des 24. Juni 2026 erschütterten zwei Erdbeben den Norden Venezuelas mit einer Stärke von jeweils 7,2 und 7,5 auf der Richterskala. Von den Erdbeben waren vor allem dicht besiedelte Bundesstaaten betroffen, darunter La Guaira, Caracas, Carabobo, Falcón, Aragua, Miranda und Yaracuy. Nach offiziellen Angaben vom 12. Juli waren mindestens 4'561 Menschen ums Leben gekommen, 16'740 wurden verletzt und 17'907 hatten ihr Zuhause verloren. Hunderte Wohnblocks und andere Gebäude sind eingestürzt oder haben strukturelle Schäden davongetragen. Es wird davon ausgegangen, dass diese Zahlen nicht das gesamte Ausmass der durch die Erdbeben verursachten menschlichen und materiellen Schäden widerspiegeln. Berichten zufolge werden noch immer Tausende vermisst. Der Zugang zu Informationen ist nach Jahren staatlich geförderter Zensur und einer Politik der Unterdrückung nach wie vor eingeschränkt.

Am 25. Juni veröffentlichte Amnesty International eine Pressemitteilung, in der die Organisation vor den verheerenden Auswirkungen warnte, die diese Erdbeben auf die Menschen in Venezuela haben dürften – vor dem Hintergrund einer seit einem Jahrzehnt andauernden komplexen humanitären Notlage, einer systematischen Politik der Unterdrückung und, was besonders schwerwiegend ist, eines zusammengebrochenen Gesundheitssystems. Am 30. Juni veröffentlichte Amnesty International eine Urgent Action, in der eine menschenrechtskonforme und diskriminierungsfreie Katastrophenhilfe gefordert wird.

Zwischen Dezember 2025 und Mai 2026 haben die venezolanischen Behörden langsam und sporadisch einige willkürlich Inhaftierte freigelassen, die meisten mit Auflagen und unter Aufrechterhaltung der strafrechtlichen Ermittlungen oder Anklagen gegen sie. So auch die beiden gewaltlosen politischen Gefangenen und Menschenrechtsverteidiger Javier Tarazona und Carlos Julio Rojas. Am 6. Juli waren nach Angaben der venezolanischen NGO Foro Penal noch immer mindestens 372 Menschen aus politischen Gründen willkürlich inhaftiert, wobei andere lokale NGOs wie Justicia, Encuentro y Perdón zum 13. Juli eine Zahl von 518 angeben.

Seit 2020 haben Berichte der unabhängigen internationalen Untersuchungsmission der UN für die Bolivarische Republik Venezuela (FFM) Hunderte Fälle von aussergerichtlichen Hinrichtungen, Verschwindenlassen, willkürlichen Inhaftierungen, Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung, die seit 2014 im Land begangen wurden, dokumentiert. Ebenfalls belegen die Berichte die Art und Weise, in der das Justizsystem als Instrument für die Unterdrückungspolitik der Regierung dient, und kommen zu dem Schluss, dass einige dieser internationalen Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen. Die Regierung fährt damit seit Langem eine repressive und auf Schikane, Strafverfolgung und Zensur beruhende Linie gegen Aktivist*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich für den Schutz der Rechte der Venezolaner*innen einsetzen. In Venezuela herrscht derweil eine komplexe humanitäre und menschenrechtliche Krise, die dazu geführt hat, dass so viele Menschen wie nie zuvor das Land verlassen haben, um im Ausland Schutz

zu suchen. Bis Mai 2025 waren 7,9 Millionen Menschen aus Venezuela geflohen.

Seit November 2021 führt die Anklagebehörde des Internationalen Strafgerichtshofs ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren zu der Lage in Venezuela durch und konzentriert sich dabei insbesondere auf von den Sicherheitskräften, zivilen Behörden und regierungstreuen Gruppen (Colectivos) mindestens seit April 2017

begangene Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie «Inhaftierung und andere schwere Formen des Entzugs der körperlichen Freiheit; Folter; Vergewaltigung und andere Formen der sexualisierten Gewalt [sowie] Verfolgung aus politischen Gründen».

Details

UA-Nummer:
Erscheinungsdatum | Aktualisiert am:
Index:
UA 072/24-7
16.04.2026 | 14.07.2026
AMR 53/1291/2026
Voraussichtlich mitmachen bis: 14. September 2026
Ganze Urgent Action (Word): deutsch
english
Nur der Modellbrief (Word): deutsch
english
español

Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.

English version

Amidst disaster, hundreds remain detained

As the devastating consequences of the earthquakes that struck Venezuela on 24 June 2026 unfold, hundreds of politically motivated arbitrary detainees remain unfairly imprisoned. Reports of damage to the prison commonly referred to as «Rodeo I» followed accounts of neglect towards detainees’ personal integrity, as well as concerning reports of unlawful use of force. The organization has also received reports of alleged acts of torture and possible enforced disappearance of detainees. We call on the attorney general to ensure the immediate release of all those arbitrarily detained in Venezuela and to protect the life and integrity of those in custody.

In the afternoon of 24 June 2026, two earthquakes hit Venezuela, each 7.2 and 7.5 in magnitude. The earthquakes mainly affected densely populated areas in La Guaira, Caracas, Carabobo, Falcón, Aragua, Miranda, and Yaracuy. As of 12 July, official figures stated that at least 4'561 people had been killed, 16'740 were injured, and 17'907 had lost their homes. Hundreds of apartment blocks and other buildings collapsed or have suffered structural damage. These figures are widely considered to not fully convey the total extent of the human and material damage caused by the earthquakes, with thousands reportedly still missing and with access to information still restricted after years of state-sponsored censorship and a state policy of repression.

Amnesty International has received information from relatives of arbitrary detainees, specifically from an individual in the «Rodeo I» prison, reporting that authorities in the prison fired pellets and tear gas inside the prison, which could amount to torture and ill treatment. This is consistent with complaints raised by the NGO CLIPPVE, which has warned that these appear to be reprisals against detainees for requesting measures to address damage caused by the earthquakes and alerted that there are detainees severely injured and according to the families at least seven detainees’ whereabouts would have been unknown, which could constitute enforced disappearances.

On 25 June, Amnesty International issued a press release raising the alarm over the devastating impact these earthquakes would likely have on people in Venezuela, coming off a decade-long complex humanitarian emergency and systematic policy of repression, and, critically, a collapsed health system. On 30 June, the organization issued an urgent action calling a rights-based response to the earthquakes.

At least since 2014, the Venezuelan government has continuously used politically motivated arbitrary detentions to silence any form of real or perceived dissent in Venezuela as part of a systematic and widespread policy of repression. Between December 2025 and June 2026, Venezuelan authorities have slowly and sporadically released victims of politically motivated arbitrary detention, most on conditional release and maintaining the criminal investigations or charges against them, like in the case of prisoners of conscience and human rights defenders Javier Tarazona and Carlos Julio Rojas. As of 6 July, at least 372 people remained arbitrarily detained for political reasons, according to Venezuelan NGO Foro Penal, with other local NGOs -like Justicia, Encuentro y Perdón- raising that figure to over 518 as of 13 July 2026.

Within this policy of repression, the government has continually harassed, prosecuted and censored activists and civil society organizations working to protect the rights of Venezuelans amidst a complex humanitarian emergency and a deep human rights crisis that is making Venezuelans flee in unprecedented numbers in search of safety and protection. By May 2025, 7.9 million had fled Venezuela. In its 25 June press release, Amnesty International stated that «[h]uman rights and humanitarian NGOs are currently operating in a hugely restrictive environment as a result of a repressive legal architecture geared towards closing off civic space and targeting any form of perceived dissent. In order to offer an effective relief response plan, the Venezuelan authorities must immediately repeal the so-called Anti-NGO law and all other legal mechanisms that restrict, control and limit the lawful and necessary activities of these civil society organisations». And that «this call has become all the more urgent in order to assist those groups most vulnerable to discrimination and marginalization namely children and older people».

Since 2020, reports from the UN independent international fact-finding mission on Venezuela (FFM) have thoroughly documented hundreds of extrajudicial executions; enforced disappearances; arbitrary detentions; and torture and other cruel, inhuman or degrading treatment committed in the country since 2014; as well as the ways in which the justice system serves as a tool for the government’s policy of repression, establishing that some of these international crimes and human rights violations amount to crimes against humanity.

Since November 2021, the Office of the Prosecutor of the International Criminal Court is conducting a criminal investigation into the situation in Venezuela, specifically regarding the «[c]rimes against humanity of deprivation of liberty or other serious deprivation of physical liberty (…); torture (…); rape and/or other forms of sexual violence of comparable severity (…); and politically motivated persecution against persons detained (…), which were committed since at least April 2017, by members of the State security forces, civil authorities and pro-government persons (or groups called «collectives»)».

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Please take action before 14 September 2026.

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